Die Mariensäule am Stadtplatz in Moosburg ist frisch umzäunt.
+
Das Gitter um die Mariensäule am Stadtplatz sorgt für Ärger im politischen Moosburg.

Bürgermeister rechtfertigt Maßnahme

Scharfe Kritik wegen Zaun um Mariensäule: Moosburger Stadträte fühlen sich von Rathaus übergangen

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
    schließen

Moosburg hat einen Zaun um seine Mariensäule errichtet - was mehrere Stadträte scharf kritisieren. Der Bürgermeister kann die Aufregung jedoch nicht nachvollziehen.

Moosburg – Es sind nur wenige Meter Metallgitter, doch sie haben mitten in der politischen Sommerpause von Moosburg Stadträte in Empörung versetzt: Nachdem Mitarbeiter des Bauhofs am Dienstag die Mariensäule am Stadtplatz eingezäunt hatten, üben nun vor allem Vertreter der Grünen scharfe Kritik an der Maßnahme.

Der Hintergrund der Aufregung liegt in der Bauausschuss-Debatte vom 6. März 2017: Damals hatte die Forderung nach dem Wiederherstellen des Zauns rund um die Heiligenstatue, der während des Feyerabendhaus-Neubaus im Bauhof eingelagert worden war, keine Mehrheit gefunden. Daran konnte auch der Aufschrei des damaligen Vize-Bürgermeisters Josef Dollinger nichts ändern, der das Sitzen auf den Stufen der Mariensäule in die Nähe von Blasphemie rückte. „Ich würde doch in einer Moschee auch nicht die Schuhe anlassen“, schimpfte er damals.

Johann Zitzlsberger (†, Linke) hatte in der Sitzung darauf verwiesen, dass der Sockel der Säule auch deshalb so stark frequentiert sei, weil sich dort ein öffentlicher WLAN-Hotspot befinde und dieser viel von Geflüchteten genutzt werde. Für ihn war die Entscheidung gegen einen Zaun deshalb auch ein Symbol der Willkommenskultur für Asylbewerber in der Stadt. Weil es in der Diskussion außerdem um die Aufwertung des Platzes zwischen Rathaus und Feyerabendhaus ging, das beauftragte Konzept zur Stadtmöblierung jedoch nicht fertig war (und immer noch nicht ist), wurde die Umgestaltung vertagt.

MdL und Stadtrat Johannes Becher forderte nun am Mittwoch per offenem Brief an Bürgermeister Josef Dollinger den „unverzüglichen Abbau“ des Zauns. Becher: „Der Beschluss gilt nach wie vor und ist von der Verwaltung zu respektieren.“ In einem Telefonat mit dem Rathaus sei ihm erklärt worden, dass die Umzäunung von Josef Dollinger angeordnet worden ist.

Der Ortschef bestätigte dies auf Nachfrage des FT – und rechtfertigte das Vorgehen: „Der Bauausschuss wurde nicht übergangen, der Beschluss ist mir bekannt. Wir haben jetzt aber eine andere Situation: In den vergangenen Tagen haben sich an der Säule sehr viele Leute aufgehalten und das war nicht Corona-konform.“ Die Stadt habe handeln müssen, so Dollinger. Dass als Ersatz für die wegfallenden Sitzgelegenheiten rustikale Holzbänke aufgestellt worden seien, „bleibt natürlich keine Dauerlösung“, betonte er. Vielmehr sei man hier der Anregung von Nathalie von Pressentin (Grüne) gefolgt, die erst kürzlich im Stadtrat mehr Sitzmöglichkeiten für den Bereich gefordert habe. Welche Stadtmöblierung wann aufgestellt werde, hänge von der Plan-Umgestaltung ab, sagte Dollinger. „Nach diesem Vorbild soll ja einmal die gesamte Innenstadt gestaltet werden.“ Hier sei man jedoch auch noch nicht über die Planungsphase hinausgekommen.

„Eine Gewähr, dass auf den Holzbänken die Mindestabstände eingehalten werden, gibt es nicht“, sagt Johannes Becher. Insofern überzeuge ihn die Argumentation der Verwaltung hinsichtlich einer wirksamen Corona-Maßnahme nicht. Für ihn stelle sich vielmehr die Frage: „Was sind unsere Beschlüsse wert, wenn sie einfach von der Verwaltung übergangen werden können?“ Auch sein Fraktionskollege, 3. Bürgermeister Michael Stanglmaier, stellte klar: Da es bisher keinen gegenteiligen Beschluss gegeben habe, sei das die geltende Lage, an die sich die Verwaltung und auch deren Spitze halten müsse. „Ich gehe deswegen davon aus, dass dieser Zaun, bis es einen anderen Beschluss gibt, umgehend wieder abgebaut wird“, erklärte Stanglmaier.

Gerd Beubl (SPD) schloss sich der Meinung von Johannes Becher „vollumfänglich an“, wie er am Mittwoch per Rundmail wissen lies. Den Zaun kommentierte er so: „Wir haben doch erst letzte Woche eine Flagge gehisst – für mehr Toleranz, mehr Offenheit!“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das neue Testzentrum in Freising: So funktioniert’s
Das neue Testzentrum in Freising: So funktioniert’s
Neue Coronafälle an der Mittelschule Moosburg: Zwei weitere Klassen in Quarantäne
Neue Coronafälle an der Mittelschule Moosburg: Zwei weitere Klassen in Quarantäne
Moosburgs Bürgermeister strikt gegen teure Maßnahmen zum Erhalt der letzten Baracke des Kriegsgefangenenlagers
Moosburgs Bürgermeister strikt gegen teure Maßnahmen zum Erhalt der letzten Baracke des Kriegsgefangenenlagers
Stefan Danner ist neuer Ortssprecher von Reichertshausen
Stefan Danner ist neuer Ortssprecher von Reichertshausen

Kommentare