Interview mit Vorsitzendem Wolfgang Wagner

Navis beendet Mosambik-Einsatz: „Die Freude überwiegt“

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Die Hilfsorganisation Navis hat ihren Einsatz in Mosambik beendet. Im Interview spricht Vorsitzender Wolfgang Wagner über einen erfolgreichen Einsatz, der auch seine Tücken hatte.

Moosburg - Zwei Monate war die Hilfsorganisation Navis in Mosambik, um den Menschen zu helfen, die nach dem Zyklon Idai Mitte März Hab und Gut verloren haben. Im Interview blickt Navis-Vorsitzender Wolfgang Wagner auf einen erfolgreichen, aber auch nicht ganz unkomplizierten und teuren Einsatz zurück.

Zwei Monate war Navis in Mosambik im Einsatz. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Wir hatten am Anfang ein paar Schwierigkeiten – unter anderem, weil wir zu wenig Ärzte hatten. Aber es hat sich alles stabilisiert. Die Arbeit vor Ort war sehr zufriedenstellend, weil am Tag bis zu 7000 Liter Wasser gefördert und verteilt und bis zu 140 Personen pro Tag medizinisch versorgt werden konnten.

Die medizinische Hilfe war dringend notwendig. Mit welchen Krankheiten hatten es die Helfer am häufigsten zu tun?

Bei den Kindern, die etwa zwei Drittel der Patienten ausgemacht haben, waren über 40 Prozent Malariafälle. Zum Glück hatten wir die „Apotheker ohne Grenzen“ dabei, die die entsprechenden Medikamente organisiert haben. Ansonsten war alles dabei – auch ältere Verletzungen, etwa Verbrennungen oder Frakturen. Für unsere Leute war das aber ganz egal: Es wurde jeder behandelt. Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Monaten zirka 3500 Patienten von 40 Helfern versorgt.

Auch an sauberem Trinkwasser hat es gefehlt...

Das stimmt. Unsere Helfer hatten zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen mit dabei. Damit konnten in den vergangenen Wochen insgesamt etwa 120 000 Liter sauberes Wasser produziert und abgegeben werden. Das Problem war allerdings, dass die Leute teilweise mit alten, verschmutzten Wasserbehältern gekommen sind. Die haben von uns dann saubere Behälter bekommen, die die Frauen auf dem Kopf nach Hause getragen haben.

Am Sonntag kehren die letzten Navis-Mitglieder zurück. Wie viel Technik bleibt in Mosambik?

Wir haben unsere Zelte unten gelassen und den Schulen zur Verfügung gestellt. Zudem haben wir einiges an medizinischem Equipment einem medizinischen Zentrum übergeben. Die beiden Trinkwasseraufbereitungsanlagen, das Feldhospital und die Notstromaggregate kommen in den nächsten Tagen über den Schiffsweg nach Hamburg und von dort wieder zurück zu uns.

Und wie geht’s mit den Menschen vor Ort weiter?

Die Leute können das Wasser wieder aus den alten Quellen trinken, weil diese gereinigt worden sind. Medizinische Hilfe gibt es nun wieder in einem Krankenhaus, das zirka 30 Kilometer entfernt ist. Was die Leute für eine Zukunft haben, weiß ich nicht.

War die Hilfe ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Das mag mancher so sehen. Aber lieber ein Tropfen auf dem heißen Stein als gar keine Hilfe.

Der Mosambik-Einsatz wurde überschattet von einem Todesfall. . . 

Ja, das stimmt. Unser Mitglied Martin Lindermayer, der beim ersten Team als Techniker dabei war, kam daheim bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Er war ein wunderbarer Mann und ein Spezialist. Mit ihm haben wir eine große Fachkraft und einen Freund verloren. Sein Tod hat uns alle tief bewegt.

Bei aller Tragik: Die Arbeit musste weitergehen...

Ja – und sie ist auch weitergegangen. Keiner hat einen Rückzieher gemacht.

Gibt es auch schöne Erinnerungen an den Einsatz?

Die Helfer kommen alle mit großartigen Eindrücken zurück – etwa, dass die Menschen trotz der bitteren Armut so fröhlich waren. Da kann sich jeder eine Scheibe abschneiden. Natürlich bleiben auch die Kameradschaft unter den Helfern und das Miteinander in bester Erinnerung. Und wir erinnern uns daran, welche Freude wir den Kindern gemacht haben, als wir ihnen 25 Fußbälle mitgebracht haben – zuvor hatten sie sich Fußbälle aus Textilien geformt. Bei einem spontanen Fußballspiel freuten sich die Kinder riesig, dass sie besser Fußball spielen konnten als unsere Helfer.

Das Navis-Lager war etwa zehn Kilometer vom Einsatzort entfernt. Was hatte es damit auf sich?

Unsere Leute konnten nicht vor Ort übernachten – das wäre zu gefährlich für sie gewesen. Man muss bedenken: Die Menschen da unten haben nichts – da muss man wirklich vorsichtig sein. Deshalb sind die Helfer jeden Tag etwa zehn Kilometer hin- und zurückgefahren. Teilweise haben unsere Leute für diese Strecke eine Stunde gebraucht, weil die Straßen so schlecht waren und es so viele Schlaglöcher gab.

Sie haben den Einsatz von Moosburg aus verfolgt. Was bleibt für Sie in Erinnerung?

Für mich zählt, dass alle Helfer wieder gesund nach Hause gekommen sind und dass man den Leuten vor Ort wieder eine Lebensperspektive und eine Lebensfreude geben konnte.

So ein Einsatz ist bestimmt sehr teuer: Von welcher Größenordnung reden wir?

Alles in allem sind wir bei 160 000 Euro. Allein die Luftfracht hat 35 000 Euro gekostet, jedes Ticket pro Helfer 1600 Euro. Und – und das finde ich schon „stark“: Jeder Helfer musste 50 Doller bezahlen, damit er ins Land einreisen durfte. Das sind so die kleinen Wermutstropfen. Aber letztlich überwiegt die Freude, dass wir so vielen Leuten helfen konnten.

Das bedeutet, Navis ist wieder auf Spenden angewiesen, oder?

Ja. Zum einen müssen neue Zelte beschafft werden – die liegen insgesamt bei rund 35 000 Euro. Auch die Maschinen müssen gecheckt und möglicherweise generalüberholt werden. Ich möchte mich bei allen Spendern, die uns bislang unterstützt haben, bedanken: Herzliches Vergelt’s Gott!

Nach dem Einsatz ist bekanntlich vor dem Einsatz: Wann ist Navis wieder startklar?

Ich denke, wir werden vier Wochen brauchen, bis wir wieder einsatzklar sind.

Ihr Fazit?

Wenn der Einsatz auch nicht billig und nicht ohne Komplikationen war, so sind wir froh, dass alle Helfer gesund zurückgekehrt sind. Wir beenden den Einsatz mit großer Freude und mit großem Erfolg.

Gut zu wissen

Wer die Hilfsorganisation Navis mit Sitz in Moosburg finanziell unterstützen möchte, hat wie folgt Gelegenheit dazu: Stadt- und Kreissparkasse Moosburg, IBAN DE66 7435 1740 0000 4140 00, oder Freisinger Bank eG, IBAN: DE71 7016 9614 0000 0011 12. Weitere Informationen zum Verein gibt’s im Internet unter www.navisev.de sowie auf der Facebook-Seite von Navis.

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