Drama im Hambacher Forst: Journalist stirbt bei Sturz aus großer Höhe

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Von den jüngsten Windkraftplänen einer Firma zeigte sich Nandlstadts Bürgermeister Jakob Hartl entsetzt: „Die Monster sollen 199 Meter hoch werden.“

Bürgerversammlung Nandlstadt

Kritik an Windkraft-Plänen: „Ein Wahnsinn für unseren Bereich“

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Die Themen waren breit gefächert, das Zahlenmaterial umfangreich: Nandlstadts Marktoberhaupt Jakob Hartl blieb bei der Bürgerversammlung, so schien es, keine Information schuldig. Vor allem beim Thema Windkraftanlage horchten die knapp 50 Besucher auf.

Nandlstadt – Etwa eine Stunde des rund 80-minütigen Rechenschaftsberichts war am Donnerstagabend rum, da ließ ein Thema in der Nandlstädter Schulaula die Besucher aufhorchen: Die Firma tetra r.e. mit Sitz in Landsberg am Lech habe, so berichtete Bürgermeister Jakob Hartl, den genehmigten Vorbescheid für eine Windkraftanlage bei Großgründling von der Firma Landsiedlung gekauft und mittlerweile einen Antrag auf Baugenehmigung gestellt. 

Die Marktgemeinde, die einst gegen den Vorbescheid bis vor den Verwaltungsgerichtshof gezogen sei, habe damals nur einen Teilerfolg erzielen können. Nun also steht das Thema wieder auf der Agenda. Mehr noch: Es soll nicht nur eine Anlage gebaut werden, sondern zwei. „Die Monster sollen 199 Meter hoch werden – das ist ein Wahnsinn für unseren Bereich. Das erschlägt uns“, zeigte sich Hartl entsetzt. Er kündigte an: „Wir werden den Antrag, wenn wir ihn übers Landratsamt bekommen, prüfen und behandeln – und dann so vorgehen, wie wir es beim Vorbescheid auch gemacht haben. Wir werden alle Rechtsmittel ausschöpfen.“

Die rote Laterne ist der Markt los

Nicht weniger interessant waren die Zahlen, die der Bürgermeister mitgebracht hatte. Etwa die, die den Haushalt mit einem Volumen von rund 13,75 Millionen Euro (Verwaltungshaushalt: 7,9 Millionen Euro, Vermögenshaushalt: 5,8 Millionen Euro) betreffen: Erfreulich sei, dass man auf der Einnahmen-Seite knapp drei Millionen Euro an Einkommenssteuer verzeichnen könne – „das ist der höchste Stand, den wir jemals hatten“, zeigte sich Hartl erfreut. Eine „ganz tolle Sache“ seien auch die Gewerbesteuer-Einnahmen: Von einst geschätzten 510.000 Euro hätte man heuer über 750 000 Euro erhalten. Im Landkreis stehe man nun nicht mehr an letzter Stelle, freute sich Hartl.

Die Schulden beliefen sich Anfang des Jahres auf 1.711.000 Euro, was vor allem dem Turnhallen-Bau und der Kläranlagen-Sanierung geschuldet sei. 243 000 Euro konnten heuer getilgt werden, so dass man aktuell bei 1 448.000 Euro liege. Die Pro-Kopf-Verschuldung beläuft sich zum Jahresende auf 288 Euro. An Rücklagen hat die Gemeinde rund 2,4 Millionen Euro.

Eine halbe Million Euro für die Kinderbetreuung

Ein besonderes Augenmerk legte der Bürgermeister auf die Kindergärten in der Gemeinde. Mit 105 Mädchen und Buben in sechs Gruppen sei der Johannes-Kindergarten voll, mit 43 Kindergarten- und 33 Krippen-Kindern in fünf Gruppen auch der Korbinian-Kindergarten ausgebucht. Deshalb müsse die Gemeinde erweitern: Für eine weitere Gruppe werden im Johannes-Kindergarten 530.000 Euro investiert, so Hartl, im Korbinian-Kindergarten 480.000 Euro, wobei mit hohen Fördergeldern zu rechnen sei.

„Die räumlichen Voraussetzungen sind nicht unser Problem“, führte Hartl aus. „Da kommen wir nach.“ Was schwierig sei, „ist gutes Personal zu finden“. Heuer habe die Kommune allein rund 32.000 Euro für Inserate ausgegeben, um Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen anzuwerben. Eine Zahl, die ein leises Raunen auslöste. Ebenso die Tatsache, dass die Gemeinde mit 99 Angestellten als größter Arbeitgeber im Markt eine Personalkostensteigerung um 252.000 Euro auf aktuell 2.437.000 Euro hat – ein Großteil dafür gehe für die Kinder- und Jugendbetreuung drauf, führte Hartl aus.

