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Von diesem Opel Monza wurde eine Zwölfjährige am 14. Oktober 2017 bei Nandlstadt erfasst. Sechs Tage später erlag sie ihren schweren Verletzungen.

Emotionaler Prozess nach tragischem Unglück

Mädchen (12) von Auto erfasst und getötet: Bekiffter Fahrer erhält Geldstrafe

Nach einem tragischen Unfall, bei dem 2017 ein Mädchen gestorben war, musste sich nun der Fahrer vor Gericht verantworten. Es wurde eine emotionale Verhandlung.

Nandlstadt – Es war eine mondlose Nacht, als die Zwölfjährige bei Nandlstadt von einem Auto erfasst und tödlich verletzt wurde. Der Unfallfahrer hatte einen Joint geraucht. Dass der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Mann nur acht Wochen darauf erneut unter Drogeneinfluss gestoppt wurde, nahm ihm das Gericht übel. Dass er Unfallschäden über die Versicherung des Vaters der Zwölfjährigen abwickeln will, ließ Prozessbeteiligte sprachlos zurück.

Mit ihrer Freundin war die Schülerin am 14. Oktober 2017 gegen 19.20 Uhr die Kreisstraße zwischen Nandlstadt und Hausmehring entlanggelaufen. Nicht mehr weit, und sie hätten das Haus der Freundin erreicht. „Ich hab erst gar nicht gemerkt, dass sie weg war“, erzählte die heute 14-Jährige dem Gericht. „Etwas Schwarzes flog durch die Luft.“ Dann sah sie ihre Freundin, rücklings auf dem Boden liegend.

Durch seinen Einspruch zwingt der Mann der traumatisierten Freundin der Toten den Prozess auf

Eindringlich hatte der Staatsanwalt den heute 51-Jährigen zuvor gebeten, dem traumatisierten Mädchen eine Aussage zu ersparen. Er aber bestand darauf, dass er den Unfall nicht hätte vermeiden können. Gegen den ihm zugestellten Strafbefehl und die darin ausgelobte Geldstrafe hatte er Einspruch eingelegt und den Prozess erzwungen.

Mit seinem Opel Monza, Baujahr 1983, befand er sich auf dem Heimweg nach Rudelzhausen. Hinter Nandlstadt führt die Straße steil bergab. Obwohl 100 Stundenkilometer erlaubt sind, beließ er es bei 80. Als er im Scheinwerferlicht die Zwölfjährige sah, war es zu spät. Das schwerst verletzte Mädchen starb sechs Tage darauf im Krankenhaus.

Polizist bricht im Gerichtssaal in Tränen aus

Dass er mit seiner Argumentation von der Unvermeidbarkeit nicht durchkommen würde, ließ Richterin Tanja Weihönig früh im Prozess erkennen. Ob 100 km/h oder nicht – es gelte das Sichtfahrgebot. „100 dürfen Sie nur fahren, wenn die Verhältnisse es zulassen“, sagte Weihönig. Ein Autofahrer muss selbst auf der Landstraße damit rechnen, dass ein Kind auf die Straße rennt oder dass zwei Mädchen die falsche Straßenseite im Dunkeln entlanglaufen. Auf keinen Fall dürfe er im Blindflug in ein dunkles Loch fahren.

Die ganze Tragik des Falles wurde deutlich, als der ermittelnde Polizist in Tränen ausbrach. Der 32-Jährige erinnerte sich, wie schlimm es um die Zwölfjährige am Unfallort stand. Dann kam er auf ihren Tod zu sprechen. Er wischte sich über die Augen. „Verzeihen Sie“, sagte er und erzählte mit tränenerstickter Stimme, wie der Vater ihn gebeten hatte, die Organe der Tochter spenden zu dürfen. „Er wollte, dass das Leben seines Kindes einen Sinn ergibt.“

Unfallfahrer will Schaden am Auto von Versicherung des trauernden Vaters bezahlen lassen

Wohl niemand im Sitzungssaal vermochte nachzuvollziehen, weshalb der 51-Jährige den Prozess unbedingt durchziehen wollte. Er hätte der Freundin, dem Polizisten und einer weiteren Zeugin (43) eine Aussage erspart. Unterwegs, um ihren Sohn abzuholen, hatte die Frau versucht, das Herz der 12-Jährigen am Schlagen zu halten, bis sie nicht mehr konnte und die Reanimation den Sanitätern überließ. Die Bilder dieses Abends haben sie alle bis heute nicht abstreifen können.

Der Vater des Mädchens sah sich nicht in der Lage, dem Prozess zu verfolgen. Vor Jahren verlor er seine Frau, jetzt das einzige Kind. Kein Wunder, dass Anwältin Cordula Heilmeier, die den Vater in der Nebenklage vertritt, recht aufgewühlt über den Versuch des 51-Jährigen berichtete, durch den Aufprall des Mädchens an seinem Auto verursachte Schäden der Versicherung des Vaters in Rechnung zu stellen.

Die Richterin verurteilte den 51-Jährigen zu einer Geldstrafe über 6400 Euro (160 Tagessätze zu 40 Euro). Die Sache tue ihm „irrsinnig leid“, hatte er in seinem Schlusswort gesagt. Man möge aber auch berücksichtigen, wie sehr ihn die Sache mitnehme.

Andreas Sachse


Lesen Sie dazu auch einen Kommentar von FT-Redakteur Manuel Eser.

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