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Heiß diskutiert haben (v. l.) Michael Stanglmaier, Thomas Neudert und Andreas Weideneder.

Windkraft: FDP bekommt bei Podiumsdiskussion in Nandlstadt starken Gegenwind

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Nandlstadt - „Windkraft – Fluch oder Segen für die Hallertau?“, fragte man bei einer FDP-Veranstaltung. Geht man nach der Resonanz am Mittwoch, ist die Antwort der Bürger klar: Fluch. Im Café La Villa zu Nandlstadt ging es auch mal laut zu.

„Irreführung! Schwindel! So ein Windrad ist eine Geldvernichtungsmaschine!“, schimpfte ein Zuhörer. Und er war mit seiner Ablehnung von Windrädern nicht allein bei der Podiumsdiskussion am Mittwoch in Nandlstadt, zu der die Kreis-FDP eingeladen hatte. Angesichts einer Mehrheit von Windrad-Skeptikern im Saal und eines Andreas Weideneder, der als Gründer der Bürgerinitiative Windkraftanlage Enghausen/Priel auf dem Podium saß, blies dem Grünen-Kommunalpolitiker Michael Stanglmaier, dem 3. Bürgermeister und Umweltreferenten von Moosburg, heftiger Gegenwind ins Gesicht. FDP-Bundestagskandidat Thomas Neudert saß dazwischen.

Die erste Frage, an der sich die Geister schieden, war die nach der Versorgungssicherheit: Während Stanglmaier betonte, Windkraft und Photovoltaik müssten weiter ausgebaut werden, weil die eine Energieversorgung die Schwächen der anderen ausgleiche, sagte Weideneder, die einfach nicht planbaren Schwankungen bei der Energieerzeugung mit Windkraft könnten durch Photovoltaik nicht ausgeglichen werden. Und wenn man wisse, dass das Windrad in Kammerberg (Gemeinde Fahrenzhausen) nur einen Wirkungsgrad von 12 bis 15 Prozent habe, dann sei das „eigentlich eine Energievernichtungsanlage“. Neuderts Credo: „Windkraft? In Maßen ja, in Massen nein.“

Er und die FDP forderten, dass erst einmal Schluss mit dem weiteren Ausbau regenerativer Energien sein müsse, bis die Probleme der Stromspeicherung und der Stromtrassen von Nord nach Süd gelöst seien. Genau das, so Stanglmaier, dürfe angesichts des Klimawandels nicht passieren. Das könne man auch nur fordern, wenn man den Klimawandel á la Trump für erfunden halte. Weideneder hielt dagegen: Trotz aller Anstrengungen in Deutschland sei der Kohlendioxidausstoß bisher kaum gesenkt worden.

Danach gab es einen Schwenk auf die lokale Ebene: Weideneder sagte, nicht nur in Gammelsdorf sei Windkraft jetzt ein Thema, auch in Nandlstadt tue sich was. Ihm sei zugetragen worden, dass die Gemeinde unbedingt ein Windrad haben wolle, man demnächst wohl mal bei den Bürgern die Akzeptanz abfrage. „Eine völlige Fehlinformation“, stellte der Nandlstädter Gemeinderat Erhard Schönegge klar: Die Gemeinde habe gegen einen Investor, der ein Windrad bauen will, geklagt, vor Gericht aber verloren. Die einzige Chance, die Windkraftanlage des Investors zu verhindern, sei wohl, dass man ein Bürger-Windrad errichte. Das sei aber alles kein Geheimnis, sondern längst öffentlich.

Besonders hoch schlugen die emotionalen Wellen beim Thema Windräder und Mensch. Stichwort: Infraschall. Stanglmaier sagte, Infraschall komme überall vor (auch beim Autofahren) und es gebe keine Energiegewinnung ohne Beeinträchtigung. Für Weideneder gleiche Deutschland einem „riesigen Freilandversuch“. Er, der „voll für regenerative Energien“ und eine durchdachte Energiewende sei, unterstütze die Forderung der FDP nach der 10 H-Regelung für ganz Deutschland.

Danach lief die Diskussion teilweise aus dem Ruder, es ging drunter und drüber, auch Moderator Franz Josef Bachhuber konnte sich bei den lauten Disputen nur noch schwer durchsetzen. Ein Bürger schimpfte, in der Hallertau würden für „reihenweise Windräder“ ständig überall Wälder gerodet, das hätten die Grünen jetzt von der Energiewende. Stanglmaier fragte, wie viele Hektar denn schon gerodet worden seien. Und er sagte, dass eben wegen der 10 H-Regelung in Bayern Windräder nur noch irgendwo in den Wäldern errichtet werden könnten. Einig wurde man sich an diesem Abend also nicht. Aber das war auch nicht zu erwarten.

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