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„Popcorn to go“ ist für Kinobetreiberin Verena Dollinger in der Corona-Zeit ein Angebot, um mit den Gästen in Kontakt zu bleiben.

Das aktuelle Interview

Moosburger Kino vor Neustart: „Das wird zur Herausforderung“

  • Andrea Hermann
    vonAndrea Hermann
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Die Kinos dürfen am 15. Juni wieder eröffnen. Die Freude bei Moosburgs Kinobetreiberin Verena Dollinger ist groß - aber auch die Herausforderung.

Moosburg– Für Verena Dollinger ist das Kino ein „Ort der Zusammenkunft“. Umso schwieriger ist für die 26-jährige Moosburgerin, die am 1. Januar die Rosenhof-Lichtspiele übernommen hat, die Corona-Zeit. Seit gut zwei Monaten sind keine Kino-Besuche möglich, und auch künftig wird es erhebliche Einschränkungen geben. Im FT-Interview spricht die Kinobetreiberin über die schwierige Corona-Zeit und deren Auswirkungen sowie die bevorstehende, mögliche Wiedereröffnung am 15. Juni und die möglichen Einschränkungen.

Frau Dollinger, wie geht es Ihnen als Kinobetreiberin und Gastronomin in der Corona-Krise?

Es ist eine sehr schwierige Zeit: Es war und ist ein bedrückendes Gefühl, wenn man durchs Haus geht, und es ist alles leer. Wir mussten ja immer die Server und Projektoren einschalten, damit technisch nichts passiert und sich die Batterien wieder aufladen können – und es ist absolut nicht schön, wenn man die leeren Kinosäle sieht.

Sie sind in der Corona-Zeit sehr kreativ geworden . . .

Wir haben uns schon einiges überlegt, um mit unseren Gästen in Kontakt zu bleiben: Wir haben an Ostern eine Malaktion gehabt, bei der wir drei Osternester verlost haben. Weil es aber so viele Einsendungen gab, und die Kinder so eine Freude dabei hatten, hat jedes Kind eine Freikarte bekommen – die haben wir per Post zugeschickt. Darüber hinaus haben wir einen Popcorn-to-go-Verkauf gehabt und auch angefangen, Speisen zum Mitnehmen anzubieten. Und wir haben den Online-Gutschein-Verkauf ins Leben gerufen – wofür bislang keine Zeit war.

Und bestimmt auch Zeit und Geld in das Gebäude selbst investiert, oder?

Ganz genau. Wir haben die Außenanlage komplett auf Vordermann gebracht, und die Kinosäle haben eine Grundreinigung bekommen. So gesehen haben wir die letzten zwei Monate gut genutzt.

Trotzdem: Zwei bis drei Monate Schließung gehen finanziell sicher ans Eingemachte.

Auf alle Fälle. Wir haben zwar den großen Vorteil, dass wir keine Miete zahlen müssen, weil wir im eigenen Gebäude sind. Aber wo die Kollegen Miete zahlen, haben wir Investitions- und Finanzierungsrückzahlungen. Das kommt aufs Gleiche raus.

Ministerpräsident Markus Söder hat ja angekündigt, dass am 15. Juni die Kinos wieder geöffnet werden dürfen: Wird es weitergehen wie bisher?

Wir müssen erst einmal abwarten, was wir an Auflagen bekommen. Ich hoffe, dass wir die mit etwas mehr Vorlaufzeit als in der Gastronomie bekommen. Es muss ja alles organisiert werden. Es wird vermutlich so aussehen, dass man auch im Kino 1,5 Meter Abstand einhalten muss, und da ist die Frage, wie man das umsetzen muss. Da gibt’s verschiedene Ansätze: Der eine ist, jede zweite Reihe freilassen, bei einem anderen ist ein Schachbrett-System nötig. In anderen Bundesländern ist es so, dass man pro Reihen-Zugang nur eine Personengruppe, die zusammen ins Kino gehen darf, reinsetzen darf.

Das ist – auch finanziell – ein starker Einschnitt.

Ja, das stimmt. Zumal man, unabhängig von Corona, so schon nicht immer 100 Prozent Auslastung hat – das ist beim Eberhofer und beim James Bond so oder vielleicht mal am Wochenende, aber sonst hat man nie volles Haus. Mit diesen Abstandsregelungen kommt man auf eine Auslastung von zehn bis 20 Prozent. Das ist die maximal theoretische Auslastung. Und dann ist natürlich die Frage, wie viele Leute kommen bzw. trauen sich überhaupt ins Kino.

