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Ein exzellenter Schütze ist der Moosburger – das zeigt er bei verschiedensten Wettkämpfen.

Bogenschiessen

Vom Laien zum Bayerischen Meister: Die Erfolgsgeschichte des Erwin Sedleczki

Einst Quereinsteiger, jetzt Bayerns Bester: Erwin Sedleczki aus Moosburg hat es zum Bayerischen Meister in einer Bogenschützen-Kategorie gebracht. Dabei war es ausgerechnet ein Unfall, der ihn zu diesem Sport geführt hat.

Moosburg - Als Sportschütze hat der Moosburger Erwin Sedleczki in der A-Klasse zwar mit dem Luftgewehr geschossen. So erfolgreich wie jetzt, wo er mit dem Langbogen und Pfeilen auf 3D-Tierattrappen schießt, war er aber nicht. Keine Sorge: Auf lebende Tiere würde er natürlich nie schießen. Dass der BMW-Mitarbeiter den Bogen dermaßen heraus hat, ist, so komisch es klingen mag, einem Unfall zu verdanken.

Die Liste der Erfolge von Erwin Sedleczki ist beachtlich. Wo der für die „Bowhunters Moosburg“ tätige Langbogenschütze auch antritt, meist ist er auf den vorderen Rängen zu finden. Etwa im Januar bei einem Turnier der Schützengesellschaft Schrobenhausen, wo er Zweiter wurde. Oder bei den Bogenschützen in Abensberg, einem Verein, der sich „Da wuide Haufa“ nennt. Dort hat Sedleczki ebenso gewonnen, wie beim Sommerturnier der Bogenschützen in Bad Birnbach. Beim Hundert-Pfeile-Turnier in Murnau ist der Quereinsteiger Zweiter geworden.

Beim Herrichten des Maibaums passierte der Unfall

Dass es so gut mit dem Langbogen läuft, führt der amtierende Bayerische Meister darauf zurück, dass es wie früher in der freien Wildbahn ist. „Man ist viel draußen“, erzählt er – und oft in den Bergen auf der Pirsch. Man übt also viel und unter besonderen Bedingungen. Es kommt dabei auf Kameradschaft, auf Zusammenhalt, aber eben auch auf Konkurrenz an. Die Schützen pushen sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Mit dem Unterschied zum früheren Leben, dass man eben auf Attrappen schießt.

Angefangen hat bei Sedleczki alles mit einem Unfall. 2000 war das, beim Maibaumherrichten beim SV Wilhelm Tell in Oberding. Beim Transport mit dem Hänger ist der Baum beim Einlenken von der Nachlauf-Achse gekippt und Sedlecziki auf den Fuß gefallen. Die Folge: ein schlimmer Trümmerbruch. Mit längerem Krankenhausaufenthalt, mit Rekonvaleszenz, mit Beinschiene – „das ganze Programm“, wie sich der Unglücksrabe noch lebhaft erinnert. Schlimmer noch, ein halbes Jahr danach stellten sich Rückenprobleme ein. Ein Physiotherapeut riet ihm schließlich, es doch einmal mit Bogenschießen zu versuchen. Das sei gut für die Muskulatur, das würde entspannen und Stress abbauen.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten

Gesagt, getan: Der damals noch in Oberding lebende Patient ging zum Verein SG Edelweiß Hallbergmoos und fing mit dem Bogenschießen an. Ganz normal, mit einem „Recurve“-Bogen und auf Scheiben. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Ich kam gleich gut rein, war zweimal Vereinsmeister“, sagt Sedleczki. Mehr noch, alsbald fing er als Jugendtrainer an. Schließlich sprach ihn ein Kumpel darauf an, ob er es nicht einmal mit dem traditionellen Bogenschießen in der freien Natur versuchen wolle.

Der Bayerische Meister: Erwin Sedleczki (2.v.l.) ist als Quereinsteiger gestartet und steht nun an der Spitze Bayerns.

Sedleczki wollte und bald war es um ihn geschehen. Inzwischen macht er seine Pfeile selbst, stattet sie mit Federn und dem Bayernwappen aus. Ein Logo, das auch sein Outfit und seinen Armschutz ziert. Er fährt hunderte, manchmal gar tausende Kilometer im Jahr zu den Wettbewerben. Die finden vorzugsweise in den Bergen statt. Dort wird auf Hirsche und Bären, aber auch auf kleinere Ziele geschossen. Freilich in einem abgesteckten und gesicherten Parkour – und freilich auf Attrappen aus Kunststoffschaum.

Der Sport bringt einen netten Nebeneffekt mit sich

Unabhängig davon ist Killer-Instinkt gefragt. Denn es gibt die verschiedensten „Kills“, „Innen- und Aussen-Kills“ wie Sedleczki verrät. Zu vergleichen sei das mit dem sogenannten „Blattschuss“. Es kommt darauf an, welche imaginären, lebenswichtigen Organe der Schütze trifft. Dafür gibt es unterschiedlich viele Punkte.

Darauf kommt es dem Langbogenschützen und Naturfreund aber eigentlich gar nicht an. Sedleczki geht es darum, sich mit „Gleichgesinnten zu treffen, im Wald umherzustreifen, sich zu messen und Spaß zu haben“. Damit lässt sich der Stress in der Arbeit abbauen und auch so manches Problem vergessen. Und der angenehme Nebeneffekt: Das mit den Rückenschmerzen hat sich auch erledigt.

Alexander Fischer

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