Der Verstorbene Alois Graßl aus Haag.
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Fürsorglicher Familienmensch, begnadeter Handwerker und pflichtbewusster Kirchenpfleger: Alois Graßl (†) ist vor wenigen Tagen im Alter von 92 Jahren gestorben.

Gemeinde verliert engagierten Mitbürger

Nachruf auf Alois Graßl: Ein Haager, der nie die Hände in den Schoß gelegt hat

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Alois Graßls Tod ist ein herber Verlust - vor allem für seine Familie, aber auch die gesamte Gemeinde Haag, für die er sich zeitlebens eingesetzt hat. Ein Nachruf.

Haag – Arbeit, Kirchengemeinde, Sängerchor und mehr: Überall, wo sich Alois Graßl engagierte, tat er das mit Herzblut. Nun ist der Haager im Alter von 92 Jahren gestorben. Er hinterlässt eine große Lücke in seiner Familie – und viele Spuren in der Gemeinde.

Am 29. Dezember 1928 kam Alois Graßl als jüngstes von drei Kindern auf dem elterlichen Bauernhof in Plörnbach zur Welt. Er absolvierte die landwirtschaftliche Berufsschule in Haag und Moosburg und arbeitete zunächst auf den landwirtschaftlichen Betrieben seiner Schwester und seines Bruders. Später verwaltete er für kurze Zeit das Nebenlager der BayWa in Haag, bevor er Mitte der 1950er Jahre in München eine Ausbildung zum Schweißer begann. Ab 1957 arbeitete der Haager am Aufbau des Kraftwerks im Nachbarort Anglberg mit. Anschließend war er dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1988 als Schichtführer tätig.

Im Keller Geländer für die halbe Nachbarschaft geschmiedet

Neben seiner Arbeit hat er auch in seiner Freizeit nie die Hände in den Schoß gelegt. Sein großes Hobby war die Schmiedekunst. In seiner Werkstatt im Keller schmiedete er für die halbe Nachbarschaft eiserne Treppengeländer. Er gestaltete und stiftete das Kreuz auf dem Haager Friedhof an der Bergstraße, ebenso eine Weihnachtskrippe für die Pfarrkirche.

In der Kirchengemeinde war Alois Graßl ebenfalls aktiv: 15 Jahre war er der Kirchenpfleger in St. Laurentius. Parallel dazu engagierte er sich zehn Jahre lang als Hausmeister der Gemeinde und half auf sämtlichen kleinen und großen Baustellen mit, wie etwa beim Bau des Amperstegs im Jahr 1988, der die Gemeinde Haag seither mit Langenbach verbindet. An dieses und mehr Projekte erinnerte Bürgermeister Anton Geier im Trauergottesdienst. Alois Graßls letztes Projekt war der Feinschliff am selbst kreierten elektrisch betriebenen Giggerl-Grill, der noch im vergangenen Sommer beim Grillen mit der Familie zum Einsatz kam. Aber er war nicht nur handwerklich geschickt, sondern auch ein leidenschaftlicher Sänger: Über 20 Jahre war er Mitglied im Holledauer Jägerchor, wo er mitunter lange und enge Freundschaften geknüpft hat.

Die Familie war Alois Graßls ganzer Stolz

Seine Familie war Zeit seines Lebens das Wichtigste für Alois Graßl – vor allem seine Frau Ottilie, mit der er fast 63 Jahre verheiratet war und die ihn bis zuletzt liebevoll umsorgte. Für sie baute er bereits 1957 ein eigenes Haus oberhalb der Haager Pfarrkirche. Ein Jahr später, am 27. Mai 1958, gaben sich die beiden das Ja-Wort. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Brigitte, Maria und Alois schenkten ihren Eltern sieben Enkel und Urenkel Johannes. Sie waren Alois Graßls ganzer Stolz. Wenn alle zusammensaßen, wurde oft von früher gesprochen: von Haag und vom Ampertal, von der Zeit, als die Enkel noch klein waren, und von den vielen Reisen und Ausflügen, die Alois Graßl trotz Schichtarbeit gerne mit seiner Frau und den Kindern unternommen hat.

An seinem 90. Geburtstag, den er vor zwei Jahren im Gasthof Ampertal gefeiert hat, verriet Alois Graßl das Geheimnis eines solch langen und erfüllten Lebens: „Das ist etwas ganz Besonderes: Es ist Liebe.“ Und diese Liebe wird nun auch nach seinem Tod bestehen bleiben.

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