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Weil dieses Schild meist ignoriert wird, ereignen sich auf dem Industriegleis an der Moosburger Driescherstraße ständig Unfälle.
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Weil dieses Schild meist ignoriert wird, ereignen sich auf dem Industriegleis an der Moosburger Driescherstraße ständig Unfälle.

Ringen um Lösung

Ewiger Unfall-Schwerpunkt in Moosburg: Darum geht beim Industriegleis nichts voran

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Seit Jahrzehnten verletzen sich Radler am Industriegleis in der Moosburger Neustadt. Nun gäbe es Pläne zur Entschärfung - doch nicht alle Gleis-Eigentümer spielen mit.

Moosburg – „Sturzgefahr! Radfahrer absteigen“: Wer an der Moosburger Driescherstraße, zwischen BayWa und Netto auf das Gleis zufährt, das dort die Straße diagonal quert, kann die Warntafeln kaum übersehen. Aber wegen zwei Schienen extra vom Radl steigen? Vielen scheint das zu mühsam oder sie erkennen kein Risiko.

Ein fataler Irrglaube, wie die Statistik der Moosburger Polizei zeigt: „Pro Jahr ereignen sich an der Stelle im Schnitt sieben Verkehrsunfälle mit verletzten Radfahrern“, berichtet Stefan Seidinger, der für Verkehr zuständige Hauptkommissar. Abschürfungen, Prellungen, Brüche und mehr – blättert man sich durch die Unfallberichte der vergangenen Jahre, ist die Liste der Fälle lang. Und wäre vermutlich noch viel länger, wenn jeder der Verletzten einen Rettungswagen benötigen würde.

Die Polizei wurde bereits aktiv - und ein Moosburger Politiker

Kristallisieren sich im Straßenverkehr Unfallschwerpunkte heraus, so werden üblicherweise Maßnahmen zur Prävention ergriffen, sprich Tempobeschränkungen, Ampeln oder Überholverbote. Doch wie sieht es auf der Driescherstraße aus? „An die Schilder hält sich keiner. Sie sind auch nicht verpflichtend, sondern nur eine Empfehlung“, sagt Seidinger. Die Polizei habe das Problem deshalb bereits an die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Moosburg herangetragen. An der Gefahrenstelle hat sich aber bislang nichts geändert. Dabei handelt es sich unter anderem um einen stark frequentierten Schulweg. Außerdem ist es eines der Ziele der Stadtväter, den Radverkehr auszubauen und den Ort dafür attraktiver zu gestalten.

Der Initiative von ÖDP-Stadtrat Jörg Kästl – selbst eifriger Radfahrer – ist es zu verdanken, dass nach Jahrzehnten voller Unfälle zwischenzeitlich doch Bewegung in die Problematik gekommen ist. Im Dezember vergangenen Jahres hatte er bei der Stadt angeregt, ein spezielles Sicherungssystem für das Gleis einzurichten – und dazu gleich einen konkreten Hersteller recherchiert. 

Das Rathaus hat zwei Optionen - keine ist optimal

Das zuständige Tiefbauamt in der Stadt hat die flexiblen Gummi-Einlagen geprüft – und sieht darin bestenfalls eine kurzfristige Lösung. „Das Dichtungsprofil wurde für Montagehallen entwickelt“, erklärt ein Sprecher der Behörde auf Nachfrage. „Es wurde zwar schon im Außeneinsatz getestet, hat aber Probleme mit Streusalz und Verschmutzungen.“ Eine weitere Hürde bestehe darin, dass der Hersteller die Füllgummis nur produziere, jedoch nicht einbaue. Ein Montageunternehmen zu finden, sei aus Gewährleistungsgründen äußerst schwierig. Außerdem macht das Gleis an der betroffenen Passage einen Bogen – was sich ebenfalls ungünstig auf die Langlebigkeit auswirken könne. Im Rathaus rechnet man mit einer Haltbarkeit von einem bis fünf Jahren. Die gute Nachricht: Das Gummi-System würde vermutlich nur einen vierstelligen Euro-Betrag kosten.

Diagonal querende Gleise wurden andernorts bereits Fahrrad-sicher umgebaut – so wie in diesem Beispielbild des Tittmoninger Herstellers Strail.

Gleichzeitig gibt es aber noch ein „Glanzlösung“, wie sie der Bauamts-Mitarbeiter bezeichnet: Ein anderer Hersteller bietet ein langlebiges System an, dass sich im Bahnbereich bereits seit über 40 Jahren bewährt hat und die Gefahrenstelle ebenfalls beseitigt. Dabei wird der Asphalt zwischen den Schienen mit Gummiplatten ersetzt. Diese besitzen ein flexibles Wechselteil, das die Spurrille und damit die Gefahr für Radler eliminiert. Die Kehrseite: Das Gummiplattensystem erfordert eine Erneuerung des kompletten Bahnübergangsbereichs, im Tiefbauamt rechnet man hier mit Baukosten jenseits der 300.000 Euro.

Die übrigen Gleis-Eigentümer stellen sich quer

Selbst derart viel Steuergeld in die Hand zu nehmen, ist in der Stadt offenbar keine Option. Man habe daher, so heißt es aus der Behörde, Kontakt zu den beiden anderen Miteigentümern des Industriegleises aufgenommen – damit sich diese an den Kosten beteiligen: Neben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft ist dies der Schweizer Chemiekonzern Clariant, der in seinem Moosburger Werk einen Teil der Logistik über die Gleise abwickelt. „Doch von den Miteigentümern heißt es: Eine Beteiligung ist ausgeschlossen, da der Bahnübergang bereits ausreichend beschildert sei“, so der Mitarbeiter des Tiefbauamts. „Die sagen uns: Die Stelle war schon immer so.“

Dennoch will man im Rathaus die Verhandlungen noch nicht aufgeben. Denn auch dort herrsche laut Aussage der zuständigen Mitarbeiter die Überzeugung: Diese Dauer-Unfallstelle gehört endlich beseitigt.

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