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Moosburger Ex-Stadtrat nimmt an Europa Orient Rallye teil - Er sucht noch Mitfahrer und Autos

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Von: Armin Forster

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Hinrich Groeneveld breitet eine Landkarte auf einer Motorhaube aus
Fiebert dem motorisierten Abenteuer entgegen: Hinrich Groeneveld ist leidenschaftlicher Hobby-Rennfahrer und möchte sich nun auch bei der Rallye beweisen. © Roland Albrecht

In fast schrottreifen Autos tausende Kilometer bis Jordanien fahren: Dieses Abenteuer wollen Hinrich Groeneveld und sein Team anpacken - und suchen Verstärkung.

Moosburg – „Tollkühn und positiv verrückt mit Altwagen zur Völkerverständigung“: Mit diesem Untertitel trommeln die Organisatoren der Europa Orient Rallye 2022 für ihre Veranstaltung, die am 9. Mai in Tübingen starten und zahlreiche Teams auf einer dreiwöchigen Abenteuerfahrt an ihr Ziel in Jordanien führen soll. Läuft alles nach Plan und vernichtet Corona nicht wieder die Pläne wie im Vorjahr, wird auch Hinrich Groeneveld dabei sein. Im Interview erzählt der 63-jährige Moosburger Ex-Stadtrat, was ihn an dem Vorhaben reizt, wie er sich darauf vorbereitet – und wo es derzeit noch hapert.

Freisinger Tagblatt: Herr Groeneveld, Sie sind Vorstandsrat beim ADAC Südbayern und Vorsitzender des Auto- und Motorradclubs Moosburg. Ihnen nachzusagen, Sie hätten Benzin im Blut, ist keine Übertreibung, oder?

Hinrich Groeneveld: Nein! (lacht) Ich interessiere mich seit 1970 für Autorennen: dem Jahr, als der österreichische Formel-1-Fahrer Jochen Rindt beim Training in Monza tödlich verunglückte, sein Punktevorsprung aber ausreichte, dass er posthum noch Weltmeister wurde. Seither verfolge ich die Formel 1 intensiv, und mit Anfang 50 habe ich mir gesagt: Ich will nochmal selber Rennen fahren. Mittlerweile fahre ich auf Amateur-Niveau, in diesem Jahr mit einem Seat Leon für ein Team aus Sachsen-Anhalt.

Was gibt Ihnen das?

Die Faszination, das Auto am Limit zu bewegen, präzise über alle Runden durchzuhalten. Und mit einer gewissen Konstanz immer am Maximum zu sein, ohne rauszufliegen.

Und nun wollen Sie an der Europa Orient Rallye teilnehmen.

Ja, wobei die nichts mit Autorennen zu tun hat: Dort fahren wir im normalen Straßenverkehr, müssen uns an alle Regeln halten. Es kommt überhaupt nicht auf die Geschwindigkeit an oder auf Sekunden und Zehntel. Es geht nur um das gemeinsame Fahren und Ankommen in diesem alten Auto.

Die Sieger gewinnen ein Kamel: Das ist die Europa Orient Rallye

Die „Low Budget Rallye“ wurde von Wilfried Gehr vor 16 Jahren als Allgäu Orient Rallye gegründet. Sein Ziel: Menschen, die sich die Teilnahme an Profi-Rallyes wie der Paris-Dakar oder Schickimicki-Rallyes wie der Mille Miglia nie leisten können, den faszinierenden Rallyesport zu ermöglichen. Der Name wurde 2019 in Europa-Orient-Rallye geändert. Zugelassen werden nur Fahrzeuge, die mindestens 20 Jahre alt sind oder weniger als 999,99 Euro kosten, sowie Motorräder, die nur 99 Cent pro Kubikzentimeter kosten dürfen. Pflicht ist außerdem ein bis Mai gültiger TÜV. Daneben gelten für die Teilnehmer folgende Regeln: keine Autobahnen, keine Mautstraßen, kein GPS, nur Landkarten und Kompass, Übernachtung nur im Auto, im Zelt oder in Hotels, die weniger als 11,11 Euro kosten. Gefahren wird in Teams, die Route führt über den Balkan, weiter per Schiff nach Israel und schließlich ins Zielland Jordanien. Dort werden die Wagen in der Regel verwertet. Dem Siegerteam winkt ein Kamel, das zu karitativen Zwecken vor Ort versteigert oder verschenkt wird. Mehr Informationen gibt’s online unter www.europa-orient-rallye.de.

Alte Autos sind auch eine Ihrer Leidenschaften, was man so mitbekommt.

Ich besitze zwei Oldtimer: eine weiße Alfa Giulia, Baujahr 1973, selbst restauriert – und einen roten Alfa Spider von 1980. Den hab’ ich damals neu gekauft.

Bei der Europa Orient Rallye geht es darum, mit mindestens 20 Jahre alten, annähernd schrottreifen Wagen „eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt“ zu erleben, wie der Veranstalter wirbt. Wie haben Sie davon erfahren?

