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Bei der Vernissage: (stehend, v. l.) Hans Reif, Schorsch Reindl, Martha Bochenek, Bernhard Kerscher, Blanka Wilchfort (mit Skulptur), Markus Wimmer, Christine Fößmeier, Peter Litvai, Lars Herrmann und Erwin Weber, (vorne, v. l.) Agnieska Paluch sowie die Musiker Stepha Schweiger und Mäx Huber.

Noch bis 3. November

Ein Beitrag zum offenen Erinnerungsort: Moosburger Vhs zeigt Stalag-Ausstellung

Vor 80 Jahren kamen die ersten polnischen Kriegsgefangenen in Moosburg an. Mit ihrem Schicksal im Stalag setzten sich acht Künstler auseinander. Ihre Werke sind jetzt in der Vhs zu sehen.

Moosburg – Genau 80 Jahre ist es her, als in Moosburg die ersten polnischen Kriegsgefangenen am Bahnhof ankamen und ins Kriegsgefangenenlager Stalag VII A getrieben wurden. Mit dem Schicksal der Häftlinge in den Baracken hinter Stacheldraht haben sich jetzt acht Künstler auseinandergesetzt. Die Ausstellung „19.10.1939“ im Haus der Bildung (Vhs) wurde von der Moosburger Journalistin und Künstlerin Christine Fößmeier initiiert und kuratiert.

Es war Punkt 18 Uhr, als am Samstagabend von der Empore über dem Atrium der Vhs das „Stalag-Signal“ ertönte, eine Eigenkomposition von Schorsch Reindl. Ein Zug, der sich von Weitem nähert: Dieses Bild tauchte vor dem inneren Auge der Vernissagebesucher auf. Der 19. Oktober 1939 wurde lebendig, als der erste Kriegsgefangenentransport zum damals noch nicht fertiggestellten „Mannschafts-Stammlager“ eintraf.

„Ohne das Stalag gäbe es mich nicht“

In der Ausstellung würden die Schicksale der Inhaftierten gewürdigt, sowie jener, die im Lauf der Gefangenschaft gestorben seien, sagte Fößmeier in ihrer Einführung. Auch Frauen und Kinder seien betroffen gewesen. Unter den Besuchern der Vernissage waren Nachkommen der Kriegsgefangenen. Etwa Nadine Sukniak, Leiterin der Bereiche Gesellschaft und Kultur an der Moosburger Vhs. Ihr Großvater sei mit einem Gefangenentransport nach Moosburg gekommen, erzählte sie mit bewegter Stimme. Die Großeltern hätten sich dann vor Ort kennengelernt. Nach dem Krieg sei geheiratet worden. „Ohne das Stalag gäbe es mich nicht.“

Über das Lager zu reden, sei eine „Chance“ für Moosburg, sich nicht nur als Stadt mit „einigen Gedenkorten“ zu präsentieren, sondern sich als offenen Erinnerungsort darzustellen, sagte Fößmeier. Eine besondere Verbindung zur Thematik brachte die Künstlerin Agnieska Paluch mit, deren polnische Familie in einem schlesischen Haus gewohnt hatte, das vor dem Zweiten Weltkrieg von Deutschen gebaut worden war. Sie zeigte ein großformatiges Gemälde mit dem Titel „Gedankenbaum aus der Gefangenschaft. Hans Reif, Stadtrat und Migrationsreferent, sowie Moosburgs Partnerschaftsreferent Erwin Weber attestierten der Ausstellung eine wichtige Funktion, um die Erinnerung an die Stadtgeschichte für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Apropos erhalten: Auf dem Boden ist eine Fotocollage montiert, mit der für die Erhaltung der Sabathiel-Baracke geworben wird. Die beiden Musiker Mäx Huber und Stepha Schweiger luden dann noch zu einer musikalischen Zeitreise ein. Am Klavier und Schlagzeug entführten sie die Zuhörer in die Zeit der 1930er Jahre, kurz vor Kriegsausbruch. Für ihre Improvisation erhielten sie lang anhaltenden Applaus. Maria Martin

Lesen Sie auch: Stalag-Verein präsentiert aufwendige Dokumentation über Kriegsgefangene in Moosburg

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