Olympia hinter den Kulissen

Eurosport-Olympia-Chef Jochen Gundel aus Nandlstadt: So hat er die Spiele erlebt

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28 Tage lang Jochen Gundel aus Nandlstadt in Pyeongchang – und zwar mittendrin. Als Olympia-Chef bei Eurosport hatte er die Fäden für die deutsche Fernsehübertragung in der Hand. In der Zeit hat er kaum geschlafen, viele Promis getroffen und ein paar Anekdoten erlebt, von denen er beim Erzählen noch immer Gänsehaut bekommt. Ein Rückblick auf Olympia – aus allernächster Distanz.

Nandlstadt/Pyeongchang– Wenn Jochen Gundel (39) aus Nandlstadt an das Eishockey-Olympia-Finale zurückdenkt, läuft es ihm heute noch heiß und kalt über den Rücken. Nicht nur wegen des sportlichen Nervenkrimis. „Das war wirklich ein Drama“, sagt der Mann, der live im Stadion mitgefiebert hat. Doch dieses Endspiel der deutschen Nationalmannschaft hat ihm schon vorab ordentlich Nerven gekostet.

Am letzten Freitag von Olympia qualifiziert sich Deutschland überraschend für das Endspiel. 15 Tage Adrenalin pur liegen da schon hinter Jochen Gundel und seinem 74-köpfigen Fernsehteam. „Wir waren schon alle ziemlich am Anschlag“, erinnert er sich. „Ich dachte, es plätschert die letzten Tage so aus.“ Und dann das sportliche Wunder: Deutschland steht im Endspiel. „Ein Großteil des Fernseh-Teams war schon nach Hause geflogen, es stand ja nichts Großes mehr an.“ Gundel und seine in Südkorea verbliebenen Leute vollsbringen eine organisatorische Höchstleistung. „Ich hatte in der Eishockeyhalle ja nur eine Kommentatoren-Position gebucht. Für das eigene Team im Endspiel war das natürlich ein bisschen wenig.“ Gundel vor Ort und die Discovery-Teams der anderen Länder schließen sich kurz, jonglieren, verhandeln. Am Ende überlässt das Fernsehteam aus den Niederlanden ihren deutschen Kollegen eine weitere Kamera. Die Schweden überlassen ihr Experten-Studio dem Deutschen Fernsehteam für eine halbe Stunde und – einzigartig in der deutschen Olympiaberichterstattung – Gundel organisiert eine Ausnahmeerlaubnis, darf einen Reporter zwischen den Spielerbänken postieren, der via Split-Screen immer wieder live zugeschaltet wird. „Das gab es noch nie bei der Eishockey-Olympiade. Wir waren innovativ, unser Produkt war am Ende richtig geil!“, erzählt der Fernsehprofi voller Begeisterung.

Das Finale war der persönliche Goldmoment

Und dieses Finale war auch der ganz persönliche Goldmoment des 39-Jährigen. „Da war ich echt fertig“, sagt er. Normal sei er ja bei Sportevents nicht so emotional, gibt er zu. „Aber ich war schon 28 Tage im Einsatz, wir sind ja elf Tage vor Beginn der Spiel bereits angereist, um alles vorzubereiten.“ Jahrelang war Gundel bei Sky-Sports, hat viele sportliche Großereignisse hautnah miterlebt und in der Zeit „das Fansein etwas verloren“, wie er sagt. Aber bei diesem Spiel, gekoppelt mit all den emotionalen Momenten der Wochen davor und dem akuten Schlafmangel „konnte ich nicht mehr objektiv sein. Ich war einfach nur ein Fan und habe mitgefiebert, mitgejubelt – und am Ende mitgelitten.“ Auf die Frage, ob es denn auch mal Tränen gab während der olympischen Spiele, meinte er: „Höchstens mal aus Übermüdung.“

Gundel, der noch die Eindrücke der Sommerolympiade in Rio im Kopf hat, berichtet im Vergleich dazu von zufriedenen Athleten, von einer perfekten Organisation des Gastgebers. „Es war alles bis ins kleinste Detail durchgeplant.“

Straßenumfrage gestartet

Und weil man die politische Lage in Korea nicht ganz außen vor lassen wollte, hat Eurosport während der Olympischen Spiele eine Straßenumfrage gestartet. „Die Menschen haben diese zelebrierte Einigkeit, diese positive Darstellung der Lage, als reine Showmaßnahme empfunden, die sofort wieder zu Ende war, nachdem die Kameras der Welt nicht mehr auf Südkorea gerichtet waren.“ Land und Leute sind Jochen Gundel selbst während der vier Wochen verborgen geblieben. „Ich war da, um zu arbeiten: Wo schicken wir die Kameras hin, welche Zusatzthemen machen wir, Konferenzen, Mails beantworten, Teambetreuung, Absprache mit München, Koordinierung, Interviewpartner festlegen – da bleibt weder Zeit für die Spiele, noch für das Land.“

Ein Land, mit dem manche Journalisten eine ganz besondere Erfahrung gemacht haben: Während Gundel stolz auf seine Truppe, den tollen Zusammenhalt seiner 74-köpfigen Crew und den reibungslosen Ablauf ist, haben Kollegen aus anderen Ländern nicht nur Positives mitgenommen. In Korea sei es ein Verbrechen, einen anderen Menschen in der Öffentlichkeit anzuschreien. Bis zu drei Jahre Gefängnis drohen dem Täter. Bei Fernsehteams, in denen es nicht so harmonisch wie bei den Deutschen zuging, war für ein paar Journalisten Olympia vorbei, nachdem sie ihre schlechte Laune an Volunteers, freiwilligen Helfern aus Korea, ausgelassen hatten. „Die wurden wirklich nach Hause geschickt.“

„Du bist ständig auf Adrenalin“

Während dieser 28 Tage stand aber wohl jeder unter höchster Anspannung. „Du bist ständig auf Adrenalin.“ Und weil alles minutiös durchgeplant war, fiel der Kontakt zu seiner Familie recht karg aus. Jochen Gundel ließ seine Frau und seine beiden Söhne, einer vier Jahre, einer erst vier Monate alt, zurück in Nandlstadt. „Wir haben tatsächlich nur vier Mal gescypt. Der Zeitunterschied war einfach zu krass. Wenn ich um sieben aufgestanden bin, war es zuhause 23 Uhr. Und später war ich dann bis Mitternacht im Dauereinsatz.“ Wenn seine Frau ihm dann Videos von den Kleinen geschickt hat, sei das schon hart gewesen. „Und wenn du nach vier Wochen heimkommst, sind es halt andere Kinder – die sich zum Glück noch mit Knetmasse bestechen lassen“, sagt er und lacht.

Und weil nach den Spielen vor den Spielen ist, wird sich der Nandlstädter – nach einer mehrwöchigen Verschnaufpause – bald in Richtung Tokio aufmachen. Da ist er bei den olympischen Spielen in der gleichen Funktion wieder mit von der Partie. 2022 kommt Peking, 2024 folgt dann Paris. Das erste Treffen in Tokio steht bereits für Juli im Kalender. Dann macht er sich vor Ort einen ersten Überblick. Die nächsten Spiele gehen in die Planungsphase. Und der Nandlstädter ist wieder hautnah dabei.

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