„Wir machen auf....merksam“: Andrea Schätzl und Martin Neu vom gleichnamigen Modehaus in Moosburg beteiligen sich an der plakativen bundesweiten Aktion des Einzelhandels, die auch in den sozialen Netzwerken Niederschlag findet.
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„Wir machen auf....merksam“: Andrea Schätzl und Martin Neu vom gleichnamigen Modehaus in Moosburg beteiligen sich an der plakativen bundesweiten Aktion des Einzelhandels, die auch in den sozialen Netzwerken Niederschlag findet.

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„Wir machen auf...merksam“: Moosburger Modehaus Neu weist auf prekäre Lage hin

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
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In der Corona-Pandemie fühlen sich die Einzelhändler von der Regierung im Stich gelassen. Nun machen sie bundesweit auf sich aufmerksam. Auch das Moosbuger Modehaus Neu ist bei der Aktion dabei.

Moosburg – Sie sind verärgert, maßlos enttäuscht und fühlen sich von der Regierung total im Stich gelassen: die Einzelhändler. Seit Montag, 11. Januar, um 11 Uhr machen sie bundesweit plakativ auf ihre die Existenz bedrohende Lage aufmerksam. Auch das Team vom Modehaus Neu in Moosburg mit Inhaber Martin Neu und Andrea Schätzl beteiligte sich an der Aktion „Wir machen auf...merksam“.

„Mit den Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 und nunmehr seit dem 16. Dezember sind wir praktisch eingesperrt, es ist wie ein staatlich verhängtes Berufsverbot“ – anders könne man das nicht bezeichnen, sagt Andrea Schätzl. Es gebe keine Planungssicherheit, und gerade in der Modebranche sei diese ungemein wichtig. Bereits am Montag fährt sie nach München, um die Sachen für den Herbst/Winter 2021 zu ordern. Alles müsse vorbestellt werden, denn aufgrund dieser Lage produziere niemand etwas mehr im Voraus.

Viele Unternehmen bleiben auf ihrer Ware sitzen

Im Klartext bedeutet das: Nicht nur das Modehaus Neu in Moosburg, sondern viele andere auch bleiben auf ihrer Ware sitzen. Der zweite Lockdown hat das Weihnachtsgeschäft ausgebremst. Derweil stapelt sich die Frühjahrs-/Sommerware für 2021 – im Vertrauen auf die Versprechungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Einzelhandel werde definitiv nicht von einem weiteren Lockdown betroffen – im Lager. Denn: Auch die Herbst-/Winterkollektion konnte ja wegen des zweiten Lockdowns nicht wie gedacht an die Frau beziehungsweise den Mann gebracht werden.

Schon im Frühjahr 2020, als der erste Lockdown die Einzelhändler vor allem in der Modebranche schwer traf, musste Martin Neu einen Kredit für die gelieferte Ware aufnehmen, die er, wenn überhaupt, wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten nur bedingt verkaufen konnte. Und nun sieht es mit der Herbst-/Winterware und auch mit der bereits gelieferten Kollektion für den Bereich Frühjahr/Sommer 2021 genauso aus.

Auch die Existenz der Mitarbeiter steht auf dem Spiel

„Es ist furchtbar ärgerlich und traurig zugleich“, sagt Andrea Schätzl, die wie Martin Neu auch an die Mitarbeiter denkt. „Deren Existenz steht ebenso auf dem Spiel. Das Kurzarbeitergeld deckt lediglich 60 Prozent des Gehalts ab, und eine Aufstockung durch den Arbeitgeber ist nicht möglich. Bei null Einnahmen kann ich natürlich auch nichts aufstocken“, sagt Inhaber Neu.

Im zurückliegenden, von Covid-19 geprägten Jahr habe sich gerade in seiner Branche gezeigt, dass es sich auch bei Mode um eine „verderbliche Ware“ handle. Denn: „Die georderte Ware muss komplett abgeschrieben werden. Das heißt, wir können sie verschenken, aber wir haben nichts zu verschenken“, sagt Andrea Schätzl.

Von der Regierung enttäuscht

Was die Zukunft bringt, da kann man nur spekulieren: „Ich glaube nicht daran, dass es im Februar weitergeht – wenn wir Glück haben, dann im März. Aber so traurig es klingen mag: Ich glaube, es wird wohl Ostern“, sagt sie. Enttäuscht ist das Paar vor allem von der Politik, die zwar all jene wie Starbucks oder Amazon unterstützt, die im Gegensatz zum bayerischen oder deutschen Einzelhandel aber bislang so gut wie keine Steuern gezahlt haben, sondern mit „unseren Steuergeldern subventioniert wurden“, fügt Neu hinzu.

Den Einzelhandelsgeschäften, die eigentlich das „lebendige Herzstück jeder Innenstadt darstellen“, sollte genauso wie den Gastronomen angemessen die Erstattung der ausgefallenen Kosten garantiert werden. Denn „sonst droht der Ausverkauf des Einzelhandels“, sagen Neu und Schätzl.

Das Wegsterben des Einzelhandels, weil er wie viele andere betroffene Branchen wegen der Pandemie finanziell im Regen stehen gelassen wurde, sei auch das Wegsterben eines Kulturguts, dort, wo es auch immer „gemenschelt“ habe.

Freilich bietet auch das Modehaus Neu in Moosburg den Dienst „Call and Collect“ an, und dieser wird auch von Kunden genutzt. Telefonisch kann man die Bestellung aufgeben und einen Termin zur Abholung vereinbaren oder sich – welch ein Service! – die Ware sogar liefern lassen.

In zwei Wochen soll es digitale Schaufenster geben

Viel dabei verdient ist allerdings nicht, dennoch freut sich das Team über die Kunden, die ihm auch zu Lockdown-Zeiten die Treue halten. Andrea Schätzl präsentiert etwa in zahlreichen Social-Media-Kanälen einzelne Kleidungsstücke, aber auch in den Schaufenstern in der Herrnstraße/Am Stadtplatz kann man die Mode bewundern. Und in etwa zwei Wochen werden auch digitale Schaufenster an den Start gehen, verrät Martin Neu. „Wir sind täglich von früh bis spät erreichbar“, versichert das Inhaber-Team.

Dass nur von ihm und den Kunden das Tragen von FFP2-Masken gefordert wurde, war Martin Neu ein zusätzlicher Dorn im Auge, wenn man sehe, mit welcher Lockerheit bei den Discountern – „ein ausgeklügeltes Hygienekonzept eher Fehlanzeige“ – damit umgegangen werde. Aber das soll sich ja ab Montag, 18. Januar, ändern, denn dann gilt: FFP2-Masken überall, und nicht nur für den eingeschränkten oder eigentlich „weggesperrten Einzelhandel“, wie es Andrea Schätzl bezeichnet.

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