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Erhard Schönegge (stehend) nannte im Café La Villa konkrete Beispiele der Klimawandel-Auswirkungen.

Wahlkampfauftakt

„Bräuchten in jeder Gemeinde zwei bis vier Windräder“: GoL Nandlstadt plädiert für Energiewende

Die Grüne offene Liste Nandlstadt hat jetzt zum Wahlkampfauftakt geladen - und sich für die Stärkung von Wind- und Sonnenenergie stark gemacht.

Nandlstadt – Um die 40 Neugierige lockte der Wahlauftakt der Grünen offenen Liste (GoL) Nandlstadt am Freitag ins Café La Villa. Ohne Image-Film und Werbe-Utensilien präsentierten sich die Kandidaten unaufgeregt im Halbkreis. Dennoch gelang ihnen mit der Sympathie zu Windrädern ein Alleinstellungsmerkmal.

Das bekannteste Gesicht der Liste, Gemeinderat Erhard Schönegge, war nämlich überzeugt: „Wir bräuchten in jeder Gemeinde zwei bis vier Windräder“, um klimapolitisch eine Veränderung herbeiführen zu können. Ausgelöst durch eine Anmerkung des Gemeinderatsbewerbers Bernd Stöckeler über Energie-Effizienz kam das Windrad-Thema überhaupt erst zur Sprache, denn auch auf dem offiziellen Partei-Flyer ist davon nichts zu finden. Dennoch wurde von der GoL in der Diskussion bestätigt: Ja, man brauche Windkraftenergie in Nandlstadt.

Der ehemalige langjährige Gemeinderat Herbert Brandmeier (UWN) machte seinem Ärger aus den Zuhörerreihen Luft: „Die Regierung hat viel Blödsinn gemacht!“ Bei kleinen Gemeinden, so Brandmeier, würde man die Windräder viel zu nahe bauen wollen. Seine Erklärung: „Weil die glauben, wir sind alle blöd.“ Hingegen wollte der 2. Bürgermeister Jens-Uwe Klein (CSU) – ebenfalls Zuhörer – die Leitungsnetze zurückkaufen, um so verbilligten Windrad-Strom für die Nandlstädter möglich zu machen, falls es zum Bau kommen sollte.

Das sei, klärte der Grüne Landratskandidat Robert Wäger auf, zwar möglich, würde aber nicht allzu viel nutzen. Es würde ein Unternehmen gegründet und Netzdurchleitungsgebühren bezahlt werden müssen – der Strompreis bliebe für die Anwohner erstmal unverändert. Trotzdem, so Wäger, würden sich Sonne und Wind natürlich perfekt ergänzen – eine Stärkung von Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen sei unabdingbar. Auf jeden Fall, meinte Jens-Uwe Klein, sei der Zug für eine Bürgerbeteiligung an den Windrädern jetzt abgefahren – was besonders Schönegge ärgerte. Seit 2014 sei für ihn die Windkraft ein zentrales Thema, stark verknüpft an eine Bürgerenergie-Genossenschaft.

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Kritik aus dem Publikum mit einem Angebot gekontert

Aus dem Publikum kamen aber auch kritische Stimmen: Die Windräder würden Füchse und Dachse vertreiben und damit indirekt zu einer Rattenplage in den betroffenen Regionen führen. Neu waren solche Schreckensszenarien für Schönegge nicht. Sein Angebot, mit Interessierten eine Busfahrt zu Windkraft-Gemeinden zu organisieren, um genau solche Ängste vor Ort ausräumen zu können, wurde dankend angenommen. 

Ein weiteres großes Thema der GoL: der Umgang mit Senioren in der Gemeinde bezüglich Wohnsituation und Betreuung. „Wir sind alle gefragt, es gibt keine ewige Jugend“, betonte die Krankenschwester und Listenkandidatin Maria Gütlich. Sich weiterhin für die Kinderbetreuung und Schule stark machen möchte Daniela Prummer, während Tanja Conrad auch auf den „inneren Klimawandel“ setzt. Conrad, die „grün ist, seit sie denken kann“, möchte viel mehr in Nandlstadt „netzwerken“ und sich auch für Permagärten einsetzen.

In eindringlichen Worten beschrieb dann Erhard Schönegge den Klimawandel am eigenen Leib: Seit seiner Lehrzeit als Gärtner habe sich die Pflanzmöglichkeit von beispielsweise Salat um drei Wochen nach hinten verschoben. Diese dramatischen Veränderungen, so sagte Schönegge, würden ihn antreiben.

Einen werbestrategischen Rat gab der jungen Liste zum Schluss noch Herbert Brandmeier auf den Weg: „So kommt ihr nicht weit. Ihr müsst in die Ortsteile gehen und sagen, was ihr vorhabt.“ Sonst, so Brandmeier, werde das nichts.

Richard Lorenz

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