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„Soll richtige Show werden“: AuerVoices planen Doppelkonzert zum Jubiläum - Chorleiter blicken zurück

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Von: Armin Forster

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Chor AuerVoices bei einer Produktion
Die AuerVoices zeigen regelmäßig, wie ein Chor sein Publikum immer wieder überraschen kann. Sein zehnjähriges Bestehen feiert das Ensemble nun mit einem Doppelkonzert im Oktober. © Stephanie Budeus

Die AuerVoices feiern ihr Zehnjähriges mit einem Doppelkonzert. Worauf sich Besucher freuen dürfen und wie überhaupt alles anfing, erzählen die Chorleiter im Interview.

Hallertau – Von der Spontanidee zum preisgekrönten Profichor: Die AuerVoices feiern heuer ihr zehnjähriges Bestehen und blicken auf eine enorme Entwicklung zurück. Das Jubiläum wird mit einem großen Doppelkonzert zelebriert, das wieder völlig neue Maßstäbe setzen soll. Im Interview erzählen Chorleiter Thomas Hofstetter (32) und sein Bruder Stefan Hofstetter-Spona (31, Organisatorischer Leiter) von hemdsärmeligen Anfängen, den Eigenheiten des Ensembles – und sie verraten, wie man junge Leute bei der Stange hält.

Freisinger Tagblatt: Der große Auftritt rückt näher: Mitte Oktober steht das Doppelkonzert zum zehnjährigen Jubiläum an. Wie läuft der Vorverkauf?

Stefan Hofstetter-Spona: Es ist der beste, den wir je hatten! Aber zufrieden sind wir natürlich nie (lacht). Klar, es wäre schön, wenn alles sofort ausverkauft wäre. Ein paar Karten gibt es also schon noch.

Thomas Hofstetter und Stefan Hofstetter-Spona von AuerVoices
Musikalischer Leiter der AuerVoices ist Thomas Hofstetter (l.), sein Bruder Stefan Hofstetter-Spona kümmert sich um das Organisatorische. © privat

Nehmen Sie uns mit zu den Anfängen: Wie kam es zu den AuerVoices?

Thomas Hofstetter: Die Idee kam nach dem „Holledauer Fidel“ auf, einem bayerischen Singspiel, bei dem ich mitgemacht hatte. Danach sprach mich Hilde Seidl an, die Vorsitzende der Auer Liedertafel, und fragte, ob man den Kinderchor daraus nicht weiterführen könnte. Ich hatte keinen Plan, wie man einen Kinderchor leitet, hab’s aber versucht – und es ging schief. Er war schlecht besucht, und es gab auch bereits einen zweiten Kinderchor. Mein neuer Vorschlag an Hilde war dann ein Jugendchor.

Da lief’s besser?

Thomas Hofstetter: Ich hatte Glück: Zur ersten Probe im Musiksaal der ehemaligen Auer Hauptschule kamen gleich an die 20 Leute. Und die waren auch noch gut! Als erstes Lied haben wir „Don’t Stop Me Now“ von Queen gesungen (lacht).

So kam alles ins Rollen?

Thomas Hofstetter: Genau. Die Liedertafel hat uns dann beim Bestellen von Notenmaterial unterstützt, und ich hab’ mich an Arrangements versucht. Das erste Konzert fand schließlich 2013 im evangelischen Gemeindezentrum in Au statt.

Der Chor ist inzwischen eher eine Band.

Thomas Hofstetter

Beim Jubiläumskonzert werden Sie an den beiden Tagen vor bis zu 700 Leuten singen. Hätten Sie daran bei der Gründung vor zehn Jahren geglaubt?

Thomas Hofstetter: So, wie sich alles entwickelt hat, war’s am Anfang nicht geplant. Mein Ziel war es, einfach einen Chor für junge Leute zu gründen, die Spaß haben sollten. Ich wollte schon modernere Stücke singen. Aber parallel hab’ ich mich auch weitergebildet, was A-capella-Pop angeht. Gab es anfangs noch die klassische Begleitung aus Klavier, Schlagzeug oder auch mal Cello, ist der Chor inzwischen eher eine Band. Das kommt auch beim Publikum gut an.

