„Naif?“ - originell und sehenswert

Eching - „Naif?“ hat der Günzenhauser WOSE seine Werkschau betitelt. Doch seine Bilder sind alles andere als als naive Kunst. Ihre wahre Intention offenbaren sie erst auf den zweiten Blick.

Auf den ersten Blick könnten die rund 30 plakativen Bilder in Acryl - allesamt im Format 60 auf 60 Zentimeter - des Günzenhauser Künstlers WOSE (Wolfgang Sell) durchaus als fröhlich-bunte, naive Kunst durchgehen. Aus der Distanz erkennt man farbenfrohe, kontrastreiche Motive, überwiegend Gebäude, Wohn- und Städtelandschaften. Sie erinnern an Illustrationen von Kinderbüchern. Die detailreichen Gemälde haben eine große Anziehungskraft.

Bei genauerer Betrachtung, wird klar, was der 65-Jähriger mit der eigenwilligen Schreibweise von „naif“ und dem Fragezeichen ansprechen will: Seine Bilder aus der jüngsten, zirka dreijährigen Schaffensperiode sind alles andere als harmonisch und harmlos. Sie sind listig-hintergründig, ja geradezu hinterlistig. Sie sind zum Teil eine Art cartoonistische Auseinandersetzung mit literarischen oder cineastischen Vorbildern - vom Shakespeare-Drama übers Grimmsche Märchen bis zum Hitchcock-Schocker. Bei WOSE wird Rapunzel im Bild „Rapunkel“ zum Punk. In der Balkon-Szene von Romeo und Julia mit dem Titel „Romeo must die“, lugt die Leiche des Liebhabers aus dem Müllcontainer hervor. Beim idyllischen Bauernhaus vorm alpenländischen Bergpanorama baumeln zwei Beine aus dem Apfelbaum heraus.

Zum großen Teil sind die Werke mit so bezeichnenden Titel wie „Asyl“ oder „Fokushihausen“ aber politisch oder gesellschaftskritisch motiviert. Sie zeigen das Banale und sind doch voller versteckter Hinweise auf das Böse und Bizarre. Zum Beispiel, was das Verhältnis von Arm und Reich betrifft oder den rücksichtslosen Umgang mit Behinderten oder der NaturSie lassen den Betrachter mit vielen Fragen zurück. Genau das macht den Reiz der Szenarien aus, das jedes für sich eine eigene skurrile oder hinterhältige kleine Geschichte erzählt.

Der Künstler selbst charakterisiert seinen Zyklus mit den Worten, er versuche, „der naiven Malerei ein wenig Spannung oder Hintergründigkeit beizubringen.“ Der Versuch ist trefflich gelungen und die Bilder sind in ihrer Originalität absolut betrachtenswert. (wu)

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