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Den Traum des Urgroßvaters wahr gemacht: Gewachsene Gastkultur im Huberhof in Airischwand

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Kreativ, weltoffen und in der Region verwurzelt – so präsentiert sich der Huberhof in Airischwand. Dahinter steht ein starkes Team mit (v. l.) Johann Selmayer jun., Bogdan Neagaie (Küchenhelfer) sowie Elfriede und Josef Selmayer sen.
Kreativ, weltoffen und in der Region verwurzelt – so präsentiert sich der Huberhof in Airischwand. Dahinter steht ein starkes Team mit (v. l.) Johann Selmayer jun., Bogdan Neagaie (Küchenhelfer) sowie Elfriede und Josef Selmayer sen. © Siegfried Martin

Seit 400 Jahren befindet sich der Huberhof in Airischwand im Besitz der Familie Selmayer. Es ist ein Traditionswirtshaus, das auf nachhaltiges Wirtschaften setzt.

Airischwand – Gewachsene Gastkultur und nachhaltiges Wirtschaften haben den Huberhof in Airischwand im Norden der Marktgemeinde Nandlstadt von jeher ausgezeichnet. Seit rund 400 Jahren befindet sich das Anwesen im Besitz der Familie Selmayer.

Schon der Urgroßvater wollte eine Wirtschaft

Der Grundstein für die Gastwirtschaft, wie sie sich heute präsentiert, wurde Ende des 19. Jahrhunderts gelegt. Die Geschichte, die in den Mauern des Huber-Hofes steckt, habe mit seinem Urgroßvater begonnen, erzählt Senior-Chef Josef Selmayer. Anno 1879 baute dieser ein neues Wohnhaus, das so ausgelegt war, dass es auch als Gastwirtschaft hätte genutzt werden können. „Meine Vorfahren waren Landwirte“, erzählt Selmayer. Sein Urgroßvater habe jedoch den Wunsch gehegt, eine Gastwirtschaft zu betreiben. Doch weil sich die Urgroßeltern scheinbar damals uneins waren – Walburga Selmayer, die Gattin seines Urgroßvaters Johann, habe diesbezüglich keine Ambitionen gezeigt – war der Gedanke einer Gastkultur im kleinen Weiler bei Nandlstadt zunächst im Keim erstickt worden. „Also blieb es erst einmal bei der Landwirtschaft“, erzählt der Urenkel. Knapp hundert Jahre später habe er den Traum seines Ahnen wahr gemacht, als sich seine Familie Anfang der 1990er Jahren dazu entschlossen hatte, die Bausubstanz des Hofes zu erhalten und das bestehende Wohnhaus einer Nutzungsänderung zur Gastwirtschaft zuzuführen.

Kutschen mit Hochzeitsgästen haben sich im Jahr 1900 vor dem Huberhof versammelt. Anlass war die Hochzeit der Urgroßeltern, Johann und Walburga Selmayer.
Kutschen mit Hochzeitsgästen haben sich im Jahr 1900 vor dem Huberhof versammelt. Anlass war die Hochzeit der Urgroßeltern, Johann und Walburga Selmayer. © Siegfried Martin

Direktvermarktung als weiteres Standbein

Es war die Zeit, als man für hundert Kilo Brotgetreide einen Preis von lediglich acht Mark erwirtschaften konnte, erinnert sich der 73-Jährige. Die Entwicklung in der Agrarpolitik sei damals in Richtung industrielle Landwirtschaft marschiert, die Bewirtschaftung der heimischen Böden ins Hintertreffen gelangt. „Dabei haben wir hier in die Region die besten Böden mit guten Erträgen“, meint Selmayer und schüttelt den Kopf. Die Flächen in der Region seien jedoch zu klein, um Gewinn zu erwirtschaften. „Die Erzeugerpreise waren zu niedrig. Da setzte bei mir ein Umdenken ein.“ Die Entscheidung, seine Produkte, insbesondere das Fleisch seiner Rinder, nicht mehr über den Großhandel zu vermarkten, sondern in eigener Regie, sei damals gefallen. Als einer der ersten im Landkreis Freising habe er die Direktvermarktung ab Hof als zusätzliches Standbein für die Landwirte für sich entdeckt.

