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Krätze-Fall löst Attest-Welle aus

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Freising - Immer wieder gibt es auch im Landkreis Freising Fälle von Krätze. Jüngst hat es ein Kind im Korbinian-Kindergarten Nandlstadt getroffen. Das Gesundheitsamt ist sofort tätig geworden.

Panik ist nicht angebracht, auch wenn mancher innerlich allein bei dem Wort „Krätze“ vielleicht zusammenzucken mag. „Es ist keine bedrohliche Erkrankung – aber eine sehr lästige“, betont der Chef des Gesundheitsamts Freising, Dr. Lorenz Weigl . Auf FT-Nachfrage bestätigte er: Ja, es hat einen Fall von Krätze am Nandlstädter Kindergarten gegeben. Und ja, diese Krankheit ist meldepflichtig, sobald sie in einer öffentlichen Einrichtung bekannt wird. Gefährlich sei sie jedoch nicht. „Bei uns gibt es Krätze im Vergleich zu anderen Ländern sehr selten“, erklärt Weigl.

Doch die Hauterkrankung sei beispielsweise bei den gesundheitlichen Erstuntersuchungen von Asylbewerbern häufiger festgestellt worden. Ein paar Fälle mehr gebe es also durch die Migrationsbewegungen schon. „Zum Tagesgeschäft gehört Krätze für das Gesundheitsamt jedoch nach wie vor nicht – anders als der Norovirus beispielsweise.“ Details zu dem Fall in Nandlstadt konnte Dr. Lorenz Weigl aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht natürlich nicht sagen. Aber der Mediziner betont, das Krätze auch in Deutschland nie ganz ausgerottet war. Nachdem die Kindergartenleitung am 6. Dezember diesen einen Fall sofort dem Gesundheitsamt gemeldet hatte, gab die Behörde umgehend ein Merkblatt für sämtliche Eltern heraus. In einem zweiten Schritt wurde der Kindergartenleitung ein von der Fachbehörde vorformulierter Brief für die Eltern übergeben. „Im Kindergarten herrscht natürlich eine ganz spezielle Situation“, sagt Dr. Weigl . Krätze wird durch engen körperlichen Kontakt übertragen. Weigl : „Die Betonung liegt wirklich auf engen!“ Während also bei einem Fall von Krätze an einem Gymnasium in der zwölften Klasse der Kreis der Betroffenen in der Regel auf wenige Mitschüler eingegrenzt werden kann, ist es bei Kindern in diesem Alter was anderes. „Kleine Kinder balgen und kuscheln gerne miteinander“, erklärt der Fachmann. Deshalb sei an Kindergärten der Kreis derer, die sich womöglich angesteckt haben, wesentlich größer. „Um etwas in der Hand zu haben, hab ich alle Eltern aus der Gruppe darum gebeten, mit ihren Kindern einen Arzt aufzusuchen und ein Attest vorzulegen, dass keine Krätzeerkrankung vorliegt“, berichtet indes Kindergartenleiterin Ina Beckert. Und bis Montag waren bereits fast alle der 25 Eltern dieser Bitte nachgekommen. Das Ergebnis: Alle sind gesund.

Weigl empfiehlt, alle Mädchen und Buben, die engen Kontakt zu dem erkrankten Kind hatten, prophylaktisch mit der entsprechenden Salbe zu behandeln „um weitere Erkrankungen zu verhindern“. Denn zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der Krätze-üblichen Symptome könnten bis zu sechs Wochen liegen. Im Kindergarten herrscht nun der Verdacht, dass bereits im Sommer ein Kind an Krätze erkrankt war. „Es gibt viele Hauterkankungen , die ähnlich aussehen“, erklärt Weigl . Da damals keine Meldung beim Gesundheitsamt eingegangen sei, könne nun, Monate später, nicht gesagt werden, ob es wirklich Krätze war. Im Kindergarten ist nun, zwei Wochen nachdem der Fall bekannt wurde, jeder wieder zur Tagesordnung übergegangen. Auch das erkrankte Kind ist längst wieder zurück in der Einrichtung.

Gut zu wissen


- Die sichtbaren Hautveränderungen finden sich vor allem in den Fingerzwischenräumen, am inneren Handgelenk, um die Brustwarzen herum und – bei Säuglingen und Kleinkindern – auch an Fußsohlen oder Handflächen.

- Im Gesicht treten Hautveränderungen nur ausnahmsweise bei Kleinkindern auf, bei älteren Kindern oder Erwachsenen nicht. Es handelt sich um kommaförmige, weißliche Schuppenlinien, die teilweise gerötet sind. Charakteristisch ist der starke Juckreiz vor allem bei Bettwärme.

- Die Behandlung erfolgt mit einer speziellen Salbe, die man vom Kinn abwärts bis zu den Zehen aufträgt und nach acht Stunden abduscht. Danach ist eine verstärkte Hautpflege angebracht, weil die Haut austrocknet.

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