Igel im Herbst
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Unter Blättern und Ästen fühlen sich die Igel wohl – vorausgesetzt, sie sind stark genug und gesund.

Unterstützung ist gefragt

Schnelle Hilfe für Igel-Babys: Expertin Ulrike Kolar aus Moosburg gibt Tipps

  • Andrea Hermann
    VonAndrea Hermann
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Schwache und kranke Igel-Babys benötigen aktuell die Hilfe der Menschen. Doch nicht jeder weiß, wie man mit den kleinen stracheligen Gesellen umgeht. Igel-Mama Ulrike Kolar aus Moosburg gibt Tipps.

Landkreis – Viele verwaiste und schwache Igel werden derzeit überall im Landkreis Freising gefunden. Schnelle Hilfe ist hier gefragt, weiß Ulrike Kolar, Igel-Mama aus Moosburg: „Sobald ein Igel rumliegt, besteht höchste Gefahr.“ Viele Bürger wollen den kleinen Igeln helfen, jedoch „wissen die meisten Leute nicht, wie sie damit umgehen sollen“, berichtet Kolar aus Erfahrung.

„Daher sind etliche Igelkinder an Unterkühlung, falscher Ernährung und falscher Unterbringung gestorben.“ Auch Fliegeneier und Maden sind ein großes Problem für die kleinen stacheligen Gesellen: „Dass Fliegen ihre Eier auf schwache Tiere legen, ist nicht sehr bekannt“, erzählt die Tierliebhaberin. „Manche Igel mussten eingeschläfert werden, da sie total zerfressen waren.“ Um den Igelbabys zu helfen, gibt die Moosburgerin Tipps.

Verwaiste Igelbabys, die zwischen 80 und 110 Gramm wiegen und schwach sind, „brauchen es warm und kuschlig“. Deshalb rät Kolar, den Winzlingen eine Unterkunft in einem Gartenhäuschen oder im Keller zu bauen – etwa aus Karton oder Holz. Auch müssen diese Tiere (zu-)gefüttert werden: Optimal ist laut Ulrike Kolar Baby-Katzenfutter (ohne Gelee und Soße) und für die ganz kleinen Igel Welpen-Aufzuchtmilch. „Dann ist der Körper gut versorgt.“ Von Rühreiern rät die Igel-Expertin ab: „Die sind für kleine Igel ungeeignet.“

Igel-Mama seit 30 Jahren: Ulrike Kolar.

Auch müssen die kleinen Tiere untersucht werden: Fliegeneier am Körper können mit Salatöl gelöst werden, rät Kolar. Wenn man Maden in Körperöffnungen findet, sollte man „sofort zu jemanden gehen, der sich auskennt – etwa ein Tierarzt oder eine Igelstation“. Ihre eindringliche Bitte: „In solchen Fällen nie selber rumdoktern.“

Seit über 30 Jahren kümmert sich die Moosburgerin um kranke und schwache Igel. Aktuell hat sie rund 40 Tiere in Pflege – mit ganz unterschiedlichen Problemen. Die einen sind klein und schwach, andere haben Erkrankungen wie Hautpilze, eitrige Gliedmaßen oder Rückenverletzungen. Und die Notfälle reißen nicht ab: Jüngst wurde ein Igel mit gerade einmal 65 Gramm abgegeben, wenig später ein Tier, das voller Fliegeneier und Hautpilz war. Während der eine richtig aufgepäppelt werden muss, braucht der andere ärztliche Hilfe. Und das geht ins Geld. Umso mehr freut sich Ulrike Kolar, wenn sie finanzielle Unterstützung bekommt – wie etwa im Juli von einer Klasse der Montessori-Schule Freising: Die Mädchen und Buben haben Kleingeld gesammelt und ihr dieses in einem Sackerl samt Brief übergeben. „Das war eine sehr nette Geste“, sagt Kolar – und eine Anerkennung ihrer Arbeit.

Igel-Notfall: 65 Gramm wog dieses Tier.

Ulrike Kolar hofft, dass sich viele Leute finden, die Igel-Babys aufpäppeln und sie – als eine der ersten Anlaufstellen im Landkreis – dadurch entlasten. Was Igel-Eltern benötigen: ein kuscheliges Nest sowie täglich frisches Wasser und Nahrung. Gleiches gilt auch für die Igel, die im Herbst einen Unterschlupf für ihren Winterschlaf suchen. Kolars Tipp für die „einfachste und billigste Unterkunft“: „Laub zusammentragen, eine Plastikplane darüber spannen und mit Steinen befestigen.“ Dazu eine flache Schale mit Wasser stellen und bei Bedarf Igel-Trockenfutter anbieten. Damit würde man Igel unterstützen, gut durch den Winter zu kommen.

Voller Fliegeneier wurde dieser Igel abgegeben.

Gartenbesitzern rät sie zu zudem, das Laub nicht komplett wegzuräumen, „damit die Igel noch was finden“. Höchste Vorsicht ist beim Abbrennen von Reisighaufen geboten: „Da sind die Igel gerne drunter.“ Auch sollte man mit Mährobottern im Garten aufpassen, damit die Tiere nicht unters Messer geraten. Das ist dem jüngsten Notfall von Ulrike Kolar passiert: Wegen seiner massiven Verletzungen durch einen Rasenmäherroboter musste der Igel eingeschläfert werden.

Wer sich unsicher ist, ob ein Igel den Winter im Freien überleben kann, dem gibt Kolar einen Anhaltspunkt: Mindestens 500 Gramm sollte ein normaler Igel Anfang November wiegen, um Winterschlaf halten zu können. Ist das nicht der Fall, braucht er Unterstützung. Eine Faustregel lautet dabei: Ein Igel, der kalt ist, frisst und trinkt nicht“. Darum sollte man die kleinen Gesellen immer warm halten.

Gut zu wissen

Wer Unterstützung bei der Pflege von Igeln benötigt oder ein Tier selbst aufpäppeln möchte, kann sich bei Ulrike Kolar melden: telefonisch unter (0 87 61) 6 03 65 (bitte auf den Anrufbeantworter sprechen) oder per Mail an igel_nothilfe_moosburg@gmx.de. Weitere Infos gibt’s auch auf der Internetseite des Tierschutzvereins Freising unter www.tierschutzverein-freising.de.

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