Doch Hartl hatte auch viel Positives zu berichten: Etwa, dass man beim Breitband-Ausbau gut aufgestellt sei, der Friedhof nach der Sanierung der dortigen Mauer in einem „Topzustand“ sei, man am Ortsausgang in Richtung Au ein neues Baugebiet mit 70 Parzellen (das entspreche rund 300 Einwohnern) ausweise und der Wasserzweckverband Baumgartner Gruppe ab 1. Juli 2018 die komplette Wasserversorgung – ausgenommen von Hausmehring und Airischwand, die der Hörgertshausener Gruppe angehören – übernehme. Letzteres hätte für beide Seiten Vorteile: Die Gemeindeverwaltung werde entlastet, und der Wasserzweckverband bekomme auf einer kleinen Fläche viele Anschlüsse.

Großes Lob an den Geschäftsführer

Nach rund 80 Minuten bedankte sich Hartl in alle Richtungen – allen voran bei der Marktverwaltung, die im zurückliegenden Jahr oftmals in die Kritik geraten war (wir haben berichtet). Ein großes Lob ging vor allem an Geschäftsführer Michael Reithmeier, „der die Mannschaft gut im Griff hat“.

Kritik am Informationsfluss beim Trinkwasser-Vorfall

Kaum Kritik gab es bei der Bürgerversammlung in Nandlstadt für Rathauschef Jakob Hartl. Einzig Gisela Kurkowiak nutzte die Gelegenheit, vier Punkte anzusprechen. Neben einem Verkehrsspiegel am Zeilerberg (wir haben berichtet), einem barrierefreien Zugang zur Bürgerversammlung und der Bitte, den Termin für die Bürgerversammlung eher bekannt zu geben und nicht in die Vorweihnachtszeit zu legen, brannte ihr die Abkochverordnung fürs Trinkwasser auf den Nägeln: Als Mitte November im Bereich des Wasserzweckverbands Baumgartner Gruppe das Trinkwasser wegen einer möglichen Belastung mit Keimen drei Tage lang abgekocht werden musste, sei man von der Gemeinde kaum, oder wie eine weitere Bürgerin ergänzte, erst viel zu spät informiert worden.

Gisela Kurkowiak (r.) fühlte sich von der Gemeinde im Stich gelassen, als Mitte November das Wasser der Baumgartner Gruppe abgekocht werden musste.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Anordnung des Wasserwirtschaftsamts erst am späten Freitagabend herausgegeben worden sei und das Rathaus am Wochenende nicht besetzt gewesen sei, wäre es für Kurkowiak wünschenswert gewesen, von der Gemeinde eher informiert zu werden. Erst am Montagvormittag hätten entsprechende Informationen auf der Homepage der Gemeinde gestanden. Eine Information der Bevölkerung via Lautsprecher, wie es früher der Fall war, hätte es nicht gegeben, monierte Kurkowiak. 

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Hartl hielt dagegen: „Es waren keine Wasserproben von uns, sondern vom Wasserzweckverband Baumgartner Gruppe.“ Und sowohl der Zweckverband als auch das Gesundheitsamt hätten frühzeitig Informationen veröffentlicht, führte Hartl aus. Zumal: „Es war absolut nichts im Wasser“, berichtete Hartl. An der Schnittstelle zwischen den Wasserzweckverbänden Hallertau und Baumgartner Gruppe sei es „zu einer Verunreinigung mit zwölf Kohlebakterien“ gekommen. Diese rühre vom Labor her, etwa von einer „verunreinigten Petrischale“, berichtete Hartl, nicht vom Wasser. „Die B-Probe des Wassers war absolut in Ordnung.“ 

Er versprach: „Wenn was Gravierendes wäre, wird das auch anders verfolgt.“ Auf die Anmerkung einiger Bürger, dass man zum Zeitpunkt der Grenzwertüberschreitung noch nicht wusste, wie schlimm es ist, ging Hartl nicht ein. Er selbst, so führte er aus, sei auch erst sehr spät über die Verordnung informiert worden: „Als ich erfahren hab, was ist, war beim Rewe und Penny schon das Wasser ausverkauft.“ Und zu möglichen Lautsprecher-Fahrten merkte Hartl an: „Wenn wir mit dem Feuerwehrauto rumfahren, dann steht morgen in der Bildzeitung: ,In Nandlstadt haben sie kein Internet, da fahren sie noch mit dem Feuerwehrauto.’“

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