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Auf den Spuren verlorener Id entitäten: (v. l.) Dominik Reither, Elke Abstiens, Christine Fößmeier, Karl Rausch und Günther Strehle haben lange für ihr Buch über das Moosburger Kriegsgefangenenlager recherchiert.

Stalag-Verein präsentiert aufwendige Dokumentation

Russische Kriegsgefangene in Moosburg: Ein Buch, das wütend macht

Seit Jahren engagiert sich der Verein Stalag Moosburg, die Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager lebendig zu halten. Jetzt hat man einen neuen Höhepunkt in der Arbeit erreicht: Im Rahmen einer Gedenkfeier haben die Mitglieder das Buch „Auf den Spuren verlorener Identitäten“ vorgestellt.

Moosburg– Das Buch ist das Ergebnis eines mehrmonatigen Projekts, das der Stalag-Verein auf die Beine gestellt hat. Darin zusammengetragen und aufbereitet sind die Schicksale sowjetischer Kriegsgefangener, die einen Großteil der Lagerinsassen ausmachten, und über die es auch eine Sonderstellung gab. Keine angenehme, wie man im Vortrag des Historikers Reinhard Otto im Rahmen der Buchpräsentation erfahren konnte. Russische Gefangene seien erheblich schlechter behandelt worden als andere, wurden sie doch als gefährliche Bolschewisten eingestuft.

Was das für die Gefangenen bedeutete, erfährt man in dem neuen Buch. Nicht anonym und distanziert, sondern ganz nah, ganz persönlich. Aus Nummern werden Namen, und Namen bekommen dort Gesichter und Geschichten. Was das mit dem Leser macht, beschrieb Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt in ihrer Ansprache. „Das Buch weckt Emotionen.“ Wut käme da zum Beispiel auf angesichts des menschenverachtenden Verhaltens, das einem beim Lesen vor Augen geführt wird.

Genau darum geht es dem Verein: die Vergangenheit lebendig zu halten, um die gleichen Fehler künftig zu verhindern. Das sah auch Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer so. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur“, lobte er und richtete den Blick auf aktuelle politische Entwicklungen, „die nicht auf die leichte Schulter genommen werden dürfen“.

Um auch nachfolgenden Generationen an die Vergangenheit erinnern zu können, wird er jeder Schule im Landkreis ein Exemplar des Buches stiften. Übrigens hat sich der Verein auch unter Historikern einen Namen gemacht mit dem Werk über Stalag VII A. Laut des Historikers Otto hätten viele seiner Kollegen schon lange ein Werk über das Moosburger Lager herbeigesehnt, war es doch mit insgesamt rund 200 000 Gefangenen eines der größten des Deutschen Reiches.

Vor rund einem Jahr startete der Verein das Projekt, dessen Abschluss nun die Dokumentation aller Recherche-Ergebnisse in Buchform ist. Vorausgegangen waren dem zahlreiche Ausstellungen und Vorträge zum Thema. Die Idee für das Gesamtprojekt hatte der heutige Ehrenvorsitzende Herbert Franz, und Karl Rausch gab schließlich die Initialzündung, die berührenden Ergebnisse für die Öffentlichkeit zu dokumentieren und aufzubereiten.

Vereinsvorsitzender Günther Strehle betonte, dass es wichtig sei, die Folgen von Krieg in den Köpfen zu behalten. Er war es auch, der die Entstehung des Buches koordiniert hatte und für das Layout verantwortlich zeichnet. Einen wissenschaftlichen Beitrag lieferte der Historiker Dominik Reither. Die Recherchearbeit, die weit über das Moosburger Stadtarchiv hinausging, lag vor allem in den Händen von Elke Abstiens. Karl Rausch brachte zudem die Idee ein, die Ergebnisse auch in Form eines Dokumentarfilms zu veröffentlichen.

Die Moosburger Journalistin und Kunsthistorikerin Christine Fößmeier fügte der wissenschaftlichen Perspektive eine emotionale hinzu. Sie war es auch, die nach der Buchpräsentation eine Führung durch die Ausstellung gab, die begleitend in der Vhs zu sehen ist. Dort bekommt man einen Eindruck vom Inhalt des Buches, erfährt aber auch alles über die aufwendige Recherche.

Gut zu wissen

Die Ausstellung ist noch bis 23. März zu den Öffnungszeiten der Vhs zu sehen.

Claudia Bauer

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