Andrea Limmer macht lustige Miene zum bösen Spiel
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Neumoderne Ratschkathl: Kabarettistin Andrea Limmer aus Moosburg hat sich eigentlich auf viele Auftritte gefreut.

Nur die Pandemie konnte ihren Programmstart verhindern

Auf den Spuren von Liesl Karlstadt: die Moosburger Kabarettistin Andrea Limmer

Die Live-Shows der Musikkabarettistin sind legendär: Mit scharfer Zunge und Ukulele umreißt Andrea Limmer immer wieder die bayerischen Befindlichkeiten bis ins letzte Wirtshaus-Eck. Ihr brandneues Programm muss allerdings erst mal warten.

Moosburg – Auf jeden Fall hatte ihre Oma Recht behalten mit der Prophezeiung an das umtriebige Kind: „Du wirst amoi wia die Liesl Karlstadt!“ Denn eines schält sich bei den Auftritten der 35-Jährigen stets und immer prominenter heraus – diese unverkennbare Nähe zu der großen Volksschauspielerin und Bühnenpartnerin von Karl Valentin. Im Sprachduktus, den Gesten und der Präsenz vor Publikum: Limmer leuchtet als neumoderne Ratschkathl und Sprachakrobatin, verneigt sich ohne Affektion vor der Karlstadt wie aber auch vor Ida Schumacher.

Und so wie es keine zweite Karlstadt geben kann, spielt sich auch die Limmerin als singuläre Bühnen-Offenbarung ins aktuelle bayerische Kollektiv-Gedächtnis. Dabei liegen ihr immer die zwischenmenschlichen Verhängnisse vielmehr am Herzen als die Weltpolitik – und genau deshalb trifft Limmer mit ihren Programmen stets ins Schwarze oder wahlweise ins Herz.

Im Wirtshaus der Oma ist sie groß geworden

Geboren wurde Limmer in Moosburg – allerdings aus Versehen. Weil: Es musste schnell gehen in jenem saukalten Februar, der Weg nach Landshut schien zu weit. „Nach mir, so Limmer weiter, haben sie dann die Geburtsstation in Moosburg zugemacht.“ Mehr oder weniger ist sie dann im Wirtshaus der Oma groß geworden und hat dabei alles aufgesaugt, was für bayerische Künstler immerzu fundamental ist: Das Laute und das Leise gleichermaßen, das feine Valentineske und das grobe Offensichtliche.

Auch der weitere Weg wurde durch Abzweigungen beherrscht: Studium Verwaltungsinspektorin, Ausbildung zur Redakteurin, dazwischen ausgedehnte Reisen nach Afrika. Aber immer dabei war die Liebe zur Kunst, die nach dem Umzug nach Schwabing deutlich stärker wurde, bis sie schließlich auf die Bühne ging. War sie anfangs noch mit Duo-Programmen on Stage, überzeugt Limmer seit 2015 als Solo-Künstlerin die deutschsprachige Kabarettszene. Von kleinen Bühnen, über den Quatsch Comedy-Club bis hin zu großen Festivals: Eine Never-Ending-Roadtour par excellence zwischen „Umsturz und Lebersturz“.

Nach ihrem sehr erfolgreichen Programm „Das Schweigen der Limmer“ sollte nun das vielversprechende „Das Streben der Anderen – Klassentreffen 5.0“ folgen – wäre da nicht die Corona-Pandemie mit zahlreichen abgesagten Auftritten dazwischengekommen. „Das macht mürbe“, betont Limmer.

Sauer auf die Regierung - weil die Unterstützung fehlt

Gleichzeitig ist sie aber auch richtig sauer auf die Regierung und die fehlende Unterstützung für Künstler. Kunst ist für sie eben nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kulturgut – und das gilt es zu schützen und zu fördern, so die Kabarettistin. Vieles werde von der Regierung ihrer Meinung nach nicht transparent genug kommuniziert, viele ihrer Künstler-Kollegen bekämen gerade mal einige Euro Hilfe zugesprochen, für sie ein Unding. Dennoch: Aufgeben ist keine Option.

Die freie Zeit nutzt sie für ihr Programm, vielleicht schreibt sie nach ihrem Erstling „Freilich! Unvermeidliche, niederbairische Wirtshausgeschichten“ auch wieder mal ein Buch. Weihnachten selbst sei ihr eigentlich sehr wichtig, aber heuer hatte sie nicht einmal Lust auf einen Christbaum: „Ich hab nicht so getan, als ob. Des mog I ned!“ Wer Andrea Limmer nach Corona live erleben möchte, kann sich auf ihrer Homepage informieren - unter www.andrea-limmer.de.

Richard Lorenz

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