Wie meinen Sie das?

Thomas Hofstetter: Die Stimmen stellen die Instrumente dar. Statt eines Schlagzeugs haben wir jetzt beispielsweise einen Beatboxer dabei.
Stefan Hofstetter-Spona: Die AuerVoices haben das Chordasein in den letzten Jahren moderner gemacht. Wir sind weg vom „Alle sitzen brav und lauschen dem Chor“. Die Distanz zum Publikum verschwindet. Wir sprechen auch mehr junge Leute an, weil wir etwa Hip-Hop-Stücke im Repertoire haben.

Es ist schon problematisch, wenn die Leute studieren und wegziehen.

Thomas Hofstetter

Ist es nicht herausfordernd, dass sich das Leben so junger Sänger noch ständig wandelt, und sich wegen neuer Interessen oder Wohnorte dann die Chorbesetzung ausdünnt?

Thomas Hofstetter: Es ist schon problematisch, wenn die Leute studieren und wegziehen. Dann ist es wichtig, dass man immer wieder Projekte hat, wo die Leute sagen: „Das ist cool, da will ich dabei sein und dafür nehm’ ich auch mal längere Strecken in Kauf.“ Wenn man sowas nicht hat, ist die Gefahr groß, dass sich die Leute im Studium denken: „Den Chor lass’ ich jetzt mal.“

Eines dieser Projekte war das Musical „Big“, für das Sie 2018 sehr gefeiert wurden. Wie kam es dazu?

Thomas Hofstetter: Ein paar von uns hatten beim Musical „Sister Act“ in Nandlstadt mitgemacht, und danach hieß es, dass Helmut Schranner erst mal kein Musical mehr machen will. Also kam die Frage auf, ob wir nicht eines starten. Wir haben uns dann von einem Musical-Verleih einige Stücke zuschicken lassen – und uns für „Big“ entschieden. Es war auf jeden Fall eine riesen Arbeit, die auf uns gewartet und die uns vor krasse Herausforderungen gestellt hat. Aber dadurch hat sich der Chor auch stark professionalisiert: weil es bessere Strukturen gebraucht hat. Obendrein wurden wir auch noch bekannter.
Stefan Hofstetter-Spona: „Big“ war wirklich ein riesen Erfolg. Aus den Einnahmen haben wir fast 30.000 Euro an wohltätige Einrichtungen gespendet. Und das Organisationsteam, das wir für das Musical eigens gegründet hatten, um den Berg an Arbeit zu bewältigen, gibt es seither auch im Chor. Weil sonst immer alles an Thomas hängen geblieben ist.

Die AuerVoices sind auch auf Social Media populär: Ihre Videoproduktionen wurden allein bei YouTube 64.000 Mal aufgerufen. Welchen Stellenwert hat das für Sie?

Thomas Hofstetter: Wir bekommen wahnsinnig viel positive Rückmeldungen auf unsere Videos. Viele schauen sich die an und sagen dann, dass sie selbst mitsingen wollen. Für einen Chor ist es schon schwierig, Nachwuchs zu gewinnen. Das läuft meist nur über Mundpropaganda. Wenn man sich mit solchen Videos präsentieren kann, dann zieht das noch mal ganz anders. Abgesehen davon sind es für uns auch super Projekte, an denen jeder Spaß hat. Wir arbeiten da mit redtec.productions zusammen, und es ist auch cool, bei einem so professionellen Videoprojekt dabei zu sein.

Stefan Hofstetter-Spona: Vor allem in der Corona-Zeit ohne Konzerte war das ein Projekt, wo man etwas herzeigen konnte. Es heißt ja oft: Applaus ist das Brot des Künstlers. Es ist schon wichtig für einen Chor und Musikverein, dass man die Rückmeldung vom Publikum bekommt und weiß, worauf man hinarbeitet. So viel Spaß das Singen allein auch macht: Es ist noch mal ein Stück geiler, wenn dir 400 Leute gegenüber sitzen und jubeln (lacht).

