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Zwei auf einen Streich: Kulturpreisträger Helmut Schranner stellte am Freitag zwei CDs vor, die unter seiner Regie entstanden sind.

Helmut Schranner

Liebeslieder ans Bier: Nandlstädter präsentiert zwei neue CDs

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Nandlstadt - Er hat ein Aufnahmestudio und spielt seit 16 Jahren mit den Holledauer Musikanten. Doch erst jetzt hat Helmut Schranner seine erste eigene Platte aufgenommen. Zeitgleich kommt er mit einem Album heraus, das sogar 500 Jahre Vorlauf benötigt hat.

Der Auftrag war knackig formuliert. „Lass dir was einfallen. Etwas, das anders ist als alles andere.“ Wenn Helmut Schranner an sein Telefonat mit einem Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks zurückdenkt, muss er lachen. Der 52-Jährige aus Nandlstadt sollte zum 500-jährigen Bestehen des Bayerischen Reinheitsgebots eine CD zusammenstellen. Der Kulturpreisträger des Landkreises Freising, der seit 16 Jahren mit seinen Holledauer Musikanten auf Tour ist, mag Herausforderungen. Also legte er sich ins Zeug – fast ein Jahr lang. Am Freitag präsentierte er sein Ergebnis.

„Hod ned des Bier an scheen Foam“, heißt die CD, die sich um das bayerische Nationalgetränk dreht. Für das Projekt hat Schranner tief im Archiv des BR geschürft und etliche Volksmusik-Raritäten zu Tage getragen, die er auf dem Tonträger versammelt hat. Ergänzt um Stücke, die er mit seinen Holledauer Musikanten neu eingespielt hat, ist Schranner eine musikalische Liebeserklärung an den Gerstensaft gelungen.

Dank einiger Schmankerl, die sich der Nandlstädter einfallen ließ, ragt die Platte tatsächlich aus anderen Zusammenstellungen heraus. So liegen ihr etwa zwei CD-große Bieruntersetzer bei – versehen mit Grußworten von den Spitzen des Hopfenpflanzerverbands und des Brauerbunds. Zudem konnte Schranner den Schauspieler Gerd Anthoff dafür gewinnen, einen Text von Ludwig Thoma einzusprechen, in dem es um den Bierkrieg geht. Zu dem kam es 1910 in Bayern, nachdem der Preis pro Liter um zwei Pfennig erhöht worden war. Auch das urige Cover mit seinem Holzdesign und der Karikatur auf der Frontseite ist liebevoll gestaltet. „Dafür habe ich meine Tochter Agnes engagiert“, berichtet Schranner. „Das war für mich persönlich etwas ganz Besonderes, weil sie das zum ersten Mal gemacht hat.“

Auch Schranner feiert dieser Tage eine Premiere. Denn nach 16 Jahren mit seinen Holledauer Musikanten wurden ihm und seinem Blasorchester von Bogner Records erstmals ein Plattenvertrag angeboten. Aufgenommen hat er sein spätes Debüt mit vorwiegend eigenen Stücken und dem eigenen mobilen Tonstudio in der Mittelschule Nandlstadt – „weil mir da die Akustik gefällt“.

Wert legt der Nandlstädter darauf, dass sich die Stücke auf der Platte anhören wie live. „Das ist alles handgemacht – ohne Hall oder sonst was“, betont er. Das heißt: Einen Special Effect gibt es auf der CD dann doch. Bei der selbst komponierten Bierfahrer-Polka bildete sich Schranner ein ganz spezielles Finale ein: Das Aufploppen einer Flasche und das Rauschen eines schäumenden Biers sollte zu hören sein. Und so schüttelte er für die Aufnahme eine Weißbier-Flasche – mit stürmischem Erfolg: „Als ich sie geöffnet habe, ist das Weißbier bis zur Decke gespritzt und volle Kanne auf mich runtergeprasselt.“ Da habe er sich einige Frotzeleien anhören müssen. „Ich hätte die Kommentare gerne auf der Aufnahme gelassen, aber sie waren nicht jugendfrei.“

Gut zu wissen

Die CD „Hod ned des Bier an scheen Foam“ wird beim Festival 500 Jahre Reinheitsgebot (22. bis 24. Juli) in München vorgestellt. Das Album „Ein Hoch dem Reinheitsgebot!“ von Schranner und seinen Holledauer Musikanten ist ebenfalls im Handel erhältlich.

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