Durch die Neustadt könnte bald eine Nahwärmeleitung von der Kläranlage zu den Schulen führen.
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Durch die Neustadt könnte bald eine Nahwärmeleitung von der Kläranlage zu den Schulen führen.

In der Neustadt

Nahwärme soll Schulen heizen: Moosburg setzt auf erneuerbare Energien - Kritik an Kostenvergleich

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Der Moosburger Stadtrat will erneuerbare Energien fördern und nun das Schulzentrum Nord an die Nahwärme anschließen. Doch geräuschlos ging die Entscheidung nicht durch.

Moosburg – Seit einem Beschluss im Jahr 2007 verfolgt Moosburg das Ziel, bis 2035 nur noch mit erneuerbaren Energien versorgt zu werden. Viele Anstrengungen wurden dazu schon unternommen. Einen ganz wesentlichen Schritt vorankommen würde man jedoch, wenn das Schulzentrum-Nord an das Nahwärmenetz in der Neustadt angeschlossen wird. Bislang hatte das noch keinen Sinn ergeben, da die bestehende Heizungsanlage zu jung war.

Das hat sich nun geändert: Wie Bürgermeister Josef Dollinger (FW) am Montag im Stadtrat berichtete, müsse der Heizkessel im Schulzentrum nach 22 Jahren Betrieb ausgetauscht werden, der Heizungsbauer habe der Anlage einen schlechten Zustand attestiert. Außerdem laufe der Gasliefervertrag 2021 aus, weshalb die Energieversorgung neu ausgeschrieben werden müsse. Wenn man sich beeile, könnte ein Nahwärmeanschluss schon in den Sommerferien 2021 erfolgen.

Schul-Anschluss könnte Auswirkungen auf private Nutzer haben

Der Beschlussvorlage der Verwaltung lag eine Wirtschaftlichkeitsberechnung bei, die die Kosten des Nahwärmeanschlusses mit denen eines neuen Gasbrennwertkessels verglich. „Die Investitionskosten würden uns bei der Nahwärme ungefähr 80.000 Euro günstiger kommen“, zitierte Dollinger – es gebe jedoch noch einen „Pferdefuß“: Die jährlichen Betriebskosten lägen gemäß der vorliegenden Berechnung bei der Nahwärme 6000 Euro über der Gas-Variante.

3. Bürgermeister Michael Stanglmaier (Grüne) betonte, dass die Nahwärme einen Primärenergiefaktor von 0,0 besitze, da man die Abwärme der Kläranlage nutze. „Das ist sehr hochwertige Energie und es gibt in Bayern kaum Nahwärmenetze, die das schaffen.“ Der Anschluss des Schulzentrums spiele auch für die Erschließung der übrigen Neustadt eine tragende Rolle: „Es lohnt sich nicht, für ein einzelnes Wohnhaus eine Leitung zu legen. Aber wenn ein Hauptstrang da ist, der durch die ganze Neustadt führt, dann können auch rechts und links anliegende Häuser mit Nahwärme versorgt werden.“ Das sei das ursprüngliche Ziel des Quartierkonzepts gewesen.

Unbefriedigende Vergleichsberechnung

Martin Pschorr (SPD) räumte zwar ein, zur Nahwärme zu stehen, dennoch könne er den Beschluss nicht mittragen. „Die Art der Berechnung ist nicht korrekt und scheint mir zugunsten der Nahwärme konstruiert.“ Ihn irritierten handschriftliche Ergänzungen im Gutachten, außerdem störte er sich daran, dass die Bedingung „Primärenergiefaktor 0,0“ ein K.-o.-Kriterium für Gas bedeute. Er forderte deshalb eine neue Vergleichsberechnung.

„Das Gutachten befriedigt mich auch nicht“, gab Josef Dollinger zu, „es ist sehr kompliziert.“ Die handschriftlichen Vermerke habe die Verwaltung gemacht, da im Gutachten für einen echten Vergleich relevante Punkte nicht berücksichtigt worden seien. „Unter anderem die ab nächstem Jahr fällige Abgabe von 25 Euro pro Tonne CO2. Das macht im Jahr 6950 Euro aus.“ Und die Abgabe werde sich in den kommenden Jahren dauerhaft erhöhen. Auch der Gaspreis werde wohl eher steigen als sinken. Der Rathauschef betonte, es solle im Großen und Ganzen auch nicht um eine Vergleichsberechnung gehen, sondern darum, als Stadt ein Zeichen zu setzen, dass die regenerativen Energien gefördert und ausgebaut würden. „Wir können nicht in unseren Baugebieten erneuerbare Energien fordern und dann bei eigenen Gebäuden darüber hinwegsehen.“

„Würden uns absolut unglaubwürdig machen“

Das war auch die Haltung von Michael Stanglmaier: „Wir haben sogar in Baugebieten, die uns nicht gehören, über städtebauliche Verträge fossile Energieträger ausgeschlossen. Wenn wir jetzt Gas nehmen, weil es das Günstigste ist, machen wir uns absolut unglaubwürdig.“

Der übrige Stadtrat sah das ähnlich. Mit der Gegenstimme von Pschorr beschloss das Gremium, die Energieversorgung des Schulzentrums neu auszuschreiben – verbunden mit dem Primärenergiefaktor 0,0. Was dem Anschluss an einem Nahwärmenetz entspricht.

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