Ich saß bei der Ersatzveranstaltung zur Moosburger Herbstschau letztes Jahr zufällig mit Benedikt Beibl und dessen Kumpel an einem Biertisch. Irgendwann kam zur Sprache, dass sie als die „Murmeltiere“ an der Rallye teilgenommen hatten. Das hat mich brennend interessiert: Mit alten Autos da runter zu fahren, etwas Wohltätiges zu tun und zur Völkerverständigung beizutragen – das ist voll in meinem Sinne.

Ein Rallye-Team sitzt auf seinen Autos inmitten von Wüstenlandschaft
Die „Murmeltiere“ nahmen 2014 als Moosburger Team an der Tour teil, die damals noch „Allgäu Orient Rallye“ hieß. Groeneveld holt sich bei ihnen nun nützliche Tipps. © privat

Jetzt haben Sie sich fix dafür angemeldet?

Ja, wir sind die „Orient Racer“ und bislang zu viert: Mein Schulfreund Klaus Krummbein aus Ostfriesland, mit dem war ich unter anderem schon im Mietwagen in Tansania unterwegs. Und dann sind noch die Schweizer Patrik Wikus und Andreas Netz dabei. An die sind wir gekommen, nachdem der Veranstalter meinen Aufruf auf Facebook veröffentlicht hat. Wir haben uns zwar noch nie persönlich getroffen, aber schon viel per Telefon und WhatsApp ausgetauscht. Jetzt ist gerade die Packliste in Arbeit. Idealerweise sollen pro Team drei Fahrzeuge mit zwei Personen an den Start gehen. Wir suchen also noch jemanden. Es dürfen auch Fahrerinnen sein, das wäre sicher belebend für die Mannschaft.

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Haben Sie schon die passenden Autos?

Wir möchten gerne mit gleichen Fahrzeugen starten, wegen des einheitlichen Auftritts und der Ersatzteil-Bevorratung. Alfa Romeo hat bedauerlicherweise nichts Passendes im Angebot (lacht). In der engeren Auswahl stehen nun VW Passat und Ford Mondeo. Die Relation zwischen Zuverlässigkeit und Kosten muss passen, schließlich bleiben diese Autos ja in Jordanien, die sind dann weg.

Brauchen die Allrad?

Nein, das werden keine Extremsituationen. Wir werden zwar schon auf Schotter fahren, aber man kann das auch mit Fronttrieblern machen. Das haben wir schon in anderen Ländern ausprobiert. Auf jeden Fall sind aus Platzgründen Kombis angedacht.

Video-Impressionen eines Teams von der Allgäu Orient Rallye 2013

Sie sind Flugzeug-Pilot im Ruhestand. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich kümmere mich eigentlich nur noch um Auto-Themen. Im AMC mit den Bereichen Kartsport und Oldtimer, beim ADAC als Regionalbeauftragter und Leiter von Fahrsicherheitstrainings. Außerdem bin ich Orga-Leiter eines Berg-Rennens, einem Deutschen Meisterschaftslauf mit 300 Helfern in Mickhausen bei Augsburg.

Welche Fähigkeiten aus der Piloten-Zeit werden in der Rallye dienlich sein?

Sicher meine Englischkenntnisse und dass ich ein Gespür für viele Länder hab’, in denen ich auch mit den Leuten sprechen konnte. Außerdem wohl meine Stressresistenz.

Welche Tipps haben Ihnen die „Murmeltiere“ gegeben?

Dass man nicht auf die sportliche Wertung, sondern auf die Gaudi aus sein sollte. Und man soll sich ein Duschzelt mitnehmen, auch für andere Verrichtungen. Weil’s in der Wüste nun mal kein Gebüsch gibt.

Konnten Sie schon Sponsoren verpflichten?

Wir rechnen mit Kosten von 4000 Euro pro Person. Wenn wir drei Autos werden, sind das 24.000 Euro, eine gewisse Refinanzierung über Sponsoren wäre also schön. Im Moment sind wir wegen der Wagen nur mit Autohäusern in Kontakt, aber die Anfragen werden bald ausgeweitet. Es kann sich also gerne jemand bei mir melden.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Auf einen tollen Zusammenhalt in der Gruppe: Zuerst natürlich im eigenen Team, aber auch in der großen Gemeinschaft. Man sitzt da oft abends zusammen und ich stelle mir vor, dass da sicher was abgehen wird. Das Austauschen – und zusammen feiern.

Wovor haben Sie Bammel?

Dass ich einen Defekt hab’ und das Auto dann nicht mehr reparabel liegen bleibt. Was sehr blöd wäre: ein Fahrzeug in der Türkei zu verlieren. Weil das sehr teuer wird wegen der Einfuhrzölle. Die von den „Murmeltieren“ haben gesagt: Egal, was passiert, das Auto muss wieder raus aus der Türkei! Der Wagen wird da in den Pass eingetragen und muss bei der Ausreise wieder raus.

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