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Vertreter eines breiten Spektrums befürworten das Volksbegehren Artenvielfalt. Am Donnerstag wurde dazu ein Moosburger Aktionsbündnis ins Leben gerufen.

Von Linke bis CSU ziehen alle an einem Strang

Volksbegehren Artenvielfalt: Moosburger Bündnis will Öko-Katastrophe verhindern

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Mit einem eigenen Aktionsbündnis wollen Moosburger Organisationen und Parteien dem bayernweiten Volksbegehren für Artenvielfalt auf die Sprünge helfen. Dabei schließen sich ganz ungewohnte Allianzen.

Moosburg – Dass der Gründungstreff ausgerechnet im Rosenhof-Kino stattfinde, war für Moosburgs 3. Bürgermeister Michael Stanglmaier (Grüne) ein gutes Omen: „Schon 2013 haben wir uns wegen des Volksbegehrens zur Abschaffung von Studiengebühren hier getroffen – und es wurde ein Erfolg.“

Dieses Mal geht es gegen das Artensterben und speziell um die Rettung der Bienen. Um das von der ÖDP gestartete Volksbegehren (wir haben berichtet) anzuschieben, haben sich viele Moosburger Organisationen in einem Aktionsbündnis vereint. Das Spektrum reicht von so erwartbaren Akteuren wie dem Bund Naturschutz, den Grünen und den Imkern bis hin zur CSU.

Dass die CSU mit im Boot ist, sorgt für viel Anerkennung

Dass sich deren Moosburger Ortsverein einer Initiative anschließt, die auf Regierungsebene von der außerparlamentarischen Opposition aufs Gleis gestellt wurde, fand viel Anerkennung in der Runde. Fraktionssprecher Erwin Weber zeigte sich denn auch erfreut, „dass wir gefragt wurden“. Auf kommunaler Ebene sei das Volksbegehren absolut unterstützenswert – „und das möchte ich im Namen der Moosburger CSU signalisieren“.

Jörg Kästl (ÖDP) fand das „große Klasse“. Seine Partei hatte im Sommer die Unterschriften für die Zulassung des Volksbegehrens gesammelt – und dabei Rückenwind verspürt. Kästl: „Die Leute kamen scharenweise und haben gefragt: Wo muss ich unterschreiben?“ Viele Bürger seien längst für das Thema sensibilisiert. Nun aber stelle die kalte, ungemütliche Jahreszeit eine große Hürde dar – schließlich müssen sich für einen Erfolg des Volksbegehrens zwischen 31. Januar und 13. Februar zehn Prozent der bayerischen Wahlberechtigten im Rathaus eintragen. Auf Moosburg umgerechnet seien das knapp 1500 Einwohner. Kästl war auch als Vertreter der 3-Rosen-Werkstatt gekommen: „Unser Repair-Café setzt sich sehr stark für Nachhaltigkeit ein.“

SPD-Mann sorgt für Lacher des Abends

Die Lacher des Abends holte sich Stadtrat Christoph Marschoun ab, als er sich als SPD-Mann in Selbstironie übte: „Wir solidarisieren uns mit den zurückgedrängten Arten in Bayern.“ Für Marschoun, der dann wieder ernst wurde, sei es „höchste Zeit, zu handeln und umzudenken“. Wenn es die Regierung bisher nicht geschafft habe, die Natur und somit auch das Volk zu schützen, dann müsse eben das Volk aufstehen. Auch von Insektenspezialist und BUND-Kreischef Wolfgang Willner, Imker-Experte Josef Birgmeier und Andreas Mayerthaler, 2. Vorsitzender der Solarfreunde Moosburg, kamen flammende Appelle für die Artenvielfalt.

Grünen-Kreisrat und Bio-Landwirt Anton Wollschläger sagte, er kämpfe mit vollem Einsatz für das Volksbegehren, wollte die Diskussion jedoch etwas differenzierter angehen. Man brauche nicht mit dem Finger auf „die bösen Spritz-Bauern“ deuten, denn: „Unsere Gesellschaft hat die Landwirtschaft, die sie haben möchte.“

Wollschläger: In der EU entscheidet sich die Landwirtschaft von morgen

Man könne nicht per Gesetz ab dem Tag X bestimmen, dass so und so viel Fläche ökologisch bewirtschaftet werde. „Wir müssen auch die Gesellschaft zum Umdenken bewegen.“ Außerdem sehe er die Europawahl als entscheidendstes Instrument: „In der EU entscheidet sich die Landwirtschaft von morgen.“ Sein Parteikollege Michael Stanglmaier ergänzte: „Das Volksbegehren wird nicht von heute auf morgen alles ändern. Aber es ist ein erster wichtiger Schritt, um eine Öko-Katastrophe zu verhindern.“

Termin und Motive: Dafür kämpft das Volksbegehren Artenvielfalt

Von 31. Januar bis 13. Februar können sich wahlberechtigte Bayern im Rathaus für das Volksbegehren Artenvielfalt eintragen (Ausweis mitbringen). Die wichtigsten Forderungen der Initiative: Erstellen eines Biotopnetzes; Landwirtschaft, die Artenschutz sichert; Naturschutz als Teil der Ausbildung von Land- und Forstwirten; jährlicher Bericht zum Zustand der bayerischen Natur; massiver Ausbau von Öko-Landwirtschaft; Erhalt von zehn Prozent aller Wiesen als Blühwiesen; pestizidfreie Bewirtschaftung aller staatlichen Flächen.

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