Widersprüchliche Aussagen 

Prozessauftakt: Rangelei in Moosburg gibt Gericht Rätsel auf

Moosburg/Landshut - Wegen eines Handys ist der Streit zwischen zwei Landshutern und einem 29-Jährigen, der keine eigene Bleibe hat, eskaliert. Es kam bei einer Auseinandersetzung in Moosburg zu Schlägen und Tritten. Jetzt sahen sich die Kontrahenten vor Gericht wieder.  

Das Handy, das ein Landshuter (23) bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung einem 29-Jährigen in Moosburg abgenommen hat, kann ihn teuer zu stehen kommen. Das sagte Richter Ralph Reiter zum Prozessauftakt am Landgericht Landshut. Der 23-Jährige führte nämlich beim Kampf ums Handy ein Einhandmesser mit sich und hat sich deshalb wegen schweren Raubes zu verantworten. Die Mindeststrafe dafür liegt bei fünf Jahren. Mit auf der Anklagebank sitzen ein 24-Jähriger aus Landshut, der dem 23-Jährigen zur Seite gestanden haben soll, und eine 34-Jährige, die das Duo chauffiert hatte.

Am 3. März 2015, so die Staatsanwaltschaft, war das Trio nach Moosburg gefahren, weil sich der Hauptangeklagte ein ihm vom 29-Jährigen gestohlenes Handy zurückholen wollte. Nahe eines Supermarkts an der Staatsstraße 2085 spürte man das Opfer auf. Der 23-Jährige soll den Gesuchten mit Schlägen traktiert haben. Als der zu Boden ging, habe auch der 24-Jährige auf ihn eingetreten. Schließlich hätten sie ihm die Geldbörse und das Handy aus den Gesäßtaschen gezogen und seien geflüchtet. Die Fahrerin habe die beiden durch ihre bloße Anwesenheit schon „bestärkt“ – so die Anklage, die dem Kumpan einfachen Raub und der Klinikhelferin Beihilfe zum Raub vorwirft.

Die Version des 23-Jährigen hörte sich ganz anders an: Da das angebliche Opfer keine eigene Bleibe habe, habe er öfter bei ihm in Landshut übernachten dürfen. Dabei sei der 23-Jährige mehrfach bestohlen worden. Zwei Wochen vor dem angeblichen Raub habe er ihm dann das Handy abgekauft, das irgendwann wieder verschwunden sei: „Das konnte nur er haben, ich hab ihn deshalb immer wieder angerufen.“ Bei dem Aufeinandertreffen habe er nur reden wollen. Dann sei es zu Handgreiflichkeiten zwischen seinem Begleiter und dem Opfergekommen. „Ich selbst habe ihn nicht angerührt“, beteuerte er. Das Einhandmesser führe er immer mit sich: „Das brauche ich in meinem Job und auch zum Brotzeitmachen.“

Sein Begleiter bekundete, er sei nur als „Begleitschutz“ nach Moosburg mitgefahren, „damit es keinen Stress gibt.“ Der 29-Jährige sei dann auf ihn losgegangen, und es sei zur Schlägerei gekommen: „Es stimmt aber nicht, dass wir ihn getreten haben, als er auf dem Boden lag.“ Die Fahrerin wiederum erklärte, dass sie ihrem „guten Bekannten“, dem 23-Jährigen, nur einen Gefallen tun wollte. Außerdem hätte ihr der 29-Jährige Geld geschuldet. „Wenn ich gewusst hätte, dass das so eskaliert, wäre ich nicht gefahren.“ Das Opfer bestritt den Handy-Deal ebenso wie den Diebstahl.

Ob der Prozess, wie geplant, am Freitag zu Ende geht, ist noch offen. So will die Kammer eventuell die Handydaten auswerten, um zu klären, wer wann im Besitz des Handys war. Außerdem tauchte ein Schuldschein auf, mit dem sich der 29-Jährige verpflichtet haben soll, an den Angeklagten 350 Euro wegen eines beschädigten Fahrrades zu zahlen. Auch davon will das Opfer nichts wissen.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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