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Ein „Skandal“: Bund Naturschutz kritisiert Holzarbeiten im Auwald bei Moosburg massiv

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Von: Manuel Eser

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Umgestürzte Bäume im Auwald bringen Naturschützer auf die Palme. Sie glauben, dass die Bäume gefällt wurden. Der Forstleiter versichert: Es handelt sich um Fichten und Eschen, die Sturmtief „Sabine“ umgeworfen hat. © Bund Naturschutz

Die Forstarbeiten im Auwald rufen Naturschützer auf den Plan, sie sprechen von einem „Skandal“. Der Staatliche Forstbetrieb weist die Kritik vehement zurück.

Landkreis – Mit schwerem Gerät ist der Staatliche Forstbetrieb in den Isarauen angerückt. Die Holzarbeiten zwischen Moosburg und Niederhummel haben den Bund Naturschutz auf den Plan gerufen. Die Umweltschützer sprechen von einem „Skandal“. Die Gegenseite weist diesen Vorwurf weit von sich. „Wenn wir diese Arbeiten jetzt nicht ausführen würden, hätten wir im Sommer einen weitaus größeren Schaden“, betont Forstbetriebsleiter Alfred Fuchs. Das FT beleuchtet die Konfliktfelder.

Stein des Anstoßes

Der Bund Naturschutz kritisiert die Forstarbeiten in den Isarauen. Zwischen Niederhummel und Moosburg werde derzeit massiv Holz gemacht. Die Folge seien deutliche Schäden im Auwald, erklärt BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny. „Obwohl die Natur bereits voll erwacht ist, die meisten Vögel brüten und die Vegetation in Blüte steht, lassen die bayerischen Staatsforsten mit schwerem Gerät – sogenannten Harvestern – massiv Bäume fällen.“

Dem widerspricht Forstbetriebsleiter Alfred Fuchs vehement. Der Vorwurf des Holzeinschlags laufe gänzlich ins Leere. Zwar sei man tatsächlich derzeit mit schwerem Gerät unterwegs, das aber habe triftige Gründe: die drohende Vermehrung des Borkenkäfers im Zuge des Sturmtiefs „Sabine“, das im Februar im Forstbetrieb Freising einige Tausend Festmeter Fichte umgeweht habe. „In die geworfenen Fichten bohrt sich nun der Borkenkäfer ein“, erklärt Fuchs. „Ohne Aufarbeitung stünde uns im Sommer eine Massenvermehrung des Käfers im Auwald bevor. Die Beseitigung der Schäden ist somit gesetzliches Gebot und zwingende Pflicht zum Schutz und Erhalt unserer Wälder.“

Im Gebiet zwischen Oberhummel und Moosburg sind laut Fuchs 1000 Festmeter Fichte betroffen, innerhalb des Naturschutzgebiets allerdings nur 30. „Die werden voraussichtlich nicht aufgearbeitet.“ Genauso wenig wie die geworfenen Eschen. Der Forstleiter erklärt: „Auf die Aufarbeitung des Laubholzes verzichten wir gänzlich und überlassen die Bäume dem natürlichen Zerfall.“ Es sei denn, Bäume müssten aus Sicherheitsgründen oder zur Walderschließung entfernt werden.

Der Zeitpunkt

Laut BN gilt die Regel, Holzarbeiten ab 1. März zu unterlassen. „Leider scheren sich die bayerischen Staatsforsten offenbar wenig darum“, sagt Drobny, und BN-Artenschutzreferentin Christine Margraf ergänzt: „Auch wenn das Vorgehen nach bayerischer Lesart rechtlich möglich ist, macht man so was nicht.“

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Den Isarauwald aus der Nutzung zu nehmen und der Natur zurückzuführen, fordert der BN. Forstleiter Alfred Fuchs zeigt sich dafür aufgeschlossen © Grafik: Bund Naturschutz

Fuchs betont, dass die 1.- März-Regel zwar für private Gärten gelte, nicht aber für den Forst. „Da geht es oft um den Erhalt des Waldes an sich.“ Da das Sturmtief „Sabine“ erst Mitte Februar über Bayern hinweggezogen sei, ziehe sich die Beseitigung der Schäden bei einem Revier von 17 000 Hektar zwangsläufig bis in den April hinein.

Angst um die Vögel

„Es sind sicher etliche Vogelbruten zerstört worden“, empört sich BN-Kreisvorsitzender Wolfgang Willner, und Margraf fügt an: „Wir sind hier in einem Naturschutzgebiet. Da kann man bei einer staatlichen Firma auf Staatsgrund verlangen, dass auf die Natur Rücksicht genommen wird.“ Sie nennt das Vorgehen der Bayerischen Staatsforsten einen „Skandal“.

Auch das weist Fuchs von sich. Selbstverständlich sei jede Störung des Brutgeschehens eine zu viel. „Aber in der Abwägung mit dem Ziel, den vom Sturm getroffenen Wald als solchen zu erhalten, kann auf die gezielte Beseitigung von Schäden zum Walderhalt nicht verzichtet werden.“ Da aber nur kurzzeitig und lokal begrenzt gebrochenes Holz aus den Beständen geborgen werde und keine intakten Bäume gefällt würden, sei die Beeinträchtigung der Vögel auf ein Minimum begrenzt.

Raus aus der Nutzung

Der Bund Naturschutz weist darauf hin, dass im Zuge des erfolgreichen Artenschutz-Begehrens gesetzlich geregelt worden sei, zehn Prozent der staatlichen Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Dies fordert der BN nun für die Auwälder zwischen Freising und Moosburg. Die würden sich ideal als Naturwälder eignen, sagt Willner: „Fangt endlich an, um das Artensterben zu stoppen!“

Fuchs steht dieser Idee aufgeschlossen gegenüber. „Die Entscheidung liegt aber beim Freistaat Bayern.“ Forstministerin Michaela Kaniber habe bereits angekündigt, im Bereich der Auwaldlebensräume die Repräsentanz der Naturwälder zu verbessern. In den Donauauen westlich von Neuburg habe sie im Oktober 2019 bereits den ersten Schritt getan. Fuchs signalisiert dem BN Gesprächsbereitschaft. „Umweltschutz gelingt nur miteinander.“

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