Nachruf auf Winfried Goerge: Freising verliert einen Meister

Freising – Er war ein Meister im Instrumentenbau: Mit dem Namen Winfried Goerge verband man klingende Namen wie Psalterium, Portativ (tragbare Orgel), Mandora, Drehleier oder andere Instrumente des ausgehenden Mittelalters. Im Alter von 79 Jahren ist der international anerkannte Orgelbaumeister jetzt gestorben.

Er hinterlässt seine Ehefrau Maria, die von allen liebevoll Erna genannt wird, sowie vier Töchter und deren Familien.

Für die Fachwelt ist der Tod des Instrumentenbauers ein herber Verlust, denn die Instrumente des ausgehenden Mittelalters, die unter seiner Hand entstanden, sind in der ganzen Welt begehrt. Bei Fachmessen, Ausstellungen und Kongressen referierte er vor Experten über seine praktischen Erfahrungen im Instrumentenbau. Er war ein gern gesehener Gast bei den „Tagen Alter Musik“ in Regenburg, Berlin, Wien und im belgischen Brügge.

Zu seinen Kunden zählten Musiker, Sammler, Museen, Musikhochschulen und Universitäten. Seine Liebe zum Musizieren war wohl schon mit in die Wiege gelegt worden. Im ostpreußischen Allenstein (Ermland-Masuren), wo er gemeinsam mit acht Geschwistern aufwuchs, war es die Mutter, die ihre Kinder an die Musik heran führte: Nach Feierabend nahm diese oft ihre Mandoline zur Hand und spielte. Doch die unbeschwerte Kindheit endete zu Beginn des Jahres 1945, als die Familie Goerge wie Millionen von Deutschen die Flucht vor der Roten Armee antreten musste.

Wie durch ein Wunder kam die große Familie – bis auf den Vater, der nicht mehr aus dem Krieg zurückkam – unversehrt in Freising an. Bei der Schwester der Mutter, einer Mallersdorfer Ordensschwester, die am Domberg wirkte, fand man zunächst eine neue Bleibe.

Seinen Berufswunsch, Architekt zu werden, ließen die damaligen Umstände nicht zu. So erlernte Winfried Goerge den Beruf des Zimmerers. Fachkenntnisse über die verschiedenen Hölzer hatte er also genug, als er Anfang der 60er Jahre begann, Instrumente nach alten Vorbildern zu rekonstruieren. Es waren die musizierenden Putten in den Kirchen, die in den Kirchen, die ihn zu den ersten Modellen anregten.

Die erste tragbare Orgel, für die er später Interessenten auf der ganzen Welt fand, habe er „auf dem Küchentisch“ gebaut, das hatte Goerge im Jahr 2011 in einem Interview gegenüber unserer Zeitung geäußert. Auch in Museen holte sich Goerge immer wieder Anregungen: Vom großen Schatz, den Maler und Künstler in Abbildungen alter Instrumente hinterlassen hatten. Als die Brüder Josef und Rudolf in den 1970er Jahren den Kleinen Kreis Freising gründeten, waren es die mittelalterlichen Instrumente aus seiner Werkstatt, die zum gemeinsamen Musizieren verwendet wurden.

Bald kamen Anfragen aus ganz Europa und auch aus Übersee. Die Instrumente, die Goerge in seiner Werkstatt an der Ziegelgasse, wo er seinen Handwerksbetrieb als anerkannter Orgelbaumeister unterhielt, fanden sogar in den USA und in Japan Abnehmer. Besonders stolz ist seine Familie darauf, dass eine seiner kleinen tragbaren Orgeln an der Universität von Lublijana in Slowenien im Fachbereich Gregorianik eingesetzt wird. Den Kulturanerkennungspreis des Landkreises Freising erhielt Winfried Goerge im Jahr 1997.

Maria Martin

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