Bürgermeister Josef Dollinger am Schreibtisch im Moosburger Rathaus.
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Seit 100 Tagen am neuen Schreibtisch: Josef Dollinger stieg vom Kinobetreiber zum Ortschef von Moosburg auf.

100 Tage im Amt

„Vorsorgepolitik liegt mir sehr am Herzen“: Josef Dollinger zieht erste Zwischenbilanz als Bürgermeister

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Nach 100 Tagen im Amt verrät Moosburgs Bürgermeister Josef Dollinger, wie sein Antritt verlief, welche Projekte Priorität haben und welche Pläne er für das Stadt-Jubiläum hat.

Moosburg – Die Vita von Josef Dollinger hat einiges zu bieten: Der 61-Jährige ist gelernter Heilpraktiker, hat dazu lange das Moosburger Kino geleitet und dort auch noch eine erfolgreiche Gastronomie etabliert. Seit Mai darf er sich nun 1. Bürgermeister seiner Heimatstadt nennen – im dritten Anlauf hatte sich Dollinger durchsetzen können. Im großen 100-Tage-Interview verrät er, warum sich seine Vorstellungen des Amtsantritts nicht erfüllt haben, welche Projekte für ihn jetzt Priorität haben und wie seine Pläne für das anstehende Stadt-Jubiläum aussehen.

Freisinger Tagblatt: Herr Dollinger, Sie haben viele Jahre auf dieses Amt hingefiebert. Nach 100 Tagen im Dienst: Haben sich Ihre Vorstellungen bestätigt?

Josef Dollinger: Mei, hingefiebert... Ich hatte natürlich immer das Bestreben, 1. Bürgermeister zu werden. Das habe ich erreicht. Die Arbeit ist sehr interessant und macht Spaß, aber leider Gottes ist sie nicht so angelaufen, wie ich mir das ausgemalt hatte.

Sie sprechen von Corona.

Genau. Ich hatte mir eigentlich überlegt, mit welchen Veranstaltungen es am 1. Mai losgeht. Auch die Amtsübergabe war dann ganz anders: Wir mussten alles improvisieren. Coronabedingt ist das Ganze nicht so schön abgelaufen, aber wir haben das Beste daraus gemacht.

Wie wurde Ihre Einarbeitung noch gehandicapt?

Es wären viele Vorstellungen von Behördenvertretern und andere Antrittsbesuche geplant gewesen, da hat sich nun einiges angestaut. Deshalb bin ich jetzt auch in der Urlaubszeit noch mit vielen Terminen versorgt.

Es ist von Vorteil, dass Anita Meinelt nicht nachtragend ist.

Josef Dollinger

Wie wurden Sie im Rathaus aufgenommen?

Ich hatte schon vorher als Stellvertreter ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern. Dazu habe ich das Glück, dass ich auch noch sehr engen Kontakt zu Frau Meinelt habe, jederzeit Fragen stellen kann und Rat einholen darf. Das ist sehr viel wert.

So harmonisch lief der Austausch ja nicht immer zwischen Ihnen beiden. Wie würden Sie Ihr Verhältnis heute beschreiben?

Sehr gut, freundschaftlich kollegial. Das beste Verhältnis, seit wir uns kennen (lacht). Es war immer ein Auf und Ab, wir haben einiges durchgefochten an Wahlkämpfen und Meinungsverschiedenheiten. Da ist es sehr von Vorteil, dass sie nicht nachtragend ist – und ich bin’s auch nicht.

Gäbe es denn Grund dazu?

Nein. Und ich freue mich jetzt natürlich, dass sie als stellvertretende Landrätin in einer politischen Position ist, auf die auch die Stadt Moosburg zurückgreifen kann und die für uns sehr dienlich ist.

Und wie läuft’s im neuen Stadtrat?

Auch da fühl’ ich mich wohl. Ich glaube, wir haben im Gremium ein gutes Arbeitsklima. Viele Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit gefällt, einige einstimmig. Da gehen wichtige Sachen vernünftig durch. Ich habe natürlich die Strategie, mit vielen Vorinformationen zu arbeiten, um die Fraktionen im Vorfeld in die Entscheidungsfindung einzubinden. Das ist, glaub’ ich, sitzungstechnisch sehr dienlich. Natürlich sind wir aber nicht immer einer Meinung – klar, bei der Vielfalt an Stadträten. Das Klima ist jedenfalls sehr gut und ich hoffe, dass das so bleibt.

