Veranstaltung in der Hopfenhalle

2. Nandlstädter Kultursymposium: Von Heimat und kultureller Identität

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Bereits zum zweiten Mal fand das Nandlstädter Kultursymposium statt – und es war hochkarätig besetzt.

Nandlstadt – Staatskanzleichef Florian Herrmann, MdB Erich Irlstorfer (beide CSU), Siegfried Schneider (Präsident der Landeszentrale für neue Medien), Elmar Walter (Volksmusikpfleger) und Norbert Göttler (Bezirksheimatpfleger) gaben sich ein Stelldichein – und sprachen über verschiedenste Themen.

Den Auftakt machte Herrmann: In seinem Vortrag betonte er, dass man Vereine so gut es gehe bei ihren Veranstaltungen unterstützen müsse. Denn: „Kultur schafft Identität“ – und da sei die Vereinsarbeit ganz wichtig. Mit wachsender Sorge blicke er auf Kultur, die im TV vermittelt wird: „Bei Sendungen wie DSDS wird das Bild des Einzelkämpfers gezeigt.“ Dabei sehne sich der Mensch nach Gemeinschaft – und in einer solchen könne man auch erfolgreich sein.

Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler schnitt dann erstmals das Thema „Heimat“ an. Der Begriff an sich habe sich nämlich im Verlauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte gewandelt. Früher, im 19. Jahrhundert, musste man beispielsweise das Heimatrecht haben, um überhaupt heiraten zu dürfen. Hintergrund sei eine Art Geburtenkontrolle gewesen. Man sei früher wohl davon ausgegangen, dass man so verhindern könnte, dass die ärmeren Schichten Kinder zeugten – so ganz ohne Hochzeit. Weit gefehlt, erklärte Göttler: Der Nachwuchs kam trotzdem. Heute bezeichne man damit den Ort, an dem man lebe, wo man sich wohlfühle. Es sei gar möglich, mehrere Heimaten zu haben – auch wenn der Duden den Plural gar nicht kennt, fügte Göttler mit einem Schmunzeln an. Für Erich Irlstorfer und Elmar Walter gehören da auch der Dialekt und die Musik dazu. Irlstorfer: „Auch wenn ich bundesweit unterwegs bin, bin ich im Herzen Bayer.“

Die Heimat als „ewigen Begriff“ bezeichnete MdB Johannes Huber (AfD), der im Publikum saß. Er fragte das Podium, ob es „die Entwicklungen der letzten Jahre gebraucht hat, um das Thema wieder für sich zu entdecken“? Darauf antwortete zunächst Siegfried Schneider, selbst ehemals Staatskanzleichef: „2008 wurde das Museum für bayerische Geschichte gegründet, 2013 das Ministerium für Heimat.“ Nachfolger Herrmann ging sogar noch ein paar Jahre weiter zurück: „Das Bewusstsein für Heimat ging eigentlich mit der WM 2006 wieder so richtig los.“ Damals haben sich die Leute wieder mit Fahnen ausgestattet, offen über die Nation gesprochen. „Mit der Flüchtlingskrise hat das gar nichts zu tun“, erklärte Herrmann.

Einen Rüffel gab es für die Staatsregierung allerdings noch von Elmar Walter und Norbert Göttler: „Die Schaffung der Ministerien wurde mit den Bezirken oder den Heimatpflegern nicht abgesprochen.“ Grundsätzlich befürworte man ja ein Ministerium für Heimat – „das läuft aber einfach noch nicht gut“, sagte Göttler. „Unsere Hauptkontakte sitzen im Kultus- oder Wissenschaftsministerium“, sagte Walter dazu. Man wünsche sich mehr Zusammenarbeit und bessere Absprachen. „Synergien nutzen“, war das Zauberwort der Heimatpfleger.  ahi

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