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Muslime in Freising begehen den Ramadan

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Stark bleiben muss Ayten Cakmak, wenn es um sie herum im Feinkostladen köstlich duftet. Die Muslimin hält sich an den Ramadan. Foto: Lehmann

Freising - Es ist nicht leicht stark zu bleiben, wenn es rundherum verführerisch duftet. Doch die Freisingerin Ayten Cakmak hält sich, wie viele andere Muslime, an den Ramadan.

Langsam dreht sich der aufgespießte Döner Kebab neben einem Grillrost bis die äußerste Schicht des Fleisches knusprig gebräunt ist. Mit einem großen Messer schabt Ayten Cakmak dünne Stücke ab. Der Gast wünscht Salat, Tomaten, Zwiebeln und etwas Joghurtsoße. Sorgfältig schichtet die Mitarbeiterin des „Mezze“ Feinkostladens die Zutaten in das aufgeschnittene Fladenbrot und reicht es dem Kunden über die Theke. Der beißt herzhaft hinein und lächelt zufrieden. Der Döner schmeckt. Auch wenn Cakmak schon seit dem vergangenen Abend nichts mehr gegessen hat, Appetit oder gar Heißhunger auf Kebab und andere türkische Köstlichkeiten verspürt sie keinen. Ayten Cakmak ist Muslime und muss während der Zeit des Ramadan fasten.

„Die ersten drei Tage sind schwer“, räumt sie ein. „Aber irgendwann sehe ich all das Essen nicht mehr.“ Ob eingelegte Auberginen, knusprige Pizza oder Falafel, frittierte Bohnenbällchen - auch während der Fastenzeit ist die gebürtige Türkin regelmäßig mit den Spezialitäten aus ihrem Heimatland konfrontiert. „Aber ich sehe das als Training der Seele“, erklärt sie. „Man lernt, sich selbst zu beherrschen.“

Lesen Sie dazu: Kaum Gottesdienste während der Corona-Pandemie: Um die muslimische Gemeinde Freising während des Ramadan dennoch zu erreichen, ertönt nun jeden Abend der Gebetsruf.

Die Vorurteile kennt sie zur Genüge: Sätze wie „Du spinnst“ und „Das ist doch ungesund“ hört Cakmak während des Ramadan oft. Die 32-jährige Freisingerin kann darüber nur müde lächeln. Verstehen würden es die wenigsten, warum sie und viele Muslime im Landkreis während des Fastenmonats auf Lebens- und Genussmittel verzichten müssen. „Dabei ist das keine Strafe“, ist Cakmak überzeugt. „Man besinnt sich vielmehr auf das Wesentliche.“

Das „Wesentliche“ heißt konkret: Essen, Trinken, Rauchen, Trunkenheit und Geschlechtsverkehr sind tabu - zumindest zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang. „In dieser Zeit versuche ich, schlechte Gewohnheiten abzuschalten“, berichtet Cakmak. „Und ehrlich gesagt: Ich werde eher rückfällig, wenn ich eine Diät machen muss“, sagt sie lachend.

Im Alter von drei Jahren zog sie mit ihrer Familie aus dem Osten der Türkei nach Bayern in die Hallertau. „Meine Mutter ist sehr religiös, mein Vater lockerer“, erzählt Cakmak. Nach einer Zwischenstation in Moosburg, wohnt sie nun seit 15 Jahren mit ihrem Mann und den drei Kindern in Freising. Gemeinsam mit der Familie zelebriert 32-Jährige ihren Glauben - auch das Fasten gehörte schon immer dazu. „Als Kind soll man nur ein bis zwei Tage fasten,“ erklärt sie. Ab der Pubertät aber sei das Einhalten des Ramadan ein Muss für gläubige Muslimen. Neben dem Glaubensbekenntnis, dem fünfmal täglichen Gebet, Almosen und der Wallfahrt nach Mekka gehört der Fastenmonat zu den fünf Säulen des Islam.

„Durch den Alltag gerät die Religion in den Hintergrund“, stellt Cakmak fest. Während des Ramandan aber öffne sich eine „innere Dimension“: „Es ist eine Reinigung der Seele.“ Man verbringt wieder mehr Zeit mit der Familie, spendet an Bedürftige, lebt bewusster. Auf Essen und Trinken müssen die Muslime dabei den ganzen Tag verzichten. Als Frühstückersatz stehen manche kurz vor Morgengrauen auf, um etwas zu sich zu nehmen, dann schläft man weiter. „Ich mache das jetzt nicht mehr so oft“, gibt Cakmak zu. „Aber mein Ehemann und die Kinder schon.“

Für Cakmak als gläubige Muslime gehört die enthaltsame Zeit einfach dazu: „Glaube ohne Taten ist ein leerer Glaube.“

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