Abstimmungsmarathon

Wohn- und Sondergebiet Amperauen in Moosburg: Kritik von allen Seiten

Moosburg - Wenn ein Bau- und ein Sondergebiet ausgewiesen werden soll, dann diskutiert der Stadtrat von Moosburg schon gerne mal dreieinhalb Stunden. Am Montag zum Beispiel. Die Diskussion um das Areal „Amperauen“ im Westen der Stadt endete in einen Abstimmungsmarathon.

Man will einen Mix – einen Mix aus Geschoßwohnungsbau, Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern. Außerdem will man einen Kindergarten, dazu Sonnenhäuser, eine Südausrichtung der Bebauung aus energetischen Gründen und außerdem noch eine wirtschaftliche Lösung. Das waren die Vorgaben, die der Stadtrat für das Wohngebiet „Amperauen“ beschlossen hatte, und an die sich das Planungsbüro Wacker aus Nandlstadt bei dem Vorschlag für eine Bebauung auch gehalten hatte. Doch die vier Varianten, die Peter Wacker am Montag im Stadtrat als ersten Vorschlag für die Aufstellung eines Bebauungsplans vorlegte, stießen bei den Volksvertretern auf wenig Gegenliebe.

Die Kritik kam zwar fast von allen Seiten, betraf andererseits aber auch oft dieselben Punkte. Gut zwei Stunden lang prasselten alle möglichen Verbesserungsvorschläge und viele Ideen auf die Planer ein: Die Häuser, vor allem die Sonnenhäuser, müssten noch stärker nach Süden ausgerichtet werden, eine sechs bis sieben Meter hohe Lärmschutzwand an der Staatsstraße 2085 sei unbedingt zu vermeiden, der verkehrliche Anschluss an die Staatsstraße solle doch mit einem Kreisel erfolgen, vielleicht könne man die Geschoßwohnungsbauten ja nicht parallel, sondern auch mal so anordnen, dass es Innenhöfe ergebe, brauche man zur benachbarten Bebauung einen breiten Grünstreifen, und und und.

Evelin Altenbeck (Grüne) war „enttäuscht“, weil doch viele Anregungen einer Vorbesprechung vor einigen Monaten nicht aufgenommen worden seien, Johann Zitzlsberger (Linke) sprach von einer „einfallslosen“ Planung, Michael Stanglmaier (Grüne) betonte ebenfalls, es gebe noch „sehr viel zu tun“. Alfred Wagner (UMB) hätte gerne eine größere Variantenauswahl gehabt und vermisste Fantasie. Während Rudi Heinz (CSU) die Heterogenität des Areals mit verschiedenen Wohnformen lobte und die Ansiedlung des Kindergartens im Nordwesten des Areals positiv beurteilte, war für Jörg Kästl (ÖDP) der Geschoßwohnungsbau „viel zu massiv“. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt der Vermarktung dürfe auch die Lebensqualität nicht vergessen werden. Bürgermeisterin Anita Meinelt konterte, es helfe nichts, wenn man am Ende sage, der Plan sei schön, „aber es kauft keiner was“.

Architekt Peter Wacker betonte immer wieder, er habe sich an die Vorgaben des Stadtrats gehalten. Beispielsweise habe er kein Problem damit, die mehrgeschoßigen Häuser so zu gruppieren, dass sich Innenhöfe ergeben. Dann müsse man aber teilweise auf die geforderte Südausrichtung der Dächer verzichten. Ähnlich sei das auch mit der Verkehrsführung: Man könne die Haupterschließungsstraße schon anders legen, man könne auch die Häuser noch viel stärker nach Süden ausrichten, aber dann ergäben sich zum einen seltsame Grundstückszuschnitte, zum anderen mehr Verkehrsflächen und somit viel höhere Erschließungskosten.

In einem wahren Abstimmungsmarathon wurde dann vom Stadtrat keine der Planungsvarianten (für 490 bis 580 neue Bürger) zur weiteren Bearbeitung favorisiert, sondern jeder einzelne Vorschlag der Stadträte zur Prüfung und Überprüfung nochmals diskutiert und abgestimmt: Die meisten Prüfungsaufträge wurden beschlossen – teilweise einstimmig wie die Möglichkeit einer Anbindung an die Staatsstraße mit einem Kreisel, teilweise knapp wie die Prüfung einer Anordnung der Gebäude mit Höfen (14:10).

Und damit nicht genug: Gleich beim nächsten Tagesordnungspunkt wurde die Aufstellung des Bebauungsplans „Sondergebiet Amperauen“ beschlossen. Dabei wurde der Umgriff für das Gebiet, auf dem ein Vollsortimenter, ein Discounter und ein Drogeriemarkt angesiedelt werden sollen, von 28 000 Quadratmeter auf 18 000 Quadratmeter verkleinert. Kritik gab es vor allem deshalb, weil man sich mit diesem Projekt im Widerspruch zum Einzelhandelskonzept der Stadt und zu den Stadtentwicklungszielen befinde.

Entsprechend knapp fiel der Beschluss der Stadtratsmitglieder aus. Letztlich erhielt die Ausweisung des Sondergebiets mit 14:9 Stimmen Grünes Licht.

Andreas Beschorner

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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