Noch vor ihrem Tod schrieb Traudl Bachmaier Briefe an Freunde, Kollegen und Familienmitglieder. foto: kn

Nachruf 

Die Entdeckerin

Haimhausen – Haimhausens große Hobbyarchäologin Traudl Bachmaier ist gestorben. Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb sie im Alter von 72 Jahren. Unvergessen werden ihre großen Spuren in der Heimatarchäologie bleiben – und ohne ihren unermüdlichen Einsatz würden noch immer zahlreiche Zeugnisse vergangener Zeiten verborgen im Erdreich ruhen.

Gemeinsam mit Dr. Manfred Moosauer entdeckte sie 1992 die bronzezeitliche Siedlung Bernstorf im Landkreis Freising. Als autodidaktische Grabungstechnikerin und mit ihrer in langjähriger Erfahrung erworbenen Sachkenntnis trug sie entscheidend zur Rettung der 3500 Jahre alten Siedlung vor der Zerstörung durch kommerziellen Kiesabbau bei. „Ohne die Traudl wäre das Projekt Bernstorf in dieser Form nicht möglich gewesen. Sie hat unzählige Stunden Arbeit und Fleiß hineingesteckt. Mit ihr verliere ich eine Weggefährtin, die in schlimmen und guten Zeiten loyal an meiner Seite stand“, trauert Dr. Manfred Moosauer um die unersetzliche Kollegin. Ihr großer Lebenswille hielt bis wenige Tage vor ihrem Tod.

Auf ihren Spaziergängen in der Umgebung von Haimhausen wurde Traudl Bachmair oft ganz unerwartet fündig. Eine ihrer ersten Entdeckungen war die etwa 2000 Jahre alte „Glockenbecher Pfeilspitze“. In enger Zusammenarbeit mit dem Kreisheimatpfleger inspizierte sie ihre Fundstücke nach der Reinigung und übergab sie den Museen. In den Amperauen entdeckte sie einen Mammutbackenzahn und das angeschwemmte Kniegelenk eines Wollnashorns. Letzteres dürfte ungefähr 10 000 Jahre alt sein. Besonders amüsierte sie der Fund von Austernmuschelschalen auf dem Pantaleonsberg in Kranzberg. „Den südländischen Feinschmeckern war damals offensichtlich keine Mühe zu groß. Sie füllten Salzwasser in Beutel und Fässer, um ihre delikaten Austern auch jenseits der Alpen genießen zu können“, erzählte sie vor sechs Jahren.

Die Eröffnung ihres Lebenswerks, das Bronzezeitmuseum auf dem Pantaleonsberg vor zwei Jahren, konnte sie noch miterleben. Für ein Buch, das zu Weihnachten erscheinen sollte, reichte ihre unglaubliche Kraft nicht mehr aus. Ihr unermüdlicher Blick in die Zukunft verlieh ihr die Kraft, sogar in diesen letzten Tagen noch Briefe an Familienmitglieder, Freunde und Kollegen zu verfassen, die sie nach ihrem Tod erhalten sollten. Auch bei Manfred Moosauer lag wenige Tage nachdem Traudl Bachmaier verstarb, ein solcher Brief im Briefkasten. „Traudl bedankte sich für die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit und lud uns zu ihrer Trauerfeier mit anschließendem Trauermahl ein.“ Erschüttert brach ihm fast die Stimme, als er vom Inhalt des Briefes sprach. Auf den Fluren rund um Haimhausen wird man die lebensfrohe Archäologin sehr vermissen. Stets war sie im Frühjahr und im Herbst auf den frisch umgepflügten Äckern unterwegs, oft begleitet von ihren geliebten Enkeln.

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