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Johann Zitzlsberger (†) starb im Alter von 61 Jahren.

Er wurde nur 61 Jahre alt

Moosburg verliert einen Kämpfer: Ex-Stadtrat Johann Zitzlsberger gestorben 

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Mit dem Tod des Ex-Stadtrats Johann Zitzlsberger verliert Moosburg einen Kämpfer, der vor allem für andere da war. Ein Nachruf.

Moosburg – Geduldig hatte er auf der Zuhörerbank den Redebeiträgen gelauscht. Die braune Lockenmähne war zum Pferdeschwanz gebändigt, der Auftritt gleich sollte möglichst seriös wirken. Dann hob Johann Zitzlsberger die Hand und setzte ein Lächeln auf, während sich die Köpfe des versammelten Moosburger Stadtrats in seine Richtung drehten: „Sehr geehrte Damen und Herren“, sagte er in sanftem Ton, „dürfte ich Ihnen eine Unterschriftenliste aus der Isarsiedlung überreichen?“ 

Was viele nicht wussten: Zitzlsberger hatte zu jenem Zeitpunkt bereits die Zusage vom Rathaus und von den Stadtwerken München, dass man sich um sein Anliegen – den Hochwasserschutz – kümmern werde. Aber er hatte den 100 Unterzeichnern auch bedingungslose Hartnäckigkeit versprochen. Und er stand nun mal zu seinem Wort.

Die Szene aus dem Herbst 2013, sie steht exemplarisch für den Charakter von Johann Zitzlsberger: prinzipientreu, zielstrebig, kämpferisch und dabei stets höflich. Anfang vergangener Woche hat nun das Herz des Mannes, der sich immer für seine Mitmenschen stark gemacht hat, zu schlagen aufgehört. Er wurde nur 61 Jahre alt.

Um die Unterschriften für seine Kandidatur zu sammeln, nahm er extra Urlaub

Zu einiger Bekanntheit in seiner Heimat hat es Zitzlsberger gebracht, als er sich ein halbes Jahr nach seinem Gastauftritt im Stadtrat selbst um einen Sitz bewarb. Es folgte ein weiterer Beweis seiner Einsatzbereitschaft: Um überhaupt auf dem Wahlzettel auftauchen zu dürfen, waren 180 Unterschriften nötig. Also nahm sich Zitzlsberger Urlaub und stand tagelang bei Wind und Wetter in der Altstadt, bis er unter seinem roten Schirm genügend Unterstützer überzeugt hatte.

Am Wahlabend dann zog er mit über 1000 Stimmen in den Stadtrat ein. Dass er es für Die Linke tat, passte zu seiner Vita: In den über 40 Berufsjahren bei der Telekom wirkte er nicht nur als Elektrotechniker, sondern setzte sich dort auch als Jugendvertreter, Personal- und Betriebsrat ein. Später arbeitete das ver.di-Mitglied als freigestellter Betriebsrat für eine Telekom-Konzerntochter. Seine Grundüberzeugungen wie soziale Gerechtigkeit, Pazifismus, Transparenz sowie die Themen Arbeit, Familie und Integration prägten dabei stets sein Handeln. Nicht zuletzt als Vorstandsmitglied beim Tante-Emma-Verein.

Pionierarbeit für die Linke - und Einsatz für die Isarsiedlung

Als allererster Linken-Stadtrat, ohne erfahrene Fraktion im Rücken, kostete es ihn viel Kraft, sich in die komplexe Kommunalpolitik einzuarbeiten. Aber er gab sich größte Mühe – und machte keinen Hehl daraus, wenn er in manchem Thema noch nicht sattelfest war. Wichtiger war ihm stets, sich selbst und seiner Überzeugung treu zu bleiben.

Dafür zollten ihm Stadträte immer wieder Respekt. Auch Bürgermeisterin Anita Meinelt hat Zitzlsberger als einen Mann kennengelernt, „der zu seinen Positionen stand – und trotz der politischen Unterschiede immer ein vernünftiges, kooperatives Miteinander gesucht hat“. Auf der „gleichen Seite“ kämpfte man laut Meinelt beim Hochwasserschutz für die Isarsiedlung, wo der Bürgerinitiativen-Gründer „mit guten Ideen viel nach vorne gebracht“ habe.

Überraschender Rückzug im November

Sein Rückzug aus dem Stadtrat im November 2017 kam für viele überraschend. Er war einer schweren Erkrankung geschuldet, gegen die der Moosburger schließlich seinen letzten Kampf verlor. Johann Zitzlsberger hinterlässt neben seiner Ehefrau und seinem Sohn viele trauernde Angehörige und Weggefährten. Ihnen gilt das Zitat, das über seiner Todesanzeige steht: „Ich wäre so gerne bei euch geblieben, daheim bei meinen Lieben.“

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