Ein Volksfest-Besucher musste sich nach einem Zwischenfall auf der Moosburger Herbstschau 2017 nun vor Gericht verantworten.
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Ein Volksfest-Besucher musste sich nach einem Zwischenfall auf der Moosburger Herbstschau 2017 nun vor Gericht verantworten.

Moosburger Volksfest-Zwischenfall wird Fall für Gericht

Weil er nicht austrinken durfte: Herbstschau-Gast legt sich mit Security und Polizei an - Prozess

Nach Mitternacht hat auf der Moosburger Herbstschau 2017 ein Security-Mann begonnen, Festgäste heimzuschicken. Ein 38-Jähriger bestand jedoch darauf, seinen Kaffee zu leeren. Die Situation eskalierte. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Hausfriedensbruch und Beleidigung musste er sich nun vor Gericht verantworten.

Moosburg – Es war die letzte Runde. Feierabend hing in der Luft, überdeckte auf der Freifläche der Moosburger Herbstschau den Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. „Alle müssen raus“, rief der Security-Mann, ein Baum von einem Kerl, den letzten verstreuten Besuchern zu. An einem Kaffeestand traf der 44-Jährige auf einen, wie er meinte, renitenten Festgast mit einem Becher Kaffee in der Hand. Der ebenfalls nicht gerade schmächtige 38-Jährige bestand allerdings darauf, den soeben erworbenen Kaffee in Ruhe auszuschlürfen. Und was die Polizei betrifft, die der Security-Mann zu alarmieren drohte: „Sollen sie doch kommen, die Deppen.“

Ebenfalls in eine Art von Uniform gekleidet, muss der Security-Mann die Sache mit den „Deppen“ stellvertretend als Beleidigung empfunden haben. Er rief die Polizei. „Wir sind grundsätzlich die letzte Person auf dem Platz“, begründete er den Griff zum Funkgerät: „Das ist unsere Aufgabe!“

Der 44-Jährige weiß genau, wie er vor Gericht auszusagen hat, um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen. Auf den Zustand des 38-Jährigen angesprochen, beschrieb die Sicherheitskraft den Festgast als betrunken, aber durchaus noch bei Sinnen. Der Besucher habe sehr wohl gewusst, was er tat. Der Staatsanwalt nickte zufrieden mit dem Kopf. Paragraf 21 Strafgesetzbuch (verminderte Schuldfähigkeit) wäre damit vom Tisch.

Der Festgast schlug ins Leere – am Polizisten vorbei

Während den 38-Jährigen ein Gutteil seines Erinnerungsvermögens zu verlassen haben schien, wusste der Polizist (25), der dem Ruf des Security-Manns mit einem Kollegen gefolgt war, noch recht genau, was sich in der Nacht zum 17. September 2017 auf der Herbstschau in Moosburg zugetragen hatte. Der Beamte berichtete von einem „stark alkoholisierten“ Mann. Ein von ihm verhängtes Platzverbot hatte der 38-Jährige ignoriert. Als er die Hand ausstreckte, um den Ausweis des Mannes in Empfang zu nehmen, schlug der Festgast mit der Linken ein Luftloch in seine Richtung.

Der Polizist sprach von einem „eher unkontrollierten Schlag“. Der Security-Bedienstete hatte zuvor ausgesagt, überzeugt gewesen zu sein, dass der Festgast den Beamten zielgerichtet anvisiert hatte. Schlussendlich stürzten sich alle vier, die beiden Securitys und zwei Polizisten, auf den 38-Jährigen und fesselten ihn. Die Staatsanwaltschaft hielt dem Beschuldigten vor, sich gewehrt und die Hände unter dem Körper verborgen zu haben.

Die unaufgeregte Art des Beamten tat dem Prozess gut. Durch Äußerungen wie „Deppen“ sah sich der 25-Jährige nicht übermäßig beleidigt. Da ist er wohl andere Kaliber gewohnt. Der angeklagte Hausfriedensbruch fiel ebenso weg. Der Festplatz stellt laut Richter Michael Geltl kein umfriedetes Besitztum dar. Bleibt die Widerstandshandlung, die nach Ansicht der Verteidigung ebenso wenig verwirklicht war: Zwei echte Brocken von Security auf dem Mandanten, dazu zwei schneidige Polizisten – „also 200 bis 300 Kilo?“, stapelte Anwalt Thomas Krimmel eher tief. „Wo soll da noch Widerstand möglich sein?“

Was Widerstand betrifft, genügt Gerichten hierzulande, dass jemand sich gegen Fesseln durch Handschellen sperrt. Geltl verurteilte den nicht vorbelasteten 38-Jährigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe von 1200 Euro (40 Tagessätze zu 30 Euro) – als vermindert schuldfähig. Die Anklage wegen Beleidigung und Hausfriedensbruch hatte er zuvor eingestellt.

Andreas Sachse

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