+
Hier soll es einmal stehen: Im Bild links neben den Becken des Freibads will die Stadt ein neues Hallenbad errichten. Doch die geplante Ausstattung ist vielen zu spartanisch.

Wegen spartanischer Ausstattung

Wird es zu langweilig? Moosburgs Hallenbad-Pläne in der Kritik

  • schließen

Die Aussicht auf ein neues Hallenbad hat in Moosburg für Vorfreude gesorgt. Doch die erhält nun einen Dämpfer. Denn die Schwimmhalle soll nur ein einziges Becken bekommen. Bei einigen Bürgern macht sich Enttäuschung und Empörung breit.

Moosburg – Viele jubelten, als der Stadtrat im November Grünes Licht für ein neues Hallenbad in Moosburg gab. Trotz der erdrückenden Schuldenlast der Stadt – im Dezember 2018 wird ein Minus von 24 Millionen Euro erwartet – fand es die große Mehrheit legitim, weitere 7,4 Millionen Euro netto auszugeben. Damit die Bürger in der kalten Jahreszeit wieder würdig ins Wasser steigen können und es Ersatz für das marode Bunker-Becken unter der Stadthalle gibt. Lediglich die Grünen votierten gegen die Investition, aus ihrer Sicht kann sich die Stadt einen Neubau derzeit nicht leisten.

Dass sich die Moosburger selbst für diesen Millionenbetrag kein schillerndes Erlebnisbad erhoffen können, war seit Beginn der Planungen klar. Und auch eine Sauna, wie von Jörg Kästl (ÖDP) angeregt, wurde als nicht realisierbar abgeschmettert. Aber immerhin, so dachten wohl viele, werde es noch ein Kinderbecken geben.

„Schildbürgerstreich“, „rausgeschmissenes Geld“, „schlechter Scherz“

Entsprechend groß ist nun der Aufschrei, seit Details aus einem Treffen bekannt wurden: Mitte Dezember gab es einen Runden Tisch im Rathaus, bei dem die weitere Planung abgestimmt wurde. Neben der Stadtspitze saßen Ingenieure, Architekten, das örtliche Bäder-Personal, Vertreter des Schwimmvereins und ein Behindertenbeauftragter beisammen. Sie entschieden sich nach reichlicher Diskussion dazu, aus Kostengründen auf ein Planschbecken und ein separates Nichtschwimmerbecken zu verzichten. Lediglich ein Hubboden steht weiter zur Debatte: Mit ihm könnte die Tiefe des verbliebenen 25-Meter-Wettkampfbeckens teilweise variiert werden.

Nachdem Grünen-Stadtrat Alfred Wagner das Ergebnis auf Facebook publik gemacht hatte, füllten sich die Kommentarspalten mit wütenden und enttäuschten Beiträgen. Von „rausgeschmissenem Geld“ war die Rede, von einem „Schildbürgerstreich“ und von einer „familienunfreundlichen Politik“. Manch einer vermutete einen „schlechten Scherz“. Zahlreiche Verfasser empörten sich, dass das Hallenbad auch in Zukunft kein Magnet für Familien mit Kindern werde.

Andernorts durfte die Bevölkerung per Bürgerentscheid abstimmen

Wieder einmal wurde kritisiert, in Moosburg mangle es bei großen Projekten wie diesem an der Bürgerbeteiligung. Als Beispiel, wie es besser funktioniere, wurde etwa die Stadt Pfaffenhofen herangezogen. Dort waren vor eineinhalb Jahren 20.000 Einwohner aufgerufen, per Bürgerentscheid die Ausstattung ihres neuen Schwimmbads zu wählen. Fast 60 Prozent der Wahlberechtigten machten von der Gelegenheit gebrauch – und entschieden sich für ein Familienbad anstatt einer nüchternen Schwimmhalle. Pfaffenhofen verfügte allerdings über ein deutlich höheres Budget: Auf 15 Millionen Euro hatte sich der Stadtrat dort geeinigt.

Eine Zahl, die in Moosburg utopisch scheint. Sportreferent Georg Hadersdorfer (CSU) jedenfalls verteidigt die Entscheidung am Runden Tisch, an dem er im Dezember selbst saß: „Für ein zusätzliches Nichtschwimmerbecken müssten wir das Gebäude verändern. Außerdem wäre ein zweiter Wasserkreislauf notwendig. Es gäbe zwar noch die Möglichkeit, das Schwimmerbecken zu verkleinern, um ein zweites Becken einzubauen. Aber dann ist es nicht mehr für Wettkämpfe geeignet.“

„Projekt am liebsten nochmal auf Null setzen“

Der Planschbereich sei gescheitert, weil „kleine Kinder dort eben auch mal reinmachen“ – und das Wechseln des Wassers dann so aufwändig sei, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden. Er bedaure den Umstand, sehe in dem Neubau aber dennoch ein Familienbad. „Natürlich ist es kein Spaßbad wie das Ergomar in Ergolding. Aber wir müssen die Kosten auch schultern können.“

Alfred Wagner, der die öffentliche Debatte ins Rollen gebracht hatte, sagt: „Ich würde das ganze Projekt am liebsten nochmal auf Null setzen und vernünftig überlegen. Wenn wir ein langweiliges Bad hinstellen, ist das nicht sinnvoll.“ Einen Bürgerentscheid über die Varianten halte er für denkbar – „aber nicht allen Bürgern sind die städtischen Finanzen klar“.

Öffentliche Sitzung zum Thema

Am Montag, 15. Januar, wird der Stadtrat offiziell über den Planungsstand informiert. Die Sitzung um 19 Uhr im Feyerabendhaus ist öffentlich. Unter Tagesordnungspunkt 2 können Bürgerfragen gestellt werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ehemalige Freisingerin stört sich an Hindenburg-Hausnummernschild
Die ehemalige Freisingerin Edith Wiesenfeldt empört sich: Denn in der Unteren Hauptstraße in Freising hängen immer noch Hausnummernschilder mit Hindenburg-Schriftzug aus …
Ehemalige Freisingerin stört sich an Hindenburg-Hausnummernschild
Toiletten erneuert und Trinkbrunnen gebaut
Auch heuer haben fleißige Handwerker das Freizeitbad „neufun“ während der Schließzeit auf Vordermann gebracht. Die Gäste könnten sich etwa auf komplett neue Toiletten im …
Toiletten erneuert und Trinkbrunnen gebaut
Sie kam nicht mehr in das Jugendwerk Birkeneck zurück: Josefin (14) wird vermisst
Seit vergangenen Freitag, 10. August, abends wird die 14-jährige Josefin Sultan-Zade (Bild) aus Hallbergmoos vermisst. 
Sie kam nicht mehr in das Jugendwerk Birkeneck zurück: Josefin (14) wird vermisst
Freisinger Schlangenweg ist saniert - Naturschützer murren
Ein besonders schönes Freisinger Naherholungsgebiet ist wieder verkehrssicher – und damit gefahrlos zu erwandern: der Weihenstephaner Südhang. Zumindest der erste Teil – …
Freisinger Schlangenweg ist saniert - Naturschützer murren

Kommentare