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Tabuthema Analphabetismus kommt in Moosburg zur Sprache

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Einige Menschen haben es nie richtig gelernt: Das Lesen und Schreiben. In Moosburg werden am Donnerstag Hilfsangebote vorgestellt.
Einige Menschen haben es nie richtig gelernt: Das Lesen und Schreiben. In Moosburg werden am Donnerstag Hilfsangebote vorgestellt. © dpa / Daniel Karmann

7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland haben Probleme mit dem Lesen und Schreiben – heruntergerechnet auf Moosburg sind das schätzungsweise über 1600 Menschen. Eine Kampagne will ihnen die Scham nehmen.

Moosburg – Analphabeten fehlen die Lese- und Schreibkenntnisse, die in unserer Gesellschaft von Erwachsenen erwartet werden: Sie können zwar einzelne Wörter schreiben und einfache Sätze lesen, verstehen aber den Sinn eines längeren Textes nicht. Sie lesen und schreiben wie Grundschüler in der zweiten oder dritten Klasse. 

„Ich habe viele Menschen getroffen, die wenig über Analphabetismus wissen“

Um auf Hilfsangebote für Analphabeten aufmerksam zu machen, kommt das Alfa-Mobil des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung (BVAG) am morgigen Donnerstag, 27. September, nach Moosburg.

Hilfsangebote für Analphabeten, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, gibt es am kommenden Donnerstag an Infoständen auf dem Moosburger Stadtplatz
Hilfsangebote für Analphabeten, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, gibt es am kommenden Donnerstag an Infoständen auf dem Moosburger Stadtplatz. © vhs

Denn die Vhs Moosburg veranstaltet dort einen Aktionstag unter dem Motto „Für Lesen und Schreiben ist es nie zu spät“. Von 9.30 bis 13.30 Uhr wird dafür das Alfa-Mobil vor der Vhs auf dem Stadtplatz 2 stehen. 

Projektleiter Tim Hennig erklärt: „Ich habe sehr viele Menschen getroffen, die wenig über das Thema wissen“ – und: „Oft sind das sogar Personen, die beruflich mit hoher Wahrscheinlichkeit schon Betroffenen begegnet sind, wie Sozialarbeiter, Lehrer oder Psychologen.“

Betroffene leiten Analphabeten-Kurse

Deswegen richtet sich die Beratung in Moosburg an die breite Öffentlichkeit. Ein Ziel bestehe darin, Vorurteile abzubauen. Außerdem gibt es in der Volkshochschule einen Workshop und eine Ausstellung mit dem Titel „Leben in einer Welt ohne Buchstaben“. 

Alfa-Projektmitarbeiterin Elke Sommerfeld erklärt dazu: „Die besten Botschafter für Kurse sind natürlich die Kursteilnehmer selbst“. Deshalb werden viele der Aktionen von (ehemaligen) Analphabeten begleitet: Viele brauchen lange, bis sie sich zum Lernen in einem Kurs entschließen. Doch dort werden sie nicht nur sicherer im Lesen und Schreiben, sondern steigern auch ihr Selbstvertrauen.

Ute H. aus Berlin spricht über das Tabu-Thema

In Moosburg haben Interessierte die Möglichkeit, mit der Berlinerin Ute H. zu sprechen und sie nach ihrem Weg zur Schriftsprache zu fragen. Auch am Alfa-Mobil informieren die Mitarbeiter des BVAG im Rahmen der Kampagne „Nur Mut. Der nächste Schritt lohnt sich“ über Analphabetismus in Deutschland. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. ft

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