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Der Fortbestand des „Kleeblatts“ im Stadtgraben ist ungewiss: Der Vermieter plant, am Standort von Moosburgs einzigem Bioladen ein neues Mehrfamilienhaus zu bauen.

Sorge um Geschäfte in der Innenstadt

Moosburg: Tagwerk-Bioladen und Käsegeschäft vor ungewisser Zukunft

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Der Moosburger Bioladen „Kleeblatt“, nach 30 Jahren nicht mehr wegzudenken, wird von einem Bauvorhaben bedroht. Und beim Käsegeschäft im Weingraben sieht es noch düsterer aus.

Moosburg – Er liegt schon etwas versteckt. Neu zugezogene Moosburger wundern sich oft noch nach Jahren, wenn sie hören, dass es in der Innenstadt einen Biomarkt gibt. Die, die es kennen, halten dem „Kleeblatt“ im Stadtgraben treu die Stange: Seit über 30 Jahren existiert die Tagwerk-Filiale. Diese Erfolgsgeschichte allerdings scheint nun in Gefahr.

Der Tagesordnungspunkt, über den die Stadträte in der jüngsten Bauausschusssitzung zu entscheiden hatten, war denkbar unscheinbar: „Vorbescheid auf Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage am Stadtgraben 55“. Kein Wort über ein etwaiges Wohn- und Geschäftshaus. Dass sich an dieser Adresse Moosburgs einziger Bioladen befindet, hatte offenbar keiner der Anwesenden auf dem Radar. Denn Einwände gegen die Voranfrage gab es nur wegen fehlender Abstandsflächen in den Plänen. Das war dann auch der Grund, weshalb Evelin Altenbeck (Grüne) als einzige gegen das gemeindliche Einvernehmen stimmte. Der Antrag wurde somit an das Landratsamt weitergereicht

„Verkaufsaussichten größer, wenn im Neubau nur Wohnungen sind“

Doch wie geht es nun weiter mit dem „Kleeblatt“? „Wir stehen vor einer ungewissen Zukunft“, sagt Inhaberin Gertrud Fraunhofer dem FT. Dass der Fortbestand am Stadtgraben in Gefahr sei, stehe ihr zufolge seit vergangenem Herbst fest: „Da wurde das Haus ausgeschrieben.“ Der Vermieter, mit dem sie im regelmäßigen Kontakt stehe, wolle mit dem Vorbescheid ausloten, was baulich möglich sei, sagt Fraunhofer. Und gibt sich realistisch: „Natürlich sind die Verkaufsaussichten größer, wenn im Neubau nur Wohnungen sind.“

Auch wenn die „Kleeblatt“-Chefin bereits die Fühler nach alternativen Standorten ausstreckt, betont sie: „Der Laden bleibt noch einige Zeit so.“ Das ist auch ihre Botschaft an die Kunden, die vereinzelt bereits Wind von dem Vorhaben bekommen und sich verunsichert zu Wort gemeldet hätten. „Es ist jetzt so, wie’s ist“, gibt sich Gertrud Fraunhofer pragmatisch.

3. Bürgermeister will sich für Fortbestand einsetzen

Einer, der regelmäßig im „Kleeblatt“ einkauft, ist 3. Bürgermeister Michael Stanglmaier (Grüne). Er zeigt sich überrascht, als er durch das FT auf die Pläne angesprochen wird: „Wenn wir das gewusst hätten, wäre das sicher in der Sitzung angesprochen worden.“ Der Tagwerk-Laden gehöre schließlich zum Moosburger Inventar „und muss auch da bleiben“, sagt Stanglmaier. 

Er wolle sich nun mit seiner Fraktion und der Bürgermeisterin beraten, was die Stadt zum Fortbestand des Geschäfts beitragen könne. „Da muss man schnellstmöglich eine Lösung finden.“

Käsegeschäft steht vor dem Aus - Stadtrat sucht per Facebook Nachfolger

Mit einer großen Portion Motivation, Optimismus und Gründerlust hatte der Moosburger Stadtrat Alfred Wagner vor eineinhalb Jahren sein Projekt gestartet: den Laden „Käse im Weingraben“. Sein Plan: Als Inhaber im Hintergrund gemeinsam mit einer Verkaufskraft Käse, Wein und ausgewählte Feinkost anzubieten – und damit, wie Wagner selbst stets betonte, zur Stärkung der Innenstadt beizutragen. 

Nun zieht der Grünen-Stadtrat die Notbremse: Unter anderem per öffentlicher Facebook-Ankündigung teilt er seinen Kunden und den Moosburgern mit: „Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass das Geschäft in der jetzigen Form nicht weiterbetrieben werden kann.“ 

„Kann mit Laden Geld verdienen, aber keinen Lebensunterhalt bestreiten“

Grünen-Stadtrat und Ladeninhaber Alfred Wagner.

Im Gespräch mit dem FT begründete Alfred Wagner seine Entscheidung: „Man kann mit dem Laden Geld verdienen, aber keinen Lebensunterhalt bestreiten.“ Für Wagner, der hauptberuflich als Controller arbeitet, ist das Gehalt einer zusätzlichen Angestellten nicht zu stemmen, wie er sagt. „Wenn der Inhaber selbst im Laden steht, kann er sofort die Miete und alle laufenden Kosten decken, er erzielt auch sofort Überschüsse. Aber es bräuchte noch zwei bis drei Jahre harte Arbeit, um von diesen Einkünften leben zu können. Die Etablierung so eines Geschäfts dauert.“

Wagner ist deshalb nun auf der Suche nach einem Nachfolger, „der beispielsweise durch ein Familieneinkommen abgesichert ist“. Den Worten des Moosburgers ist zu entnehmen, wie sehr ihn der Entschluss schmerzt. „Die Resonanz der Moosburger ist gut, wir haben viele Stammkunden und auch unsere Auswahl wurde stets gelobt.“ 

Veränderungen im Sortiment als Ausweg

Eventuell, so Wagner, brauche es aber doch eine Veränderung im Sortiment. „Vielleicht funktioniert der Laden besser, wenn man noch mehr auf Imbiss setzt oder stärker auf die Feinkost-Schiene geht.“ Die Aufmerksamkeit bei der Suche nach einem Nachfolger scheint ihm jedenfalls gewiss: Auf den Facebook-Post, der auch in diversen Gruppen geteilt wurde, meldeten sich zahlreiche User mit Kommentaren des Bedauerns.

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