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Der 49-jährige Neufahrner im Prozess vor dem Landgericht Landshut.

Fast fünf Jahre Haft für 49-Jährigen

Moosburg: Unfallflucht von Neufahrner wird als versuchter Mord gewertet

Moosburg/Neufahrn - Er hat einen Mann in Moosburg angefahren und schwer verletzt - und fuhr dann einfach davon. Jetzt klickten bei dem 49-jährigen Neufahrner die Handschellen - wegen versuchtem (Verdeckungs-)Mord

Mit einem Paukenschlag endete der Prozess vor dem Landgericht Landshut gegen einen Neufahrner (49): Er wurde unter anderem wegen versuchten (Verdeckungs-)Mordes durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt – und wegen Fluchtgefahr noch im Gerichtssaal verhaftet. Die ursprüngliche Anklage hatte ihm zur fahrlässigen Körperverletzung und Unfallflucht auch versuchten Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen.

Wie berichtet, hatte der 49-Jährige mit seinem Pkw im Februar 2013 auf dem Gehsteig der Thalbacher Straße in Moosburg einen 58-Jährigen angefahren. Der Fußgänger wurde mit dem Kopf und der Hüfte gegen das Auto geschleudert, ehe er auf dem Bordstein landete. Der Mann erlitt schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen. Allerdings, so bestätigte ein Attest, werde er noch heute von Depressionen und Angstzuständen geplagt.

Obwohl sein Wagen stark beschädigt und die Windschutzscheibe zersplittert war, flüchtete der Neufahrner von der Unfallstelle, stellte seinen Wagen verdeckt einige Kilometer vom Unfallort entfernt an der Werkstätte eines Bekannten ab und montierte noch das hintere Kennzeichen ab. Ein zufällig vorbeifahrender ehemaliger Schulfreund nahm ihn dann mit nach Neufahrn. Ihm sei, so sagte der Zeuge aus, an seinem Bekannten nichts aufgefallen – weder Aufregung noch Nervosität.

Paranoid-schizophrene Symptomatik beim Angeklagten

Den Vorwurf des versuchten Totschlags durch Unterlassen begründete Staatsanwalt Klaus Kurtz damit, dass dem 49-Jährigen klar gewesen sei, dass das Unfallopfer eventuell lebensgefährlich verletzt worden sein könnte und ohne sofortige ärztliche Hilfe sterben könnte. Ebenso, dass durch umgehende ärztliche Hilfe Rettungschancen bestanden hätten.

Ein psychiatrisches Gutachten bestätigte eine paranoid-schizophrene Symptomatik bei dem 49-Jährigen. Zum Unfallzeitpunkt könnte die Krankheit zwar an Dynamik gewonnen haben, eindeutige Feststellungen dazu seien aber nicht möglich, ebenso wenig zur Frage der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit. Einiges, wie etwa das zielgerichtete Handeln nach dem Unfall, spreche gegen eine verminderte Schuldfähigkeit.

Der Paukenschlag erfolgte bereits im Plädoyer von Staatsanwalt Kurtz, der neben der fahrlässigen Körperverletzung und der Unfallflucht auch einen versuchten Mord durch Unterlassen verwirklicht sah: Der 49-Jährige habe alles zur Verdeckung getan, um sich den strafrechtlichen Konsequenzen zu entziehen und sei dabei verantwortungslos und kaltblütig vorgegangen.

Ohne Zögern weitergefahren

Richter Markus Kring untermauerte in der Urteilsbegründung weitgehend diese Argumentation. Statt Hilfe zu leisten, habe sich der Neufahrner ohne Zögern zur Weiterfahrt entschlossen und danach „rational“ und in Verdeckungsabsicht gehandelt. Strafmildernd hätten sich die Aspekte „Versuch“ und „Unterlassen“, nicht aber die psychische Erkrankung ausgewirkt, die in der Unfallsituation keine Rolle gespielt habe.

Walter Schöttl

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