Ab 10. Februar geht‘s wieder los

Moosburger Schäffler haben 110 Auftritte an acht Tanztagen

Moosburg - Alle fünf Jahre wird in Moosburg der traditionelle Schäfflertanz aufgeführt. Heuer ist es wieder soweit: Am 10. Februar startet die Schäfflertanzgruppe, die diesen Brauch seit 105 Jahren pflegt, in die Saison. 110 Auftritte stehen den Männern an acht Tanztagen bevor. 

Noch sind die Reifen ohne das grüne Laub des Buxbaums. Zum Rhythmus des bekannten Lieds „Aber heid is koid“, das von der Mauerner Blasmusik angestimmt wird, rutschen die Sohlen über das Parkett der Schäfflerhalle. 20 Männer in Jeans, Kapuzenpullis und Sweatshirts schreiten im „Hopserschritt“ im Kreis, in den Händen halten sie die gebogenen Metallreifen, die an die Zunft der Fasslmacher erinnern sollen. Der Kreis wird immer kleiner, die Männer drängen sich zusammen, die Bögen stoßen leise klingend zusammen, schließlich sieht man nur noch ein Knäuel aus Männern und Metallbögen. „Das ist die Laube“, erklärt Roland Littmann. Er ist der technische Leiter der Truppe und begleitet jede Probe, die seit Jahresbeginn stattgefunden hat. Damit die Bewegungen und Abläufe stimmen, gibt er immer wieder Anweisungen. „Die Bögen müssen alle auf einer Höhe sein, da müssen sich die Kleineren halt weit nach oben strecken.“ An jenem Dienstag ist es die vorletzte Probe, die die Tanzgruppe absolviert. Denn bereits am Freitag, 10. Februar, 18 Uhr, findet der erste öffentliche Tanz statt – an der Mariensäule gegenüber des Moosburger Rathauses. Und traditionell wird der erste Tanz der Moosburger Bürgermeisterin gewidmet.

Apropos traditionell: Auch „die Kirch“, zu der man sich jedes mal vor dem ersten Auftritt im Kastulusmünster trifft, wird nicht ausgelassen – „dass auch der Segen dabei ist“, sagt Hans Bisaha und lacht. Der Moosburger hat viele Jahre den Kasperl gemimt – heuer wird er von der holden Weiblichkeit abgelöst. Sandra Osterloher heißt die junge Dame, ein waschechtes Moosburger G’wachs und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sandra stammt aus einer Moosburger Gärtnereifamilie. Zum Ende der rund 15-minütigen Tanznummer steht sie auf dem Fassl inmitten eines Kreises, den die Tänzer um sie gezogen haben. Sandra und ihre Schwester Christina haben die kurzen G’stanzl’n selber verfasst, die sie nun zum „Leid dablecka“ zwischen den einzelnen Tanzstücken recht launig vorträgt. Bei den Auftritten in der Öffentlichkeit werden die Verserl übrigens den sogenannten „Tanzspendern“ gewidmet.

Vor dem Auftritt des Kasperls hatte sich Reifenschwinger Wolfgang Fuchs darin versucht, einen Fassreifen zu jonglieren, in dessen Innenseite in einer Vertiefung drei gefüllte Schnapsgläser stehen. Aus den Gläsern darf kein Tropfen entweichen. So schreibt es die Ordnung vor, die von der Zunft der Fassmacher aus dem 16. Jahrhundert so überliefert ist. Der Legende nach entstand der Schäfflertanz in Folge der Pest, die 1517 in München wütete. Die Fassmacher waren die ersten, die sich damals auf die Straße wagten. Um die verängstigten Münchner wieder auf die Straße zu locken, führten sie einen Tanz zu fröhlicher Musik mit grün belaubten Reifen auf.

Wenn sich die Moosburger Schäfflertanzgruppe auf die Straße wagt, dann sei dies immer ein rechter „Marathon“, erzählt Hans Bisaha. 110 Auftritte absolviere man innerhalb von acht Tanztagen. „Da brauchen wir kein Fitnessstudio mehr.“ An drei Wochenenden werden die Moosburger Schäffler unterwegs sein – bevorzugt im Stadtgebiet. Früher habe es auch Auftritte in Freising gegeben, erinnert sich Bisaha. Doch das ist heute organisatorisch nicht mehr möglich.

Eines ist übrigens bei der Schäfflertanzgruppe in ihrer über 100-jährigen Geschichte gleich geblieben: Mit den Spenden, die sie erhalten, unterstützen sie die Moosburger Sportjugend. Im Jahr der Gründung, 1912, soll der damalige Vorsitzende, Bäckermeister Karl Schloder, auf die Idee gekommen sein. So heißt es zumindest in der Chronik: Mit dem ertanzten Geld sollte der Bau einer Turnhalle am Viehmarktplatz finanziert werden. Auch heuer wird der Tanz mit Fass und Kranz wieder zu hundert Prozent den jungen Moosburger Sportlern zu gute kommen.

Tänzer und Termine

Wichtige Aufgaben kommen beim Schäfflertanz den vier Fasslklopfern Ade Sterr, Sepp Fuchs, Karl-Heinz Jessensky und Christoph Schermer, den drei Reifenschwingern Andreas Geltinger, Anton Geltinger und Wolfgang Fuchs sowie dem – erstmals weiblichen – Kasperl Sandra Osterloher zu. Unterstützt wird sie von Richard Renz sowie sechs kleinen Kasperln.

Die Auftritte sind an den Wochenenden 11./12., 18./19. und 25./26. Februar sowie am Rosenmontag, 27., und Faschingsdienstag, 28. Februar.

Maria Martin

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