Bürger sowie Markträte und Gemeindevertreter bei einem Infoabend im Feuerwehrhaus Baumgarten.
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Interessiert lauschten die Baumgartener Bürger sowie Markträte und Gemeindevertreter den Ausführungen.

Verantwortliche stehen Rede und Antwort

„Es sind Ängste da“: Großer Andrang beim Infoabend zu geplanter Mädchen-Wohngruppe in Baumgarten

  • Andrea Hermann
    VonAndrea Hermann
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Die Therapeutische Mädchen-Wohngruppe, die in Baumgarten entstehen soll, ruft im Dorf gemischte Gefühle hervor. Ein Infoabend war nun entsprechend gut besucht.

Baumgarten – „Es sind Ängste da“, weiß Nandlstadts Bürgermeister Gerhard Betz. „Aber auch Unwissenheit und Unsicherheit.“ Deshalb hat die Gemeinde am Dienstagabend ins Feuerwehrhaus in Baumgarten eingeladen, um den Bürgern die Möglichkeit zu geben, ihre Bedenken und Fragen direkt an Silke Wozniak zu richten, die in unmittelbarer Nachbarschaft eine Therapeutische Mädchen-Wohngruppe errichten möchte.

Konkret hat die Initiatorin an der Unteren Dorfstraße zwei Einfamilienhäuser angemietet: In einem sollen die Verwaltungs- und Besprechungszimmer untergebracht, in dem anderen maximal vier Mädchen rund um die Uhr betreut werden. Unterstützt wird die Mädchen-Wohngruppe vom Jugendamt. Dessen Leiterin Arabella Gittler-Reichel war am Dienstag ebenfalls nach Baumgarten gekommen und betonte, dass es sich bei dem Vorhaben um eine „wichtige, notwendige und sinnvolle Einrichtung handelt, die wir im Landkreis brauchen.“ Daran hatte wohl auch keiner Zweifel. Wohl aber gab es Vorbehalte gegenüber dem Projekt. Deshalb stellten die Baumgartner alle Fragen, die ihnen auf dem Herzen lagen.

Standen Rede und Antwort: (v. l.) Silke Wozniak, Arabella Gittler-Reichel und Gerhard Betz.

Große Befürchtungen haben etwa einige Anwohner, dass aus der geplanten Wohngruppe mit vier Mädchen in ein paar Jahren ein großes Wohnheim werden könnte. Hier winkte Wozniak vehement ab: Es würden nur vier Mädchen nach Baumgarten kommen – „mehr kann ich nicht betreuen.“

Keine kriminellen Mädchen in der Unterkunft

Auch die Frage, welche Probleme die Mädchen hätten, drängten einige Anwohner, schließlich würde man in Baumgarten in einer „superheilen Welt leben“, wie ein Anwohner erklärte. Und eine Bürgerin hakte konkret nach: „Sind es Kriminelle, die kurz vorm Jugendknast stehen?“ Das, so versicherte Wozniak, sei nicht der Fall. „Kriminell sind sie nicht.“ Vom Problemfeld her „ist von einer Essstörung bis hin zum Trauma alles dabei.“ Nandlstadts Geschäftsführer Michael Reithmeier versuchte zu beruhigen: „Es sind Mädchen, die gerne einen heilen Familienalltag gehabt hätten“ – und ihn hier bekommen sollen.

Wozniak erklärte auf vielerlei Nachfragen, dass die Kinder hier im Durchschnitt zwischen zwei und vier Jahre ein zweites Zuhause finden sollen – und hier leben sollen, „wie jede andere Familie auch, die hier einziehen könnte“. Die Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren sollen ganz normal in ihre Schule gehen, Therapien besuchen und Freizeitangebote vor Ort wahrnehmen – stets begleitet von einem Betreuer.

Gemeinde hat keinen Einfluss auf Genehmigung

Auch die befürchtete Parkplatz-Problematik wolle man nicht aufkommen lassen, versprach Wozniak mit Blick auf sechs vorhandene Stellplätze. Und schön wäre es für sie, wenn die Mädchen ins Dorfleben integriert würden. „Wo soll das besser funktionieren als in Baumgarten?“, fragte Reithmeier in die Runde und lobte die „gute Dorfgemeinschaft“.

Ob man die von Wozniak beantragte Nutzungsänderung von Wohnbereich auf Gewerbe nicht befristen könnte, wollte eine Bürgerin wissen – um bei größeren Problemen reagieren zu können. „Sowas wird vom Landratsamt nicht befristet erteilt“, erklärte Reithmeier. Und Betz stellte klar: „Die Gemeinde hat darauf keinen Einfluss. Wenn der Gemeinderat dagegenstimmen würde, würde das Landratsamt die Genehmigung erteilen.“ Das wiederum brachte CSU-Marktrat Sebastian Unger aus Baumgarten auf den Plan: Er komme sich „verarscht vor, wenn das sowieso genehmigt wird“. Und ein anderer Bürger legte nach: „Warum sind wir dann überhaupt hier?“ Betz gab sich ruhig: um zu informieren, Vorurteile abzubauen und Ängste anzusprechen.

Thema beschäftigt erneut den Nandlstädter Marktrat

Nach gut einer Stunde waren alle Fragen gestellt. Und UWN-Marktrat Reinhard Krojer forderte die Anwesenden auf: „Man muss der Einrichtung eine Chance geben.“ Ob das auch der Marktrat tun wird, dürfte sich in der Sitzung am Donnerstag, 22. Juli, entscheiden.

Gleich mehrere Hallertauer Feuerwehren wurden am Dienstag zu einem Brand in einem Betrieb bei Rudelzhausen alarmiert. Die Kräfte konnten Schlimmeres verhindern.

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