Vor Gericht

Moosburger (30) greift Polizei und Retter an

Moosburg - Einen turbulenten Einsatz haben zwei Beamte der Moosburger Polizei im Herbst 2014 erlebt. Nach einem häuslichen Streit mussten sie einen 30-Jährigen einweisen lassen. Wenige Wochen darauf prügelte derselbe Mann auf einen Sanitäter ein, der ihm eigentlich zur Hilfe geeilt war.

Der Vorfall spielte sich im September 2014 ab: Der Moosburger und seine Freundin prügelten sich im Vollrausch. Aus Sorge, die Rauferei könnte sich wieder „über Stunden“ hinziehen, hatte die Großmutter der jungen Frau den Notruf betätigt. Doch als die Beamten in die Wohnung der Freundin des 30-Jährigen gelangten, attackierte sie nicht nur der Angeklagte. Mutter und Großmutter der Freundin stellten sich ihnen mit Nachdruck in den Weg.

„Das ging ab in der Wohnung“, erinnerte ein Uniformierter. „Wir waren froh, dass wir da wieder heil raus gekommen sind.“ Der Angeklagte, der eben noch von seiner Freundin mit Fäusten und Füßen bearbeitet worden war, schleuderte eine gußeiserne Kanne in die Richtung eines Beamten. Mutter und Großmutter hingen an seinen Armen. Die Kanne krachte gegen die Waffe, die der Polizist an der Hüfte trug.

Eine Blutuntersuchung ergab beim 30-Jährigen einen Alkoholgehalt von 1,7 Promille. Außerdem soll er Schwiegeromas Medizinschränkchen geplündert haben und sich danach mit Tramal und Benzodiazepinen abgefüllt haben – einem Opiat und Schmerzmitteln. Auf dem Weg zur Polizeiwache habe der Angeklagte mit Suizid gedroht. Die Streife fuhr ihn daraufhin in die Psychiatrie.

Sieben Wochen darauf erblickte ein Sankafahrer den Moosburger zufällig auf dem Randstein sitzend, den Kopf in den Armen verschränkt. Als die Sanitäter nach dem Rechten sehen wollten, griff der Angeklagte an: Er verpasste einem 55-jährigen Helfer einen Hieb auf die Nase. Mit dem Kopf krachte der Sanitäter gegen die Außenwand des Sankas.

Im Prozess war der Angeklagte nicht wiederzuerkennen. Mehrfach betonte er, wie leid ihm sein Verhalten tue. „Ich schäme mich dafür“, betonte er. Laut seinem Anwalt befindet sich der Moosburger inzwischen in Therapie.

Vor dem Amtsgericht Freising musste sich der Moosburger nun wegen gefährlicher Körperverletzuntg, Widerstandshandlungen und Beleidigung verantworten. Das Gericht schien angetan von der Wandlung, die der Angeklagte vollzogen hatte. Die Entscheidung, das Verfahren einzustellen, verdankt der Moosburger auch dem psychiatrischen Sachverständigen. Merkwürdige Vermutungen, die der Gutachter in seiner Beurteilung in Bezug auf den Drogenkonsum des Moosburgers anstellte, ohne diese belegen zu können, erleichterten Richter Michael Geltl die Entscheidung. Ein vergleichbares Gutachten habe er während seiner Laufbahn nie zuvor erlebt. Auf dieser Grundlage könne er kein Urteil fällen. Das Gericht legte dem Angeklaten auf, die Therapie in jedem Fall abzuschließen.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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