Typisierungsaktion für Niclas (16) und Noah (20)

Mutmacher in einer besonders schweren Zeit

Niclas ist 16 und hat MDS, Noah ist 20 und leidet an Leukämie. Beide brauchen ganz dringend eine Stammzellenspende. Und beide Familien „kämpfen gemeinsam, damit unsere beiden Jungs eine Zukunft haben“, sagt der Papa von Niclas. Am 18. Februar können alle mitkämpfen.

Freising – Die Gesichter waren voller Sorge und Angst. Denn was die Eltern von Niclas und Noah in den vergangenen Wochen und Monaten erdulden mussten, kann an niemandem spurlos vorübergehen: Bei Niclas (16) wurde MDS (Myelodysplastisches Syndrom) und bei Noah (20) nun schon zum zweiten Mal Leukämie festgestellt (wir haben berichtet). Doch so groß die Ängste sind, so groß ist auch die Hoffnung, dass sich unter 25 Millionen Typisierten weltweit der eine Mensch findet, dessen DNA soweit mit der von Niclas und Noah übereinstimmt, dass er als Stammzellenspender und Lebensretter in Frage kommt.

Eindringlicher Appell

Am Samstag, 18. Februar, wird die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) an zwei Orten in Freising eine große Typisierungsaktion starten, um die bereits vorhandene Datenbank möglicher Stammzellenspender zu erweitern. Die Welle der Hilfsbereitschaft, die die Familien Kiepe und Rock/Herrmann inzwischen schon erfahren haben, ist riesig. Gestern wurde bei einem Pressegespräch eindringlich dafür geworben, sich am 18. Februar typisieren zu lassen.

Dr. Hans Knabe, Gründer und Vorstand von AKB, machte den Eltern von Noah und Niclas große Hoffnung. In fast allen Fällen finde man inzwischen Spender, allein die AKB vermittle täglich zwei bis drei. Knabe machte keinen Hehl daraus, dass es aber schon etwas mehr bedeute als „Stäbchen rein, Spender sein“.

Zwei Männer, die schon Stammzellen gespendet haben, sahen das gestern aber anders: Martin Prankl aus Aying, dem die Stammzellen unter Narkose bei einer OP aus dem Beckenkamm entnommen wurde, bezeichnete die Prozedur so: „Das ist ein Klacks. Das ist gar nichts.“ Und Claus Schröcker aus Freising, dem die Stammzellen über das Blut entnommen wurden, schwärmte von dem „unbeschreiblichen Gefühl“, Leben retten zu können.

Große Gefühle sind es auch, die die Eltern der beiden Jugendlichen fest im Griff haben. Clemens Rock, der Papa von Noah, schilderte, wie sich seit der Diagnose im Dezember 2016 alles in der Familie ausschließlich um Noah drehe: „Man kennt keine anderen Sorgen.“ Noah sei ein Kämpfer und tapfer, aber weil es Grenzen der Chemo- und Strahlentherapie gebe, „braucht er zwingend eine Knochenmarkspende“.

Olaf Kiepe, der Vater von Niclas, erzählte von einer „emotionalen Achterbahnfahrt“: erst der Verdacht auf Leukämie bei Niclas, dann die Diagnose, dass es sich nicht um Blutkrebs handle, dann die niederschmetternde Diagnose MDS. Auch Niclas brauche also, so die Konsequenz, eine Stammzellentransplantation, um zu überleben. Das Schicksal hat die beiden Familien aus dem Landkreis also zusammengeführt. „Wir kämpfen gemeinsam“, so Olaf Kiepe.

Kraft und Motivation

Mutmacher sind also in diesen schweren Zeiten besonders gefragt. Einer davon – und zwar ein ganz großer: Vincent Kammerloher (25) aus Wolfersdorf, 2013 an Leukämie erkrankt und 2014 erfolgreich transplantiert. Dass Niclas und Noah bereit sind, ihre Gesichter und ihr Schicksal für eine Typisierungsaktion herzugeben, dafür trägt Kammerloher große Verantwortung. Denn in einem mehrstündigen Gespräch mit den beiden habe er von seinen Gefühlen damals berichtet. Und: „Wenn ich nicht an die Öffentlichkeit gegangen wäre, wäre das der größte Fehler meines Lebens gewesen.“ Die Nachricht damals, dass es einen potenziellen Spender gebe, habe ihm die Motivation verliehen, mit der Chemotherapie weiterzumachen, „bis ich soweit war“, erzählte Kammerloher seine Geschichte. Und so war es gestern auch ein Termin, der viel Hoffnung machte und der eine ganz wichtige Botschaft vermittelte: „Wir schaffen das gemeinsam“, so Knabe.

Bei allen Emotionen und Gefühlen durfte auch der finanzielle Aspekt einer solchen Typisierungsaktion nicht fehlen: Firmen und Privatleute, Rotarier und zahlreiche Sportvereine – viele Spender und Sponsoren wollen mit Geld zum Erfolg der Typisierungsaktion beitragen, Denn: Jede Typisierung kostet rund 50 Euro – Geld, das die Stiftung AKB rein aus Spenden aufbringen muss. Auf dem für Niclas und Noah eingerichteten Spendenkonto liegen derzeit 25 000 Euro, weitere Spenden werden noch eingehen.

„Niclas“ & „Noah“

Eine ganz besondere Unterstützung kam von dem ehemaligen Basketball-Nationalspieler und FC Bayern-Star Steffen Hamann. Der warb dafür, sich an der Typisierungsaktion zu beteiligen und hatte als besonderes Geschenk zwei FCB-Trikots mit den Namen „Niclas“ und „Noah“ sowie mit den Unterschriften der Korbjäger des FCB mit zum Pressegespräch ins Marriott-Hotel gebracht. Weil Noah und Niclas begeisterte Sportler sind, wird ihnen dieses Mitbringsel sicherlich weiteren Lebensmut geben.

Rund um die Typisierungsaktion

  • Wann: Samstag, 18. Februar, 10 bis 16 Uhr.
  • Wo: Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Gregor-Mendel-Straße 2 und Josef-Hofmiller-Gymnasium, Vimystraße 14. Das Altstadt-Parkhaus und die Garage der Realschule sind an diesem Tag für alle, die sich typisieren lassen, kostenfrei nutzbar.
  • Wer: Spender zwischen 17 und 45 Jahren. Wichtig: Bitte nicht von einer Erkältung abhalten lassen! Und: Man muss nicht nüchtern zur Typisierung erscheinen.
  • Wer mit einem Geldbetrag die Typisierungsaktion unterstützen will: Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern, IBAN: DE55 7025 0150 0022 3946 13; Verwendungszweck: Niclas/Noah-Freising.

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