Hopfendolden, die von der Gemeinen Spinnmilbe befallen wurden.
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So sieht es aus, wenn eine Hopfendolde von der Gemeinen Spinnmilbe befallen wurde.

Ortstermin im Hopfengarten

Forschungsprojekt in der Hallertau: Hopfen soll sich selbst gegen verbreiteten Schädling wehren

Hopfen-Forscher wollen die Pflanzen resistent gegen einen verbreiteten Schädling machen. Das Projekt könnte zum Segen für die Branche werden. Wir stellen es vor.

Nandlstadt – Der Biologe und Hopfen-Forscher Florian Weihrauch von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) will es jetzt wissen: Kann Hopfen womöglich einen pflanzeneigenen Schutz gegen die Gemeine Spinnmilbe aufbauen? Weihrauch ist davon jedenfalls fest überzeugt, auch wenn heuer wetterbedingt nicht unbedingt der Traumstart für dieses Experiment gegeben war.

Die rote Spinn‘, wie die Spinnmilbe in Bayern genannt wird, mag es nämlich vor allem trocken und sehr warm – also alles andere, was der Sommer dieses Jahr geboten hat. Das FT hat sich auf Spurensuche nach Kainrad nahe Nandlstadt begeben, um am Hof von Landwirt Anton Widmann über diese innovative Herangehensweise an ein altes Problem zu sprechen. Die Weihrauch-Methode, so viel steht fest, könnte bei Erfolg unter Umständen eine ganze Branche verändern. Der Versuch soll insgesamt fünf Jahre dauern.

Nachbesprechung: (v. l.) die studentische Hilfskraft Susanne Kaindl und Hopfenforscher Florian Weihrauch auf dem Feld von Pflanzer Anton Widmann.

Der Hopfen steht schon hoch, die ersten Betriebe fangen mit dem Zupfen an. In den vergangenen Tagen allerdings holte Weihrauch noch die letzten Proben vor der Ernte ein und war zweierlei gleichermaßen: enttäuscht und froh. Enttäuscht, weil er wieder mal keine Spur von der Spinnmilbe am Widmann-Hopfen hat finden können – aber natürlich auch froh für die Bauern der Gegend. Denn mit der roten Spinne ist nicht zu spaßen, weiß Weihrauch wie auch Widmann. Ganze Hopfengärten können durch den Befall „verbrennen“ – und ist die Spinne einmal da, ist guter Rat teuer.

Widmann gab Auskunft: Um den Schädling zu verhindern, wird im regulären Anbau im Schnitt ein Mal pro Jahr eine Pflanzenschutzbehandlung durchgeführt. Das aber, so Weihrauch, müsste nach seiner Theorie gar nicht sein – denn womöglich kann der Hopfen nach einer erstmaligen Infektion selbst Abwehr-Mechanismen entwickeln, oder anders gesagt: Wie es aktuell ausschaut, könnte die Pflanze gegen die Spinnmilbe resistent werden.

Nach einmaligem Befall deutlich geringere Schäden

Nach einem Befall, betonte Weihrauch, hätte sich in der Beobachtung gezeigt, dass in der darauffolgenden Saison ein weiterer Schaden deutlich geringer ausfalle. Dabei ist es nicht der Plan, dem Unheil mehr oder weniger zuzuschauen, sondern viel früher einzugreifen – nämlich im Gewächshaus. Jungpflanzen könnten zukünftig mit der roten Spinne in Kontakt gebracht werden, damit diese eine natürliche Abwehr bilden.

An einen großen Befall in seinen Hopfengärten kann sich Widmann zwar nicht erinnern, allerdings an kleinere Nester. Aber auch die seien halt ärgerlich. Aktuell gäbe es nur zwei Möglichkeiten: frühzeitig spritzen oder den Hopfen kaputtgehen lassen. Eine resistente Pflanze wäre für Widmann durchaus „genial“, auch deshalb hatte er nicht lange überlegt, an diesem Versuch teilzunehmen. Der Hopfengarten mit der Sorte Hallertauer Tradition ist seit Versuchsbeginn in zwei Parzellen eingeteilt: Bei der einen wird auf Akarizide als Spritzmittel verzichtet, bei der anderen eben nicht – für beide darf Widmann nur Fungizide verwenden, beispielsweise gegen Mehltau. Freilich, sagte Widmann, mehr Arbeit mache diese Trennung schon, allerdings seien dafür neue Erkenntnisse sein Lohn. Sollte es in den kommenden Jahren doch zu einem massiven Spinnmilben-Befall kommen, wird Widmann dafür vom LfL entschädigt werden.

