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Nautik büffeln für den Einsatz: Der ehemalige Kreisbrandmeister Sebastian Keller bereitet sich auf seinen Einsatz vor. Der ehemalige Fischkutter „Seefuchs“ der Regensburger Hilfsorganisation „Sea-Eye“ kreuzt ab Mitte Mai vor der Küste Libyens, um in Not geratene Flüchtlinge zu retten.

Ex-Kreisbrandmeister (63) will Schiffbrüchigen helfen

Vom Feuerwehrler zum Flüchtlingsretter: Moosburger sticht in See

Moosburg - Ex-Kreisbrandmeister Sebastian Keller von der Feuerwehr Moosburg steht das größte Abenteuer seines Lebens bevor: Bald geht er in Spanien an Bord des Rettungsschiffs „Seefuchs“. Die Mission: in Seenot geratenen Flüchtlingen helfen.

Ende 2016 hat Keller mit Erreichen der Altersgrenze sein Amt als langjähriger Kreisbrandmeister für den Abschnitt IV/I niedergelegt. Bei der Frühjahrsversammlung der Kreisbrandinspektoren in diesen Tagen war ihm noch eine besondere Auszeichnung zuteil geworden. Er wurde zum Ehrenkreisbrandmeister ernannt. 46 Jahre lang war der „Wast“ im Dienste der Bürger unterwegs. Doch auch im Ruhestand wird er weiter Hilfe leisten: Als Besatzungsmitglied an Bord eines Seenotrettungsschiffs, das ab Mitte Mai vor der libyschen Küste kreuzen wird, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten.

Seine erste Mission beginnt am Sonntag, 30 April. An diesem Tag wird er im spanischen Malaga an Bord der „Seefuchs“ gehen. Das Schiff ist ein ehemaliger Hochsee-Fischkutter, der von der Regensburger Hilfsorganisation „Sea-Eye“ in Stralsund an der Ostsee gekauft und für die Anforderungen der Seenotrettung umgerüstet wurde.

Derzeit wird der Kutter über das französische Brest bis zur iberischen Halbinsel nach Malaga überführt. Dort will Sebastian Keller dann an Bord gehen. Der erste Trip wird also noch kein Rettungseinsatz sein, sondern die Überführung des Schiffs nach Malta. Keller ist bei der Fahrt einer der sogenannten Wachgänger, die sich rund um die Uhr in Vier-Stunden-Schichten abwechseln. Wenn die „Seefuchs“ am 22. Mai in offene See Richtung Libyen sticht, dann wird Keller als Skipper eingeteilt werden.

Die notwendigen nautischen Kenntnisse hat er sich in der Vergangenheit erworben. Unter anderem besitzt er den Sportbootführerschein See und die Erlaubnis, Segelschiffe auf dem offenen Meer zu führen. Gemeinsam mit den Feuerwehrkameraden aus Moosburg war der langjährige Kreisbrandmeister schon oft auf Segeltörns im europäischen Ausland, aber auch in der Karibik unterwegs.

Die „Seefuchs“ ist eine Nummer größer

Ein Boot mit den Ausmaßen der „Seefuchs“ habe er allerdings bisher noch nie navigiert, räumt Keller ein: 26 Meter lang und vier Meter breit ist sie. „Das größte Boot, das ich bisher gesteuert habe, war zehn Meter lang.“ Auch die Kommunikation mit den Seenotleitstellen sei für ihn mehr oder weniger Neuland, gesteht der erfahrene Feuerwehrmann. Allerdings seien in der Crew auch ein ehemaliger Skipper und eine Funkerin der Handelsmarine mit an Bord. Das erleichtere die Sache natürlich ganz enorm.

Wenn die „Seefuchs“ ihren Einsatzort vor der Küste Libyens erreicht haben wird, dann werde die Bergungsroutine beginnen, vermutet Keller. Zwar bringe das Rettungsschiff keine Flüchtlinge an Land. Die Crew versorge aber die Menschen in den manövrierunfähigen Booten mit Rettungswesten und kümmere sich um Verletzte und jene, die dringend Flüssigkeit aufnehmen müssten, sagt Keller. Außerdem setze sie Notrufe an die Seenotleitstelle MRCC in Rom ab, die dann die Rettungseinsätze koordiniere und Schiffe der italienischen Küstenwache schicke.

Solch ereignisreiche, ja dramatische Tage, wie sie die Besatzung der „Sea-Eye“, dem zweiten Schiff der Hilfsorganisation, an Ostern erlebt hatte, wünsche er sich freilich nicht. Aufgrund der hohen See hatte man rund 200 notleidende Flüchtlinge an Bord genommen, obwohl das Schiff dadurch überladen war. 86 Stunden dauerte es, bis die Menschen auf andere Boote verteilt werden konnten.

„Ich habe mich schon als Kind auf dem Wasser wohlgefühlt“, erinnert sich der Moosburger. „Meine Tante hatte ein kleines Freizeitgrundstück am Starnberger See. Wir Kinder haben Segel aus Bettlaken an die Ruderboote geknüpft.“ Kellers Ehefrau Erna wird die Tour ihres Mannes von zu Hause aus online verfolgen: über eine Internetseite, auf der alle Schiffspositionen weltweit einsehbar sind.

Maria Martin

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