Oder wie viele Leute haben überhaupt Lust, angesichts der Umstände ins Kino zu gehen.

Genau. Es ist noch nicht sicher, ob wir eine Maskenpflicht wie im Theater haben werden, oder ob – wie Kunstminister Bernd Sibler vorgeschlagen hat – Plastikvisiere getragen werden müssen. Bleibt abzuwarten, wie viele Leute tatsächlich kommen und sich so ein Schild aufsetzen.

Zumal nicht jeder so ein Visier hat.

Die müssten vermutlich dann wir besorgen – und dann natürlich auch reinigen und desinfizieren. Das ist ein enormer Mehraufwand. Da muss man sich schon fragen, ob man das den Gästen ermöglichen kann.

Und Gemütlichkeit sieht auch anders aus.

Kino ist ein Ort der Zusammenkunft: Im Kino will ich Spaß haben, ein paar Stunden dem Alltag entfliehen und eine unbeschwerte Zeit haben. Kann ich das den Gästen tatsächlich ermöglichen, wenn ich sagen muss: Ihr müsst Masken oder das Schild aufhaben? Und das nächste sind dann ja auch noch die Filme. . . 

Wie meinen Sie das?

Die Leute gehen ja nur ins Kino, wenn es ein Film ist, der sie anspricht. Aktuell haben wir aber keine große Filmauswahl zur Verfügung. Zumal die ganzen großen Starts nach hinten verschoben worden sind – der nächste ist erst für Mitte Juli geplant. Das ist der neue Christopher-Nolan-Film „Tenet“. Aber bis dahin gibt’s wenig Filmstarts.

Rentiert es sich dann überhaupt, am 15. Juni das Kino zu eröffnen?

Rentieren wird es sich nicht. Es wäre uns aber schon mal geholfen, wenn wir ein sicheres Konzept auf die Beine stellen können, das einigermaßen wirtschaftlich ist und zumindest die Kosten ein bisschen decken kann. Durch die ganzen Auflagen brauchen wir nämlich auch ein Vielfaches an Personal. Öffnen, wenn’s nicht wirtschaftlich ist, können wir uns nicht lange leisten – die letzten beiden Monate haben schon sehr an der Substanz gezehrt. Wir wissen von anderen Bundesländern: Die Besucherzahlen sind sehr überschaubar. Im Vergleich zu vorher ist es ein Bruchteil der Gäste, die ins Kino gehen.

Hätten Sie sich von der Regierung eine andere Entscheidung bezüglich der Kinos erhofft? Dass man frühzeitiger hätte öffnen dürfen oder großzügiger bei den Beschränkungen ist? Oder sind die Vorgaben angemessen?

Ich finde die Entscheidung schon okay. Ich finde es besser, wenn man – auch wenn es sehr hart ist – etwas länger geschlossen lässt, als wenn es in drei bis vier Wochen wieder einen Lockdown gibt.

Wird es nach Corona so sein wie vorher?

Ich denke, es wird bestimmt lange dauern, bis man einigermaßen zurück zur Normalität kommen wird. Die Corona-Krise wird sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche auswirken. So wie es vorher war, dass man neben einem Fremden im Kino sitzt, wird es in absehbarer Zeit nicht mehr sein. Und es wird auch Veränderungen in der Filmbranche geben.

Vollenden Sie doch bitte den Satz: Das Jahr 2020 war/ist. . . 

. . . eine Herausforderung. Für mich ist es besonders schlimm, weil ich ja erst zum 1. Januar das Geschäft von meinen Eltern übernommen habe. Ich stehe jetzt vor Herausforderungen, die wir so noch nicht gehabt haben. Unsere Familie macht seit 60 Jahren Kino, seit 70 Jahren gibt’s die Rosenhof-Lichtspiele. Wir haben noch nie während des laufenden Spielbetriebs drei Monate zu gehabt. Abgesehen von der Umbauphase – da war mal eine größere Pause. Aber da hatten wir keinen laufenden Spielbetrieb. Aber ansonsten haben wir zwei Wochen Betriebsferien im Jahr und somit 350 Tage im Jahr geöffnet.

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