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Zufrieden dürften die über 150 Besucher von der Nandlstädter Marktratssitzung nach Hause gegangen sein: Das Gremium sprach sich unisono gegen die geplante Windkraftanlage aus.

Geplante Anlage bei Großgründling

Einstimmiges Nein: Nandlstadt schmettert Windrad-Pläne ab

Der Nandlstädter Gemeinderat hat einstimmig die Windrad-Pläne für Großgründling abgelehnt. Die Betreiberfirma spricht derweil von tendenziösen und manipulativen Vorgängen.

Nandlstadt – Einstimmig fiel der Beschluss des Marktrats gegen die Errichtung von zwei Windkraftanlagen, die die Firma tetra r.e. bei Großgründling im Gemeindegebiet von Nandlstadt errichten möchte. Was Bürgermeister Jakob Hartl so gar nicht erwartet hatte: Auch Grünen-Marktrat Erhard Schönegge fügte sich der Mehrheit im Gremium. Er sei zwar immer noch der Meinung, dass eine Windkraftanlage mit Bürgerbeteiligung Vorteile für den Bürger bringen könne, allerdings sei es ihm wichtig, die Dialogfähigkeit mit dem Bürger aufrecht zu erhalten.

Beifall brandete auf in der mit mehr als 150 besorgten Bürgern besetzten Schulturnhalle, nachdem bei der außerordentlichen öffentlichen Marktratsitzung das Einvernehmen einstimmig verweigert worden war. Bürgermeister Jakob Hartl zeigte sich ob der Geschlossenheit im Gremium mehr als erleichtert. Sollte das Landratsamt als übergeordnete Behörde nun dem Vorhaben gegenüber trotzdem wohlgesonnen sein, so werde man im Marktrat wohl den Weg einer Klage einschlagen.

Feuerwehr: „Brandschutz nicht gewährleistet“

Alle Argumente, die rechtlich nur die Ablehnung des Einvernehmens zuließen, las Hartl im Vorfeld des Beschlusses noch einmal dezidiert vor. Im Kartierbericht, den der Antragssteller der unteren Naturschutzbehörde im Freisinger Landratsamt vorgelegt habe, gebe es Mängel. Das Gutachten halte sich in seiner Methodik nicht an die Vorgaben des Windenergieerlasses 2016. Darin würden Beobachtungszeiten für besonders schützenswerte Vogelarten von insgesamt 216 Stunden vorgegeben, die nicht erfüllt worden seien. Hartl sprach von einem erheblichen Erfassungsdefizit.

Das von der Betreiberfirma vorgelegte Schallgutachten sei nicht verwertbar. Außerdem sei der genehmigte Vorbescheid zugunsten des Betreibers erlassen worden, als eine Änderung der Rechtslage bereits abzusehen war (wir berichteten mehrfach). Der Marktgemeinde lägen keine Unterlagen zum Thema Richtfunkstrecken, Belange der Flugsicherung und des Militärs vor. 

Pikant: Auf seine Anfrage hin sei in einer Stellungnahme der Bundeswehr mitgeteilt worden, dass die beiden Windkraftanlagen im Bereich einer Tiefflugstrecke lägen, berichtete Hartl. Die Feuerwehr habe darauf hingewiesen, dass der Brandschutz nicht gewährleistet werden könne. Stellungnahmen der Denkmalschutzbehörden, der Wasserbehörden und der zu beteiligenden Umwelt- und Naturschutzverbände fehlten zudem.

Wagensonner: „Energiewende ja – aber nicht zu jedem Preis“

Der Schutz der Bürger habe oberste Priorität, begründete der CSU-Sprecher Franz Mayer die Ablehnung seiner Fraktion. Außerdem enthielten die Antragsunterlagen viele Unklarheiten, die nochmaliger Prüfung bedürften. Auch die Bürgerliste stimme einstimmig dagegen, informierte deren Sprecher Michael Schranner. „Energiewende ja, aber nicht zu jedem Preis“, ließ UWN Sprecher Michael Wagensonner verlauten. Der Bürger müsse bei Entscheidungen mit ins Boot genommen werden. Außerdem müssten die in der 10-H-Regelung festgelegten Abstände eingehalten werden.

„Tendenziös und manipulativ“: Antragsteller reagiert verärgert auf Beschluss

„Tendenziös und manipulativ“: Die Betreiberfirma tetra r.e., die die beiden Windräder auf dem bei Großgründling im Gemeindegebiet von Nandlstadt errichten möchte, zeigt sich nach dem Marktratsbeschluss verärgert. „Was da an Informationspolitik läuft, ist erschreckend“, sagt Stefan Schinko, einer der vier Geschäftsführer der Firma, auf FT-Nachfrage. 

Seiner Meinung nach sei durch die Fragebogen-Aktion von Bürgermeister Jakob Hartl (wir haben berichtet) ein „Stimmungsbild“ kreiert worden. Damit sei manipulativ auf die Teilnehmer der Befragung und die Bürger eingewirkt worden. Der Bürger habe sich kein neutrales Bild machen können. Auch seien die von Hartl im Beschlussvorschlag vorgebrachten Punkte teilweise nicht richtig. Man werde den Bauantrag in jedem Fall aufrechterhalten und weiterverfolgen, kündigte Schinko an.

Maria Martin

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