Was mussten Sie als 1. Bürgermeister ganz neu lernen?

Dass ich jetzt die letzte Ansprechperson bin. Sonst hab’ ich halt Frau Meinelt dabei gehabt. Ich vergleiche das Gefühl immer mit dem Verhältnis meines Papas zu mir: Wir hatten immer ein gutes. Wenn etwas gewesen ist, haben wir uns abgesprochen und er hat entschieden. Als er nicht mehr da war, musste ich entscheiden. So ähnlich ist das jetzt: Du musst reinwachsen, lernen. Mein Glück ist, dass ich nach 18 Jahren im Stadtrat, sechs Jahren als Bürgermeister-Vize und zwölf Jahren im Kreistag einen gewissen Hintergrund habe. Ein bedeutender Vorsprung gegenüber einem komplett Neuen.

Auf Sitzungen bereite ich mich mental vor, ähnlich wie ein Sportler.

Josef Dollinger

Welche Unterlagen liegen gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Das sind die Vorgänge, die gerade in Planung oder im Bau sind: natürlich das Hallenbad, wo wir gerade die Bodenplatte machen. Dann das sechsgruppige Kinderhaus in den Amperauen, da werden wir demnächst im Stadtrat die Beschlüsse fassen. Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren fertig sind. Und natürlich weitere Baustellen – für mich ist Bauen ein Schwerpunkt. Wir sanieren gerade drei Brücken und ich bin auch dabei, Perspektiven für die Zukunft zu schaffen. Nach Möglichkeit möchte ich Grundstücke erwerben, um auch Perspektiven für die kommenden Amtsträger zu schaffen. Vorsorgepolitik zu betreiben, liegt mir sehr am Herzen.

Und welches Thema hat bisher am meisten Zeit beansprucht?

Es summiert sich alles. Viel Arbeit geht für die Sitzungsvorbereitungen drauf. Ich gehe dafür meistens sonntagnachmittags ins Büro. Da habe ich Zeit, mache mir Gedanken, worauf es ankommt und was ich sagen möchte. Ich gehe die ganze Sitzung einmal mental durch, ähnlich wie ein Sportler, der sich seinen Abfahrtslauf nochmals vor Augen führt, den er am kommenden Tag vor sich hat.

Fehlt Ihnen die Arbeit in Ihrem Kino?

Eigentlich nicht. Ich habe die Gabe, dass ich so etwas abhaken kann. Natürlich unterstütze ich meine Tochter und wir beraten uns über bestimmte Dinge. Gerade geht es um eine neue Lüftungs- und Heizungsanlage. Meine Tochter ist technisch nicht so versiert und hat noch nicht die Erfahrungen im Umgang mit den Firmen. Aber mein Deandl macht das gut und hat das im Griff. Ich könnte es nicht besser machen. Schade für sie ist, dass sie den Betrieb in dieser schwierigen Zeit übernommen hat. Aber wie unsere Kanzlerin sagt: Wir schaffen das. Gemeinsam, in der Familie.

Ich bin schon ein Autofahrer, dazu stehe ich auch - bei aller Vorbildfunktion.

Josef Dollinger

Bleibt Ihnen durch Ihre neue Arbeit noch weniger Zeit für Privates?

Es hat sich nicht sehr viel geändert, außer dass ich jetzt schon eineinhalb Stunden früher – um kurz nach 7 Uhr – ins Büro fahre.

Mit dem Fahrrad? Immerhin wohnen Sie ja in Moosburg.

Das Radl eignet sich nicht wirklich, weil ich immer wieder unterwegs bin. Mit dem Radl kann man nicht mal schnell nach Freising fahren.

Aber mit dem Zug.

Ja, nach Freising schon. Aber in andere Orte nicht. Ich bin schon ein Autofahrer, dazu stehe ich auch – bei aller Vorbildfunktion für den Umweltschutz. Ich fahr’ schon mal mit dem Radl, aber dann eher privat.

Durch die Pandemie verbringen viele Moosburger ihren Urlaub und ihre Freizeit daheim – was zu teils chaotischen Verhältnissen am Aquapark führt. Zugeparkte Rettungswege und Massen an Müll vermiesen die Badefreuden. Sollte die Stadt hier noch stärker Einfluss nehmen?