Schädling ist im Vormarsch

Dass die rote Spinne im Vormarsch ist, dessen ist sich Weihrauch sicher, denn sie profitiere von zwei Umständen: dem Klimawandel mit häufigeren trockenen und heißen Tagen und dem politischen Bestreben, den Pflanzenschutz per se zu minimieren. Allerdings würde der Hopfenbauer heutzutage, so Weihrauch, eher kaum auf Pflanzenschutzmittel zugreifen. Früher sei das anders gewesen, da wurde „Zeug gespritzt, da stellt´s einem die Haare auf“, wie beispielsweise Arsen gegen Blattläuse. Anders schaut es da schon beispielsweise in den Hopfenanbaugebieten in Amerika aus, dort müsse wegen des Klimas vier bis fünf Mal pro Jahr chemisch eingegriffen werden.

Zusätzlich denkt Weihrauch auch über Nützlinge in der Sachlage Spinnmilben-Befall nach: Die Raubmilbe leistet hier einen erfahrungsmäßig sehr guten Dienst und wird beispielsweise auch im Weinbau eingesetzt. Außerdem setzt sich der Hopfenfachmann dafür ein, dass Sorten mit einer hohen Alpha-Säure eben nicht immer wie das Grüne Gold aus dem Bilderbuch ausschauen müssen. Der „Hardcore-Hopfenbauer“, betonte Weihrauch, sieht diese ganzen Neuerungen natürlich eher kritisch. Gerade die Jungen allerdings beurteilen eine neue Methode zur Schädlingsvermeidung durchaus positiv. „Da wächst eine neue Generation heran“, sagte Weihrauch.

Das Interesse an dem Forschungsprojekt ist groß

Dass Interesse herrsche, zeige auch, dass das Projekt alleine in der Hallertau in 26 Hopfengärten sowie in fünf Anbauflächen in Tettnang durchgeführt werde. „Wir sind schon weit gekommen und steter Tropfen höhlt den Stein“, sagte Weihrauch, der sich schon 30 Jahre lang mit dem Thema beschäftigt. Er ist überzeugt: „Wenn ich in Rente gehe, wird diese Methode ein fester Bestandteil im Hopfenanbau sein.“ Bis dahin aber müssen noch zahlreiche Proben genommen und ausgewertet werden.

Und dann schien beim Ortstermin plötzlich doch noch die rote Spinne im Widmann-Hopfen gesichtet worden zu sein: Die studentische Hilfskraft der LfL, Susanne Kaindl, drehte eine Probe in der Sonne – aber gab schnell Entwarnung. „Nur Sonnenbrand“, so die Diagnose in Kainrad. Kein Wunder, es war auch einer der wenigen strahlenden Sommertage, den sich Florian Weihrauch für eine Inspektion seiner Freilandflächen ausgesucht hatte. Während die LfL-Mitarbeiter die Hopfenproben eintüteten, war Landwirt Anton Widmann schon wieder auf dem Sprung, denn zwar war die rote Spinn´ nirgendwo zu sehen, dafür aber ein Haufen Arbeit.
Richard Lorenz

In der Hallertau beginnt die Ernte. Doch wie steht es um den Hopfen und auf welche Erträge kann die Branche hoffen? Der Pflanzerverband gibt Antworten. Außerdem lesenswert: Vom Hochwasser, das vergangenen Montag Teile der Hallertau heimsuchten, war auch die Gemeinde Rudelzhausen stark betroffen. Der Hochwasserschutz vor künftigen Ereignissen bleibt derweil kompliziert.

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