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Navis-Hilfslieferung direkt ins Kriegsland: Zwei Moosburger erzählen von ihrer Fahrt durch die Ukraine

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Von: Nico Bauer

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Gerhard Elfinger (l.) und Christian Ambros vor einem Sprinter.
Sind ein persönliches Risiko eingegangen: Gerhard Elfinger (l.) und Christian Ambros fuhren einen der Navis-Hilfstransporte nach Lemberg (Lwiw) im Westen der Ukraine. © Bauer

Wie ist es, Hilfsgüter in diesen Tagen direkt in die Ukraine zu liefern? Zwei Moosburger Navis-Unterstützer erzählen im Interview von ihren Erlebnissen bei der Fahrt.

Moosburg - Einmal Lemberg (Lwiw) und zurück: Gerhard Elfinger (50) und Christian Ambros (53) aus Moosburg waren für den Verein Navis unterwegs, um Hilfslieferungen in die Ukraine zu bringen. Nach der Rückkehr berichten Sie dem Freisinger Tagblatt im Interview von Kriegsgerät, Kontrollen und mulmigen Gefühlen.

Freisinger Tagblatt: Herr Elfinger, Herr Ambros, sind Sie nach Ihrer Tour froh, wieder im sicheren Moosburg zu stehen?

Elfinger: Ja, da ist man schon froh. Wir haben viel gesehen: viel Militär und viele Kriegsgeräte wie Panzer.

Wie lief die Fahrt?

Elfinger: Die war gut, nur haben die in der Ukraine nicht den bei uns gewohnten Asphaltbelag. Dort gibt es Schlaglöcher, bei denen man richtig aufpassen muss. Dort gibt es keine Autobahn, allenfalls bessere Bundesstraßen. Man kann da schon 80 Stundenkilometer fahren, muss aber immer auf der Hut sein vor den Löchern in der Straße, bei denen schon mal die Achse brechen kann.

Was haben Sie an den Grenzen von den Flüchtlingsströmen gesehen?

Ambros: Das sind nicht mehr so viele wie noch vor zwei Wochen. Aber man sieht einige Wartende mit Kindern an der Grenze. Zum Teil zu Fuß, aber es reisen auch Ukrainer mit dem Auto aus.
Elfinger: Vor allem sieht man an der Grenze mehrere Kilometer lange Lkw-Schlangen. An den polnischen Grenzen stehen auch russische Lastwagen, die nach der Swift-Sperrung nicht weiterkommen. Das ist schon traurig, was man da sieht.

Und Sie sind mit dem Sprinter auf der Pkw-Spur am Lkw-Stau vorbeigefahren?

Elfinger: Das war einer der Gründe, warum wir mit Sprintern gefahren sind – die gelten nämlich noch nicht als Lkw. Wir waren froh darüber, dass wir uns da nicht einreihen mussten.

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Raketenangriff auf Lemberg zwei Tage vor der Fahrt

Wie wurden Sie kontrolliert?

Elfinger: Wir hatten vier Kontrollen, bei denen auch die Ladung geprüft wurde.
Ambros: Ab und an mussten wir für Stichproben Kisten öffnen. Aber wir wurden nicht gefilzt, wie früher an der Grenze zur DDR. Vor zwei Wochen dauerte es noch fünf Stunden an der Grenze. Diesmal ging es schnell.

Heute weiß jeder, dass Putin in seinem Krieg unberechenbar ist. Mit welchen Gefühlen sind Sie in das Kriegsgebiet Ukraine hineingefahren?

Ambros: Zwei Tage vor der Fahrt war ja bei Lemberg der Raketenangriff und da hat man schon ein mulmiges Gefühl. Der Raketeneinschlag war zwei bis drei Kilometer entfernt von dem Lager, an dem wir unsere Ladung abgeliefert haben.
Elfinger: Die Ängste und Gefühle sind wirklich schwer zu beschreiben. Man ist echt wieder froh, wenn man herüben auf der polnischen Seite ist. Man weiß in der Ukraine nie, wie man dran ist. Beim Überfahren der Grenze sieht nichts nach Krieg aus, aber dann sieht man immer wieder Checkpoints mit bewaffneten Soldaten und vereinzelt auch Panzer. Außerdem fuhren wir öfters um Panzersperren herum.

Würden Sie noch einmal in die Ukraine fahren?

Ambros: Wenn es zeitlich passt bei mir, dann ja. Aber natürlich schaue ich dann darauf, wie sich die Lage entwickelt. Wenn die Kämpfe im Westen der Ukraine zunehmen würden, dann würde ich auch nicht mehr über die Grenze fahren.

Brauchen Sie für die nächste Fahrt erst zu Hause das Okay der eigenen Frau?

Elfinger: Ja. So etwas wird immer zuerst mit der eigenen Familie besprochen.
Ambros: Bei mir genauso.

Kontaktmann Dr. Thomas Gainer: „Wichtig für das Gefühl der Menschen, dass sie nicht alleine sind“

Bei den Ukraine-Hilfslieferungen aus Moosburg fungierte der Arzt Dr. Thomas Geiner als Kontaktperson zur ukrainischen Partnerorganisation. Von der dortigen Leiterin, Christina, wurde er um eine Botschaft an die Moosburger Spender und Helfer gebeten: „Das ukrainische Volk ist Ihnen für Ihre Hilfe sehr dankbar. Die Ukrainer werden die Ukraine und Europa bis zum Ende vor der russischen Invasion verteidigen.“

Ukrainerin Christina und Moosburger Arzt Thomas Geiner
Dankbar für die Hilfe war die Ukrainerin Christina dem Moosburger Arzt Dr. Thomas Geiner – und den vielen bayerischen Spendern. © privat

Thomas Geiner wird den Kurzbesuch in Lemberg nicht vergessen, wie er sagt: „Es war für mich bewegend, dass gerade die notfallmedizinische Ausrüstung im Rahmen der Hilfslieferung Tränen der Freude und Rührung hervorgerufen haben. Ich selbst kann nur hinzufügen, wie wichtig es für die Menschen in der Ukraine ist, das Gefühl zu haben, dass sie nicht alleine sind und dass jemand an ihrer Seite steht.“ Geiner betont die Wichtigkeit, in die Ukraine gefahren zu sein. Viele Hilfslieferungen würden sich in Lagern an der Grenze stapeln, aber auf ukrainischer Seite fehle es an Lastwagen und Personal für die Abholung. Deshalb solle die Navis-Hilfe mit der Fahrt nach Lemberg fortgesetzt werden, wenn es das Kriegsgeschehen möglich mache.

Infos für alle, die an Navis e.V. spenden wollen

Wer möchte, kann die Mission unterstützen – über die Navis-Spendenkonten bei der Kreissparkasse Moosburg (IBAN: DE66 7435 1740 0000 4140 00) oder bei der Freisinger Bank (IBAN: DE71 7016 9614 0000 0011 12). Spenden sollten im Verwendungszweck „Ukraine-Hilfe“ stehen haben sowie die Anschrift des Spenders. Nur so kann der Verein seinen Unterstützern auch eine Spendenquittung und ein kleines Dankesschreiben zukommen lassen.

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Alle weiteren Infos zum Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen in Bayern lesen Sie hier auf unserer Themenseite Ukraine-Flüchtlinge.

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