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Ungewöhnlicher Tagungsort: Der Moosburger Stadtrat bekam am Montagabend in der Kläranlage fachkundige Information aus erster Hand. 

Sondersitzung des Stadtrats Moosburg

Aufklärung in der Kläranlage

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Sondersitzung. Das klingt gefährlich. War es aber nicht am Montag, als der Stadtrat in der Kläranlage tagte. Die Räte sollten nur über Abläufe und Aufgaben des Klärwerks an der Neustadtstraße 100 aufgeklärt werden.

Moosburg – Die Abläufe erklärte der technische Geschäftsführer Michael Huber. Und die Stadträte, die entweder auf Bierbänken Platz genommen hatten oder im Stehen die Präsentation verfolgten, erfuhren Erstaunliches: Die Co-Vergärung, die in Moosburg praktiziert wird, ist weltweit eine Besonderheit. Sogar Gäste aus Australien kämen, um sich diese zusätzliche Form der Energiegewinnung anzuschauen, berichtete Huber stolz.

Und auch sonst ist die Moosburger Anlage gut in Schuss: 24 Jahre ist sie alt, die „Bausubstanz ist gut erhalten“. Die wasserrechtliche Erlaubnis für weitere 20 Jahre wurde gerade erteilt, die Auslegung auf 50 000 Einwohnergleichwerte sei für die Zukunft ausreichend, größere Investitionen seien derzeit nicht zu erwarten. Rund 6000 Kubikmeter Abwasser kommen an normalen Tagen im Klärwerk an, durchlaufen die mechanische und die biologische Reinigung, werden dann über einen Vorflutgraben in die Isar geleitet.

Huber, der das Abwasser vor Beginn der biologischen Reinigung „eine schöne braune Masse“ nannte und die biologische Reinigung mit Millionen von Bakterien („lauter schöne Tierchen“) als „den größten Zoo der Stadt“ bezeichnete, nannte den Faulturm „gar nicht faul“, sondern fleißig und konnte beeindruckende Zahlen vorlegen: Beispielsweise werde aus der Gas-Produktion (rund 4500 Kubikmeter pro Tag) Wärme und vor allem auch über Blockheizkraftwerke zwischen 6000 und 6500 Kilowattstunden Strom pro Tag erzeugt.

Ein Problem mit Mikroplastik habe man noch nicht, die Messung dieser Belastung sei aber auch noch nicht gesetzlich vorgeschrieben, sagte Huber auf Nachfrage von Johannes Becher (Grüne). „Wenn es soweit ist, müssen wir halt schauen“, fügte er an. Überhaupt fragten die Stadträte intensiv nach, bekamen meist positive und erfreuliche Antworten: Dass größere Investitionen nicht in Sicht seien, dass die Größe der Anlage für die Zukunft ausreichend sei, dass man auch bei der Sanierung des rund 90 Kilometer langen Kanalnetzes vorankomme – das alles beruhigte die Stadträte.

Sanierungskonzept anhand von Bildern erstellt

Angela Hagl, die für das Rechnungswesen der Kläranlagen GmbH zuständig ist und den Stadträten die Sache mit den Kanälen erläuterte, zeigte anhand von Aufzeichnungen der Kamerabefahrungen, wie und wo welche Schäden zu erkennen seien, und legte das jetzt erarbeitete Sanierungskonzept mit zehn verschiedenen Sanierungsgebieten vor. Und Hagl erläuterte, dass das alles eine arbeits- und zeitaufwändige Aufgabe sei, bis man alle Kanäle des Stadtgebiets untersucht und dann auch repariert habe.

Andreas Beschorner

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