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Fühlen sich zu Unrecht kritisiert: Jakob Hartl (l.) und Karl Ecker, die Bürgermeister aus Nandlstadt und Au in der Hallertau.

Stellungnahme aus Nandlstadt und Au

Bürgermeister kontern: „Eiskalt agierende Windrad-Investoren“

Es waren massive Vorwürfe, die die Planer der Windräder bei Großgründling an Verantwortliche in Nandlstadt und Au adressiert haben. Die dortigen Bürgermeister wehren sich nun gegen die Anschuldigungen.

Die Windrad-Pläne der Firma tetra r.e. bei Großgründling wurden jüngst von den Gemeinderäten in Nandlstadt und Au abgeschmettert. Die Planer der beiden Anlagen wandten sich daraufhin in einem Doppelinterview an die Öffentlichkeit - und erhoben massive Vorwürfe gegen die Verantwortlichen in den jeweiligen Gemeinden und die Gründer der Bürgerinitiative. Ihre Kernaussage: Die Windrad-Kritiker hätten sich „von den Fakten entfernt“. 

Das wollen nun die beiden 1. Bürgermeister, Jakob Hartl aus Nandlstadt und Karl Ecker aus Au, nicht unkommentiert auf sich sitzen lassen. Sie haben sich mit einer Stellungnahme ebenfalls an unsere Zeitung gewandt. Hier lesen Sie die Zeilen im Wortlaut:

„Lassen uns nicht auf diese Art und Weise abkanzeln“

„Es ist eigentlich nicht unsere Art, kommunalpolitische Angelegenheiten über Leserbriefe zu kommunizieren, doch das Interview der Windkraftplaner und deren persönliche Angriffe sowie zahlreiche Leserbriefe auswärtiger Schreiber in der Presse lassen uns hiervon abweichen. Wie schon bei der jahrelangen Diskussion über die Realschule Au werden uns Sachen unterstellt, die jeder Grundlage entbehren. Wir lassen uns auf diese Art und Weise nicht abkanzeln.

Es ist schon interessant, mit welcher Kaltschnäuzigkeit sich die Antragsteller zweier riesiger Windkraftanlagen über die berechtigten Einwendungen der Menschen im Umfeld dieser gigantischen Industriebauten hinwegsetzen und alles bis ins Lächerliche ziehen.

„Grenze zur Erpressung längst überschritten“

Hier handeln eben keine Weltretter, sondern eiskalt agierende Investoren. Die Vorwürfe an die Bürgermeister und Gemeinderäte unserer Märkte, die die Belange ihrer Bürger und ihrer Heimat vertreten, verbunden mit Drohungen, keine Bürgerbeteiligung mehr anzubieten und eine weitere Zusammenarbeit, falls die Anlagen gebaut werden könnten, auszuschließen, hat die Grenze zur Erpressung längst überschritten.

Interessant ist auch, dass Leserbriefschreiber unter anderem aus Freising und Moosburg diese Anlagen zwischen Nandlstadt und Au als enorm wichtig für die Energiewende und gegen den Klimawandel sehen und die berechtigten Bedenken gegen deren Auswirkungen auf Mensch und Tier, auf Natur und Landschaftsbild verharmlosen und als nicht beeinträchtigend darstellen. Warum setzen Sie, verehrte Leserbriefschreiber, sich dann nicht dafür ein, dass in Ihrer Stadt, in Ihrer Gemeinde Ihr Strom mit Ihren eigenen Anlagen erzeugt wird?

„Unser gutes Recht, einen mit der Materie vertrauten Fachanwalt einzuschalten“

Wir, die unterzeichnenden Bürgermeister, sind keine Windkraftgegner – wir halten aber die Standorte der geplanten Anlagen für völlig falsch. Während die gesetzliche Regelung 10H vorgibt, sollen diese Bauwerke in weniger als 700 Metern zu umliegenden Wohnbebauungen errichtet werden (10H würde in diesen Fällen einen Abstand von 1990 Metern bedeuten). Wir fordern für unsere Gemeinden lediglich die Gleichbehandlung. Ein Vorbescheid, gegen den der Markt Nandlstadt schon damals geklagt hatte, in dem weder die Belange Mensch, Natur, Lärm noch andere Emissionen und vieles mehr geprüft wurden und der erlassen wurde, als bereits festgestanden ist, dass eine 10H-Regelung unmittelbar bevorstand, kann keine Basis für diese Mammutanlagen sein.

Es ist doch das gute Recht, ja die Pflicht betroffener Kommunen, eine genaue rechtliche Prüfung vorzunehmen. Dass wir hierzu einen Rechtsbeistand hinzugezogen haben, war zwingend notwendig. Dazu nimmt man keine Verkehrsrechtler oder Privatrechtsjuristen, sondern einen mit der Materie vertrauten Fachanwalt.

„Angriffe auf Bürgerinitiative sind befremdlich“

Die Angriffe auf die Bürgerinitiative in dieser Form sind befremdlich. Das demokratische Recht, sich als BI zusammenzuschließen und den Betroffenen eine Stimme zu geben, hat unsere Unterstützung. Die Verantwortlichen der BI haben vom ersten Tag an offen und konstruktiv mit uns gesprochen. Wenn einzelne Diskussionsbeiträge von Besuchern einer großen Veranstaltung nicht allen gefallen können, trägt die BI hierfür nicht die Verantwortung. Es besteht Meinungsfreiheit, Wortmeldungen werden nicht zensiert.

So wie die Antragsteller an ihrem Vorhaben festhalten, halten sich auch unsere Marktgemeinden den Rechtsweg offen. Das ist legitim und im Interesse unserer Bürger.

Wir lassen uns von niemandem verbieten, die Interessen unserer Märkte und ihrer Bewohner zu vertreten und auf Grundlage von Fakten klar Stellung zu nehmen.“

- gezeichnet Jakob Hartl, 1. Bürgermeister Nandlstadt, und Karl Ecker, 1. Bürgermeister Au/Hallertau

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