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Bericht aus dem Gericht 

Nach Beleidigungen gegen Jugendtreff-Leiter und Polizei: Arreststrafe für Jugendlichen

Schwere Beleidigungen gegen den Jugendtreff-Leiter und Polizisten brachten einen 18-Jährigen vor Gericht. Dort zeigte er sich zumindest teilweise einsichtig – allerdings muss er jetzt zwei Wochen in Arrest.

Landkreis Erheblich angetrunken hat ein 18-Jähriger in einem Jugendtreff im Ampertal randaliert. Dass ihm der Leiter der Einrichtung ein Hausverbot verpasste, hielt ihn nicht davon ab, den Sozialpädagogen zu verspotten. Hernach nahm er sich herbeigerufene Polizisten vor, die er ebenfalls verhöhnte. Wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung musste er sich vor dem Amtsgericht Freising verantworten.

Ein 35-jähriger Polizeibeamter erinnerte sich an den Abend des 7. September des Vorjahres vor dem Jugendtreff. Der Angeklagte sei ihm aus „etlichen Einsätzen nur zu gut bekannt“. Der Polizist beschrieb den Heranwachsenden als „unzugänglich“, als jemanden, der Probleme mit Autoritäten habe. „Dass es aber so ausartet, kenne ich von ihm nicht.“

Der 18-Jährige genießt offenbar einen gewissen Status unter den vornehmlich jüngeren Gästen des Jugendtreffs. Eine Traube Jugendlicher um sich geschart, empfing er die Streife vor dem Eingang der Einrichtung. Er habe sich geweigert, den Jugendtreff trotz Hausverbots zu verlassen, berichtete der Polizist. Schließlich habe er sich auf einem Bürgersteig gegenüber positioniert und gelacht: „Von hier könnt ihr mich nicht vertreiben.“

Eine Kaskade von Schimpfwörtern ertragend, bemühten sich die Beamten, die Situation zu entspannen. Der 18-Jährige habe aber „richtig Stress gemacht“. Die Polizisten sind Beleidigungen aller möglichen Arten gewohnt. Dass sich der Angeklagte in ihrem Beisein dem nach Polizeiangaben überaus gut beleumundeten Sozialpädagogen zuwandte, ihn außergewöhnlich heftig beleidigte, ging den Uniformierten zu weit.

Der in Freising lebende, arbeits- und beschäftigungslose Angeklagte ist ein Scheidungskind. Die Eltern hetzten ihn gegeneinander auf, zwischenzeitlich landete er gar auf der Straße, bis die Mutter ihn aufnahm. Eine Ausbildung brach er ab, ist als Drogenkonsument bekannt. Seit 2015 erscheint er vor Gericht, ist mehrfach, darunter einschlägig wegen Hausfriedensbruch, vorbelastet. Ein Alkoholtest ergab einen Promillewert von 1,2.

Im Prozess entschuldigte er sich bei den Polizisten. Die Beleidigungen führt er auf seine Alkoholisierung zurück. An dem, was er dem Leiter des Jugendtreffs an den Kopf warf, hielt er aber fest. Versuche seinerseits, die Angelegenheit mit dem Sozialpädagogen zu besprechen, seien abgeblockt worden. Beim Prozess fehlte der Sozialarbeiter. Seinen Auftritt im Zeugenstand hatte er aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Gericht und Staatsanwaltschaft ging das Verhalten des 18-Jährigen eindeutig zu weit. Die Meinungsfreiheit, mit der der Angeklagte seine Beleidigungen begründete, stoße in der Ehre anderer Menschen an ihre Grenzen, rügte die Anklagevertreterin: „Und Sie sind wohl die letzte Person, sich über andere zu erheben.“ Im Übrigen habe der Leiter des Jugendtreffs das Recht auf seiner Seite, einen betrunkenen Heranwachsenden vor die Tür zu setzen. „Was sind Sie für ein Vorbild für andere Jugendliche?“ Die Staatsanwältin forderte vier Wochen Dauerarrest.

Richter Boris Schätz beließ es bei zwei Wochen, ließ den Angeklagten aber wissen, bei einem neuerlichen Auftritt dieser Art mit einem Prozess vor dem Jugendschöffengericht und einem wenigstens sechsmonatigen Freiheitsentzug rechnen zu müssen. Der Vorsitzende machte deutlich, es nicht zu schätzen, wenn Polizisten im Dienst verspottet würden. Gleiches gelte für Personen, „die ihr Hausrecht verteidigen“.

Andreas Sachse

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