Örtliche Vereine auf den Hof eingeladen

Zunächst sei das Fleisch von Höhenfleckvieh, später das feinfaserige von Limousin-Rindern aus eigener Zucht im Direktverkauf angeboten worden. „Der Bedarf war schon da“, erzählt der Landwirt. Und weil er selber auch immer gerne gekocht habe – „ich bin Landwirt und Hobbykoch“ – sei die Idee entstanden, die örtlichen Vereine zum Grillen und Feiern auf den Hof zu laden. Auch die Kunden, die sich bei ihm über die Direktvermarktung mit regionalen Produkten eindeckten, hätten nach und nach entdeckt, dass sich auf dem Huberhof gut feiern ließe. 1989 sei es gewesen, als man mit dem „Newcomerclub Freising“ die ersten Gäste aus der Großen Kreisstadt bewirten durfte. „Die wollten einen Bauernhof in der Region besichtigen“, erzählt der Seniorchef. Und weil es wohl allen gefallen habe, sei das alljährlich stattfindende Sommerfest der Gruppe auch in Airischwand gefeiert worden.

Erinnerungsfoto aus luftiger Höhe: Die Aufnahme zeigt den Huberhof in Airischwand im Jahr 1957.
Erinnerungsfoto aus luftiger Höhe: Die Aufnahme zeigt den Huberhof in Airischwand im Jahr 1957. © Siegfried Martin

Die Idee, das Wohnhaus in eine Gastwirtschaft umzubauen – so, wie sich das der Urgroßvater bereits gewünscht hatte – sei immer konkreter geworden. „1996 haben wird die Lizenz für das Gasthaus erhalten“, sagt Selmayer. Gaststube und Küche wurden mit viel Eigenleistung und Fingerspitzengefühl saniert. Die Originalität der Fassade wurde erhalten, für das Wohlbefinden der Gäste habe man Holz aus dem eigenen Wald verbaut – Grundvoraussetzung für ein heimeliges Gefühl während des Aufenthaltes.

Mit Sechs-Platten-Herd ging es einst los

„Angefangen haben wir mit einem Sechs-Platten-Herd und einer gebrauchten Spülmaschine“, erzählt Selmayer. Jedes Jahr sei ein Stück weiter ausgebaut worden. 2006 wurde ein Anbau fertiggestellt, der heute bei Feiern am Hof als Tanz- oder Event-Halle genutzt werden könne. Dem Qualitätsstandard, Produkte aus der Region anzubieten, sei man treu geblieben. Der hübsche Gastgarten, der heute zum Aushängeschild des Hofs geworden ist, sei „nach und nach“ errichtet worden. Alles unter der Regie meiner Frau Elfriede“, verrät der Senior-Chef stolz.

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Regional-internationale Küche biete heute sein Sohn an. Tief in der Region verwurzelt sei seine Küche, dabei aber auch kreativ und weltoffen, erzählt Koch und Küchenmeister Johannes Selmayer jun. Vor kurzem machte der 39-Jährige in den regionalen Medien auf sich aufmerksam. Mit HopSoy, einer Sojasauce aus der Hallertau, versetzt mit dem ureigensten Gewächs der Region, dem Hopfen, sei ein Produkt entstanden, das mittlerweile auch von Spitzenköchen getestet und für gut befunden worden sei, erzählt der Küchenmeister. Derzeit laufe eine Crowdfunding-Kampagne.

Die Mitarbeiter sind „das höchste Gut“

Dass sich der Huberhof zu einer gern frequentierten Anlaufstelle für Betriebs- und Familienfeiern sowie für Hochzeiten und Geburtstagfeste entwickelt habe, sei vor allem dem treuen Mitarbeiterstamm zu verdanken, lobt Johann Selmayer sen. Während der Pandemie habe die Personalsituation gelitten. Viele hätten sich ein anderes Standbein suchen müssen. „Unser höchste Gut sind die Mitarbeiter“, betonen Vater und Sohn unisono. „Sie sind maßgeblich am Erfolg unseres Gasthauses beteiligt.“
Maria Martin

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