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Tulpen für den Nachfolger: Moosburgs Noch-Bürgermeisterin Anita Meinelt gratuliert Josef Dollinger zum Sieg.

Denkbar knappes Ergebnis

Moosburg: Josef Dollinger siegt im Stichwahl-Krimi und ist Bürgermeister

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Mit knappem Vorsprung hat Josef Dollinger die Moosburger Bürgermeister-Stichwahl gegen Michael Stanglmaier gewonnen. Beide wollen nun konstruktiv zusammenarbeiten.

Moosburg - Mit hauchdünnem Vorsprung hat Josef Dollinger (FW; 51,17 %) das Bürgermeister-Rennen gegen Michael Stanglmaier (Grüne; 48,83 %) für sich entschieden. Auf den neuen Ortschef warten nun zwei Herkulesaufgaben: die Stadt durch die Corona-Krise zu manövrieren – und die geteilte Bevölkerung zu einen.

Die Spannung, die bei der Auszählung zur Bürgermeisterwahl vor zwei Wochen geherrscht hatte, blieb den Moosburgern auch in der Stichwahl erhalten. Am Ende hatte Freie-Wähler-Kandidat Josef Dollinger nur 208 Stimmen mehr auf dem Konto und damit die Nase knapp vor seinem Kontrahenten Michael Stanglmaier (Grüne). Die ersten Gratulationen nahm der 60-Jährige mit hörbarer Erleichterung und Freude auf und richtete sogleich einen „herzlichen Dank an die 4539 Wählerinnen und Wähler für ihr Vertrauen“.

Neuer Moosburger Bürgermeister: Dollinger richtet Dank an seinen Kontrahenten

Ein eindeutigeres Ergebnis wäre freilich schöner gewesen, so Dollinger, aber er hoffe nun, „dass ich auch die 4331, die mich nicht gewählt haben, mit meiner Arbeit überzeuge“. Denn: „Ich bin jetzt Bürgermeister für alle Moosburger.“

In dem beinahe Fifty-fifty-Ergebnis sehe er keine Spaltung der Bevölkerung, vielmehr sei es „klar, dass es bei zwei so kompetenten Kandidaten nicht zu einem Ergebnis 20 zu 80 Prozent kommt“. Dollinger glaubt, dass er zu Michael Stanglmaier – dem er für seinen „sehr fairen und sachlichen Wahlkampf“ dankte – ein „genauso vernünftiges Verhältnis wie zuvor“ haben werde. Auch mit den Stadträten wolle er schnell konstruktive Gespräche führen und sich „schon vor den Sitzungen mit den Fraktionen und Kollegen abstimmen“, unter anderem in einer gemeinsamen Klausur.

Dollingers Amtsbeginn wird durch die Corona-Krise geprägt

Der Amtsantritt am 1. Mai, wie er ihn sich noch vor Monaten überlegt habe, sei durch die Corona-Lage natürlich völlig verändert. „Man hat das Gefühl, es geht ein bisschen ins Nirwana rein, man weiß nicht genau, was kommt.“ Auch Dollingers Plan, seine Vorgängerin Anita Meinelt in den letzten Amtstagen verstärkt zu begleiten, um Kontakte zu knüpfen und sich in Themen einzuarbeiten, sei nun „schwierig umzusetzen“. Aber: „Ich gehe davon aus, dass ich auch danach noch den einen oder anderen Tipp von ihr bekomme.“ Meinelt arbeite schließlich genauso leidenschaftlich für Moosburg wie er.

Trotz der Niederlage gegen Josef Dollinger kann Michael Stanglmaier (l.) noch lachen - und gratuliert per „Corona-Gruß“.

Am meisten freut sich Josef Dollinger nun darauf, „Objekte für die Stadt umzusetzen“. Als Erstes seien das etwa das Kinderhaus in den Amperauen, die Mensa für die Mittelschule aber auch das Hallenbad. „Es ist meine Stärke, etwas zu gestalten und voranzubringen.“ Auch der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadt sehe er positiv entgegen, zu denen er sein gutes Verhältnis noch weiter ausbauen wolle. Dass mit Helmut Petz nicht nur ein FW-Kollege, sondern auch ein „fachlich sehr versierter Mann“ Landrat geworden sei, werde Moosburg sicher in der einen oder anderen juristischen Angelegenheit helfen.

Stanglmaier blickt bereits nach vorne - und appelliert an seine Unterstützer

Michael Stanglmaier zeigte sich am Sonntagabend zwar enttäuscht, aber gefasst. „Es ist schon schade, wenn man so haarscharf am Ziel vorbeischrammt“, sagte der 56-Jährige. Auf der anderen Seite sehe er das knappe Ergebnis als Bestätigung für seine bisherige Arbeit und Motivation für die kommenden sechs Jahre in der Stadtratsarbeit. Er dankte allen, die ihn gewählt hätten, und appellierte an sie, „jetzt den Kopf nicht in den Sand zu stecken“. Auch zu Josef Dollinger habe er gesagt: „In der jetzigen schwierigen Situation heißt es, nach vorne zu schauen.“ Auf Moosburg wie auf alle Kommunen kämen herausfordernde Zeiten zu, „und wir müssen schauen, dass wir alle am gleichen Ende des Strangs ziehen“. Dollinger wolle er so gut es geht unterstützen und „die Gemeinsamkeiten betonen“.

Zuversichtlich stimmt den Grünen außerdem, „dass wir im Stadtrat jetzt gleichauf mit der CSU liegen“. Stanglmaier betonte, „wahnsinnig stolz“ auf sein Team zu sein: „Wir hatten nicht die finanziellen Mittel wie manche unserer Mitbewerber, aber wir haben es mit Kreativität ausgeglichen – und das hat gut funktioniert.“ Er hoffe, dass nun alle mit dem gleichen Engagement weitermachen würden – „auch wenn uns am Ende das Sahnehäubchen gefehlt hat“. Dann verabschiedete sich Stanglmaier mit den Worten: „Der Sekt, der im Kühlschrank steht, wird jetzt trotzdem getrunken.“

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