Den AuerVoices wurde der Kulturförderpreis des Landkreises verliehen, außerdem gab es vom BR das Siegel „Mit Abstand bester Chor“. Spüren Sie dadurch mehr Erwartungsdruck?

Thomas Hofstetter: Nein. Wir haben uns alle ziemlich gefreut, dass wir beachtet werden und Anerkennung erfahren. Das hat hauptsächlich zu einer Gruppendynamik geführt, dass die Leute voll Bock haben, weiterzumachen und noch professioneller zu werden. Es hat das Feuer im Chor weiter angefacht.

Wir sind ein Chor auf dem Land und konkurrieren mit solchen Dingen wie dem Fußballverein.

Stefan Hofstetter-Spona

Stefan Hofstetter-Spona: Mich persönlich hat’s vor allem für Thomas mega gefreut. Wir sind schließlich immer noch ein Chor auf dem Land und konkurrieren mit solchen Dingen wie dem Fußballverein. Wir müssen also einigen Aufwand betreiben, damit die Leute auch bei uns bleiben.

Am 1. Januar sind Sie unter die Fittiche des Musikvereins Nandlstadt geschlüpft. Sind Sie überhaupt noch ein Auer Chor?

Stefan Hofstetter-Spona: (lacht) Eine gemeine Frage! Wenn man zurückschaut, sind wir von Beginn an ein Chor aus der Hallertau und dem Landkreis Freising. Gleichzeitig identifizieren wir uns als AuerVoices, das ist unser Markenname. Der Schritt mit Nandlstadt war eine Zukunftsentscheidung vor dem Hintergrund, dass wir Probenräume brauchen. Vereine haben es heute schwer, jeder muss schauen, dass er weiterkommt. Wir haben uns zu dem Schritt entschlossen, aber als AuerVoices sehen wir uns deshalb immer noch.

Von woher kommen denn Ihre Mitglieder?

Stefan Hofstetter-Spona: Wir sind schon eher ein regionaler Chor. Die Auer und Nandlstädter sind in der Minderheit – und waren es von Anfang an. Viele stammen aus Orten wie Moosburg, Mainburg oder Wolnzach. Mittlerweile haben wir noch Leute aus München und Regensburg in unseren Reihen.
Thomas Hofstetter: Wir haben seit einem Jahr einen Beatboxer, der fährt jedes Mal eine Stunde zu den Proben rein.

Sie probieren gern Neues aus. Worauf dürfen sich die Besucher der Jubiläumskonzerte freuen?

Stefan Hofstetter-Spona: Wir wollen einfach zeigen, dass der Chor etwas Modernes ist, und dass so ein Konzert genauso viel Spaß macht, wie wenn man auf ein Pop- oder Rockkonzert geht. Wir arbeiten dieses Mal mit einer Einzelmikrofonierung: Da können wir richtig Gas geben, damit der Funke noch mehr aufs Publikum überspringt. Das Konzert soll zur richtigen Show werden.
Thomas Hofstetter: Ohne Einzelmikros sind die einzelnen Stimmen relativ leise, dann muss das Publikum richtig still sein, damit alles gut gehört wird. Mit unserer neuen Technik kann das Publikum jetzt auch richtig mitsingen – und es kann noch mehr Stimmung aufkommen.

Die Jubiläumskonzerte

„10 Jahre AuerVoices – Time to get lucky!“ werden am 15. Oktober um 19 Uhr und am 16. Oktober um 15 Uhr jeweils in der Hopfenhalle Nandlstadt stattfinden. Wie gewohnt, werden viele Musikrichtungen vertreten sein: von Coldplay bis Billie Eilish, von Nirvana bis Daft Punk ist alles dabei. Karten gibt’s für 15 (ermäßigt zehn) Euro im Marktladerl Nandlstadt und in der Sonnen-Apotheke Au, sowie online unter der Adresse musikverein-nandlstadt.de/time-to-get-lucky.

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