Ich kenne die Problematik am Aquapark. Es ist schwierig, auf dem Privatgrund Einfluss zu nehmen. Wir können als Stadt nicht runter fahren und da für Ordnung und Sauberkeit sorgen. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn wieder ein ähnlicher Betrieb wie vor Jahren entstehen könnte. Mit Sanitäranlagen, Kiosk und geregelten Parkplätzen. Uns als Stadt ist natürlich daran gelegen, eine Lösung herbeizuführen.

Im August steht ein Gespräch mit dem Landrat zum Thema Aquapark an.

Josef Dollinger

Und wie könnte die aussehen?

Für heuer sehe ich keine großen Möglichkeiten mehr, im kommenden Jahr schon eher. Im August steht noch ein gemeinsames Gespräch mit dem Landrat an, um über die Situation zu beraten. Wir werden über die Wünsche des Eigentümers sprechen, welche Art von Nutzungsmöglichkeiten der sich vorstellt und ob wir das ermöglichen können. Es waren ja verschiedene Bauabschnitte vorgesehen. Stufe 1 wäre gewesen, dass man einen Weg um den See herum anlegt, den Sanitärbereich herrichtet und eine Wakeboardanlage installiert. Dafür hatte der Stadtrat ja sein Einvernehmen gegeben...

...und das Landratsamt ist dann auf die Bremse gestiegen.

Da ist es hängen geblieben, ja. Für die nächste Ausbaustufe mit Hotel und so weiter hätte es von uns wahrscheinlich auch keinen Bebauungsplan gegeben, weil ein Hotel und eine Eventhalle da draußen für die Stadt nicht zielführend sind. Eine kleinere Version, die dem Eigentümer eine gewisse Refinanzierung bringt, kann und muss es geben. Wenn der keine Einnahmen generieren kann, kann man auch keine Sauberkeit und Pflege erwarten. Ich bin der Meinung, dass wir eine vernünftige, verträgliche Nutzung des Geländes so weit genehmigen sollten, dass es sich wirtschaftlich trägt. Es muss sich auch in das Ensemble einfügen.

Im kommenden Jahr feiert Moosburg 1250. Geburtstag. Was erwartet die Bürger im Jubiläumsjahr?

Wenn ich das wüsste. Wir wissen alle nicht, wie es weiter geht mit unserer lieben Corona-Pandemie. Wir würden auf jeden Fall ein schönes Jahr gestalten und sämtliche Veranstaltungen in das Festjahr integrieren, zum Beispiel mit einem gemeinsamen Logo. Es würde am Neujahrstag auf jeden Fall mit einem Festgottesdienst beginnen, ich bin da ja kirchlich angehaucht. Beim Neujahrsschwimmen geht es weiter, da bin ich ebenfalls immer dabei. Dann kommt der Ball der Stadt Moosburg – und so würde sich das über das ganze Jahr fortführen.

Aber sind denn auch spezielle Ereignisse geplant?

Die Idee stammt nicht von mir, aber es gibt Überlegungen für eine 1250 Meter lange Tafel als Abenddinner. Das wären um die 500 Biertische. Auch das Sommer-Kulturfestival müsste ins Festjahr integriert werden. Es gäbe tausende von Ideen, aber man muss auch sagen: Es macht keinen Spaß zu planen, weil man ja gar nicht weiß, was am Ende davon umgesetzt werden kann. Das liegt mir im Magen, weil ich für mein Leben gerne solche Dinge organisiere.

Gibt es auch einen Plan B?

Es gibt Überlegungen, dass wir das Ganze um ein Jahr verschieben. Die Entscheidung dazu werden wir im Oktober treffen, weil wir dann vielleicht sehen, wie sich die Lage nach der Urlaubssaison entwickelt.

Also das Jubiläum ein ganzes Jahr später feiern?

Final möchte ich das den Stadtrat entscheiden lassen. Aber wenn es keine Veranstaltungen wie das Frühlingsfest oder die Herbstschau gibt, dann macht’s doch keinen Spaß. Ich glaube, das würden die Leute verstehen. Die Landshuter Hochzeit und die Olympischen Spiele wurden ja auch verschoben.

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